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Endlich Motorrad fahren
Ich kann zwar über keinen besonders ungewöhnlichen Motorradtrip berichten, denn im Grunde habe ich erst vor wenigen Wochen angefangen "richtig" Motorrad zu fahren, aber ich kann erzählen, wie ich zum Biker (Motorradfahrer) wurde.Seit etwa dreißig Jahren treffen wir uns mit ein paar Freunden in unserem inoffiziellen HiFi-Club. Da etwa die Hälfte dieser Freunde Motorrad fuhren, war auch das Biken hin und wieder Thema in unserer Runde. Mein Freund Roland und ich hatten zwar kein Motorrad, ja nicht mal den passenden Führerschein, aber immer wenn es um dieses Thema ging, ließen wir verlauten, dass ein "richtiges" Motorrad etwa so aussehen müsse, wie damals im Film "Easy Rider", oder zumindest so, wie man es bei den Rockern kennt. Die Reaktion der Motorradfahrer war stets dieselbe: Macht ihr erst mal den Führerschein!
Nun, vor etwa fünfzehn Jahren haben Roland und ich dann endlich beschlossen, noch vor unserem vierzigsten Geburtstag Motorrad zu fahren. Wir meldeten uns also zur Fahrschule an und nach einigen Wochen hielten wir stolz den Schein in den Händen.
Damals galt allerdings noch eine zweijährige Probezeit, in der man nur recht leistungsschwache Maschinen fahren durfte. Daher entschieden wir uns für gebrauchte 400er Yamahas mit 27 PS. Für den Anfang reichte das auch völlig aus, und wir waren, obwohl es anfangs noch Winter war, tagtäglich damit unterwegs.
Nachdem die zwei Jahre Probezeit endlich vorüber waren, wuchs aber das Verlangen, auf eine leistungsfähigere Maschine umzusteigen. Doch genau das war zu der Zeit wegen unseres mittlerweile getätigten Hauskaufes einfach nicht drin. Eben wegen der geringen Leistung, aber auch wegen der zusehends zunehmenden Unzuverlässigkeit, meldete ich mein Mopped also vor etwa zehn Jahren wieder ab.
Ich nahm mir jedoch fest vor, mir ein "richtiges" Motorrad zuzulegen, sobald die Finanzen dies wieder erlauben. Nun, es hätte sich sicherlich auch vorher schon die eine oder andere Möglichkeit ergeben, aber letztlich hat es doch bis zu diesem Frühjahr gedauert, bis ich mir meinen Traum endlich erfüllte.
Auf der Suche nach der idealen Maschine für mich erinnerte ich mich an das angenehme Fahrverhalten der Kawasaki EL 250, auf der ich den Führerschein gemacht hatte. Es sollte aber nicht so ein kleines "Mädchenbike" sein, sondern die große Schwester namens Eliminator 600. Ich stellte allerdings fest, dass dieses längst ausgelaufene Modell mittlerweile nicht nur sehr rar geworden ist, sondern dass auch die Gebrauchtpreise dafür eben wegen der Seltenheit bereits wieder drastisch gestiegen sind.
Auf der Suche nach einer bezahlbaren Alternative stieß ich dann immer wieder auf die Viragos von Yamaha. Im Internet fand ich dann einen Gebrauchthändler ganz in meiner Nähe. Ich entschied mich dort für eine XV 750 Virago, die ich schon zwei Tage später in Empfang nehmen durfte.
Meine ersten Ausfahrten (Touren konnte man dazu wirklich noch nicht sagen) machte ich auf kaum befahrenen Straßen hier in der Umgebung. Erstaunt stellte ich dabei fest, dass ich zwar einerseits nichts wirklich verlernt hatte, mir andererseits aber gewaltig viel Übung fehlte. Das Einschätzen von Kurven war mir einfach abhanden gekommen.
Ich verzichtete also zunächst auf Touren in Gesellschaft. Stattdessen eignete ich mir nach und nach allmählich wieder die alte Routine an.
