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Thementreff Computer & Internet

Das iPad und die Generation 50Plus?

Günter Born

Das iPad von Apple ist stylish und findet viele Anhänger. Schick, Trendsetter, auch für Computerneulinge ganz einfach zu bedienen, ideal für die Generation der Senioren, Computerersatz und weitere Attribute werden dem iPad zugeschrieben. Feierabend.de-Mitglied und IT-Autor Günter Born fasst in einem Beitrag seine Erfahrungen nach nunmehr 3 Monaten iPad-Einsatz zusammen und wirft einen Blick auf die Eigenarten des Geräts.

Das iPad ist seit Frühjahr 2010 auf dem Markt und hat zwischenzeitlich begeisterte Liebhaber gefunden. Gerade wurde der Nachfolger in Form des iPad 2 angekündigt, welcher zusätzlich noch eine Front- und Rückseitenkamera aufweist. Sicherlich, das iPad ist ein tolles Gerät, welches einige neue Ansätze bietet. Aber wo Licht ist, ist auch Schatten. Wer vor dem Kauf eines solchen Geräts steht, sollte die Haken und Ösen kennen und beurteilen können, ob die eigenen Anforderungen sinnvoll erfüllt werden können. Besitzer eines iPad hilft es, die eventuell lauernden Fallen zu kennen.

Ohne PC geht nix!

Gelegentlich wird das iPad ja als Ersatz für den Computer gehandelt. Und weil sich so Mancher in der Zielgruppe 50Plus mit "dem Computer" schwer tut, wäre ja die Überlegung "ich spare mir die Einarbeitung in den Computer und greife gleich zum iPad" naheliegend. Ich erinnere mich auch an den "Brandanruf" eines Bekannten, dessen Freundin von den begeisterten Kindern ein iPad geschenkt bekommen hatte - "weil Oma ja nix mit dem Computer am Hut hat".

Dumm nur, dass das iPad zwingend das Vorhandensein eines Mac- oder Windows-Rechners voraussetzt. Auf diesem Computer muss das Apple Programm iTunes installiert sein. Dann ist das iPad zur Erstinbetriebnahme mit dem Computer zu verbinden. Anschließend müssen die Benutzerdaten eingetragen werden. Erst nach diesem Schritt wird sich das iPad als betriebsbereit melden.

Es gibt zwar Benutzer, die diese Erstaktivierung in einem Apple- oder Gravis-Shop durch den Händler vornehmen lassen. Aber Updates oder der Abgleich von Dateninhalten (Musik, Bücher, Apps) erfolgen ebenfalls durch iTunes, so dass man schnell wieder beim heimischen PC landet.

Während iTunes bei Apple-Computern unproblematisch ist, kann das Programm bei Windows-Rechnern mitunter zu erheblichen Bauchschmerzen führen. Insbesondere iTunes und Windows 7 ist für Ärger bekannt. Und so kann die Einstellung "mit dem iPad brauch ich den PC nicht mehr" durchaus zu einer "innigen Beschäftigung mit Windows" führen.

Genial: Einschalten und sofort loslegen

Was beim iPad schon begeistern kann, ist die Schnelligkeit, mit der das Gerät betriebsbereit ist. Nach der Erstinbetriebnahme reicht ein Drücken des Start-Schalters, um das Gerät aus dem Ruhemodus in den Betriebszustand zu versetzen. Ein Fingerwisch, schon ist das Gerät entriegelt und es kann benutzt werden. Antippen eines Programmsymbols, und schon lässt sich die App nutzen. Selbst ein komplett ausgeschaltetes iPad ist nach 10-15 Sekunden arbeitsbereit - etwas, was kein Net- oder Notebook leistet.

Klasse Display, aber netter Schminkspiegel...

Das Display des iPad ist auch bei seitlichem Blick gut ablesbar, so dass in dieser Hinsicht kaum Wünsche offen bleiben. Zwei Dinge trüben in meinen Augen aber die Freude am iPad. Obwohl ich nicht so der "ete petete Typ" bin, stören mich die vielen Fingertatschen auf dem Display schon gewaltig. Ständig bin ich auf der Suche nach einem Putztuch, und das, obwohl ich bereits eine Displayschutzfolie aufgebracht habe. Fairerweise muss man aber sagen, dass die Fingerabdrücke bei eingeschaltetem Gerät nicht mehr zu sehen sind.

iPad, Quelle-Günter Born

Was aber wirklich stört, ist das spiegelnde Display des iPad. Mit einer Lichtquelle im Rücken ist kein Arbeiten möglich. Und auch mein Versuch, im Sessel an der Terrassentür die Frühlingssonne zu genießen und das iPad zu verwenden, scheiterte kläglich. Sobald die Sonne auch nur ein wenig seitlich auf das Display fiel, war dessen Inhalt nicht mehr ablesbar.

Gerätehandbuch - wer braucht schon so was?

Ich muss gestehen, ich habe beim Auspacken des iPad schon geschluckt. Gut 700 Euro für das Gerät ausgegeben und kein Handbauch dabei. Beim Auspacken fielen mit nur zwei dünne DIN A4-Kärtchen, je eines in deutsch und französisch, in die Hände, die als "Handbuchersatz" dienen sollten. Auf einem Foto waren die wichtigsten Bedienelemente mit den Funktionsnamen aufgedruckt - das war`s. Und selbst diese Infos waren noch teilweise falsch.

iPad-Anleitung, Quelle-Günter Born

Die beiliegenden Zettel "Wichtige Informationen", mit den in Mikroschrift gedruckten Warnhinweisen, das iPad z. B. nicht in der Nähe eines Herzschrittmachers zu betreiben, darauf zu achten, keine Sehnenscheidenentzündung bei Verwendung des Geräts zu bekommen und notfalls einen Arzt zu konsultieren, waren nutzlos. Diese Seiten erinnerten mich eher an den Beipackzettel von Medikamenten, die ich nur mit besonders starker Brille entziffern kann, halfen aber beim Betrieb nicht wirklich weiter.

Irgendwie schien Apple den Spruch "kinderleicht" zu bedienen, doch etwas zu wörtlich genommen zu haben. Aber ist das Gerät wirklich ohne Bedienhandbuch zu betreiben? Ich meine nein! Und nicht nur mir ging dies so, denn auch diesbezüglich erreichten mich Nachfragen aus dem Bekanntenkreis "Gibt es nicht ein vernünftiges Buch zum iPad, da ist ja nix an Bedienungsanleitung dabei". Glücklicherweise konnte ich auf ein kleines Bändchen meines Autorenkollegen Giesbert Damaschke verweisen, welches auch mir bei den ersten Schritten gute Dienste leistete. Zwischenzeitlich gibt es auch aus meiner Feder ein Einsteigerwerk zum Computer, welches zumindest auf ein paar Seiten den Einstieg in das iPad behandelt.

Fairerweise muss gesagt werden, dass Apple schon eine sehr umfangreiche Bedienungsanleitung für das iPad bereitstellt. Allerdings verbirgt sich dieser Hinweis ganz klein auf der Rückseite des oben erwähnten Kärtchens. Der geneigte Benutzer muss das Handbuch in elektronischer Form aus dem Internet herunterladen und am Computer oder am iPad lesen. Wie man dieses Benutzerhandbuch so auf dem iPad speichert, dass es als eBook in der betreffenden App erscheint, habe ich erst nach Wochen durch Zufall herausgefunden. Dass man das auch eleganter handhaben, und das elektronische Bedienhandbuch auf dem iPad hätte mitliefern können, scheint bei Apple noch nicht durchgedrungen zu sein. Dies mag zwar bei Teenagern durchgehen, für mich als Käufer der Zielgruppe 50Plus fällt so etwas aber eher in die Kategorie "geht gar nicht".

Hintergrund für die unstimmigen Angaben auf den Bedienkärtchen ist übrigens die Tatsache, dass das Betriebsprogramm iOS (als Betriebssystem bezeichnet) bei der Erstauslieferung des iPad alles andere als fertig war. Seit Mai 2010 sind bereits mehrere neue Versionen herausgekommen, und jede Version hatte bisher teilweise gravierende Änderungen am Bedienkonzept. Beim Schreiben dieser Zeilen ist gerade iOS 4.3 herausgekommen und ich weiß jetzt schon, dass da Änderungen in der Bedienung vorgenommen werden. Also werde ich mir die Tage den recht umfangreichen Download genehmigen, um zu sehen, was sich wiederum geändert hat. Jetzt habe ich auch verstanden, was unter "lebenslangem lernen" verstanden wird. Nur gut, dass wenigstens mein Radiowecker seit Jahren immer mit der gleichen Taste ausgeschaltet wird - eine Konstante im Leben muss es schließlich geben.

Hier geht es weiter zu Teil 2 des Berichts

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