Als ich mich nach einigen Tagen dann bereit fühlte, mal wieder in Gesellschaft zu fahren, ohne mich mit meinem Fahrstil zu blamieren, stellte ich etwas enttäuscht fest, dass von meinen ehemaligen Mitfahrern nur noch zwei ein Motorrad besitzen. Es galt also, neue Kontakte zu knüpfen. Fündig wurde ich, wieder mal durchs Internet, bei der Biker Union. In diesem Interessenverband der Biker, Rocker und Motorradfahrer gibt es in fast jeder Region lokale Gruppen, die sich regelmäßig treffen.
Anfang Mai machte ich mich also auf zum Stammtisch Hamm. Die meisten Mitglieder dort waren mir sogleich sympathisch, so dass ich schon nach dem zweiten Treffen Mitglied wurde. Die Hammer haben auf ihrer Internetseite auch ein Forum und in diesem werden fast an jedem Wochenende Verabredungen für Touren getroffen. Für Gesellschaft bei meinen Ausflügen ist also nun bestens gesorgt.
Ich fahre allerdings nicht nur nach Wetter, Lust und Laune, sondern nutze das Motorrad auch als reines Gebrauchsfahrzeug. Okay, jetzt im Sommer lässt sich das leicht sagen, aber um Nägel mit Köpfen zu machen, haben wir beschlossen unseren alten Zweitwagen, der demnächst der Verschrottung zugeführt wird, nicht mehr durch ein anderes Auto zu ersetzen. An den wenigen Tagen, an denen ich unbedingt ein Auto brauche, bringe ich halt meine Frau morgens zur Arbeit und und hole sie nachmittags wieder ab.
Abschließend möchte ich selbstverständlich noch darauf eingehen, was mich so am Motorradfahren begeistert. Nun, da ist zunächst mal das wesentlich bewusstere Fahrgefühl als beim Auto. Das ist halt ein Erlebnis-Effekt. Und es macht den Kopf frei! Wenn es in der Firma Probleme gibt, also wirkliche Probleme, dann gehen die einem oft auch daheim nicht aus dem Sinn. Aber schon eine kleine Ausfahrt mit dem Motorrad sorgt meist für Ablenkung. Selbst mein recht kurzer Heimweg von nicht mal einer halben Stunde reicht dazu in der Regel schon völlig aus. So kostet diese Ablenkung, anders als beim Sport, nicht mal Zeit. Doch meist fahre ich einen kleinen Umweg über Straßen, die mit dem Bike einfach mehr Spaß machen, als die langweilige gerade Strecke, die man mit dem Auto nehmen würde.
Übrigens, was ich zwar nicht unbedingt erwartet hatte, aber nun durchaus angenehm empfinde, ist die Tatsache, dass so ein Chopper, wie ich ihn jetzt fahre, eine gewisse Gelassenheit vermittelt. Mit einem vollverkleideten Renner ist es nämlich nahezu unmöglich hinter einem langsam fahrenden Auto (insbesondere LKW oder Bus) zu bleiben, ohne dabei die Geduld zu verlieren. Mit einem Chopper dagegen lernt man gerade die Faszination des Langsamfahrens kennen und schätzen. Nicht, dass es an der nötigen Power zum Überholen mangeln würde! Nein, es ist einfach die entspannte Sitzhaltung im bequemen Sattel, die eine gewisse Ruhe und Überlegenheit ausstrahlt. Ähnliches kennt man ansatzweise von großen komfortablen Autos. Man steht da einfach über den Dingen.
Und so ein Chopper hat einen weiteren, nicht zu unterschätzenden
Vorteil: Niemand macht sich über die Güllepumpe, die Gussradwichse oder den Yoghurtbecher lustig. Wer die Werner-Comics gelesen oder die entsprechenden Filme gesehen hat, der wird wissen, was ich meine. ;o)









