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Autor

Lothar (Bost)

Woher stammt der Name Weihnachtsstern? - Aus dem Volksmund: Zu Weihnachten ist es eine unserer bedeutenden Zierpflanzen geworden.

Der Weihnachtsstern trotzt der Natur! Während so viele Blütenpflanzen ihre Farbenpracht in der lichtvollen Jahreszeit entfalten, will dieses Wolfsmilchgewächs gerade in der dunkelsten Jahreszeit gesehen werden. Aber noch viel widerspenstiger benimmt er sich: Wenn man ihm nicht nach höchstens acht Lichtstunden wieder Schatten gönnt, so mag er überhaupt nicht mehr weiterleben! Obwohl er ursprünglich aus den Tropen Mittelamerikas stammt und erst um 1800 durch Alexander von Humboldt nach Europa in die gemäßigten Breiten gelangte, kommt der Weihnachtsstern in den warmen Ländern oft überhaupt nicht zum Blühen. Zugleich aber benimmt er sich - was den Wasserbedarf anbelangt - wie die Alpenveilchen, wie Kakteen und andere Sukkulenten: Der Boden des Weihnachtssterns sollte durchtränkt, dann aber drei bis vier Tage lang garnicht mehr gegossen werden. Schon garnicht sollte an die Wurzeln stehendes Wasser herankommen.

Weihnachtsstern3
Weihnachtssterne


Ein sehr dünner fester, fast verholzender Stengel, wie ihn viele Orchideenarten und auch der Weihnachtsstern aufweisen, mutet nervenbetont, formbetont an. Ein dicker fleischiger Stengel dagegen wirkt saftig, wuchernd, lebensvoll. Bedenkt man, dass ein Mensch nach dem Essen, wenn die Lebenskräfte mit dem Stoffwechsel beschäftigt sind, für konzentriertes Arbeiten weniger bereit, müde ist und dass man bei einer nervig - konzentrierten Arbeit weniger zum Essen neigt, dann sind im übertragenen Sinn formbetonte Pflanzen wie die Orchideen ein Gegensatz zu den fleischigen oder wuchernden Pflanzen, zu denen auch die Alpenveilchen eher neigen. Auf den dünnen, kurzen "nervigen" Stengeln des Weihnachtssterns sitzt jeweils ein großes Blatt, das in gewissem Sinn den Stoffwechsel (Photosynthese, Sauerstoffbildung) der Pflanze symbolisiert. Weihnachtssterne bilden im ersten Anschauen einen Blätterwald, der "Verdauungsarbeit" leistet. Aber die Blätter werden von einem "nervigen" Stengel getragen: Eine Pflanze im vegetativen Spannungsfeld widerstreitender Lebensprozesse.

Dass der Weihnachtsstern weniger eine luftig - leichte Blume mit duftig - athmosphärischem Umkreis ist, sondern mehr als "Leebensspender" und "Leben-Verwirklicher" vor uns steht, sieht man auch daran, dass die großen roten Weihnachtssternblätter keine Blütenblätter sind. Die Röte ( manchmal auch Weiße ) deutet eher darauf hin, dass in ihrem Mittelpunkt auch kleine, kaum bemerkbare Blütchen zu finden sind, die zuweilen aber als kräftige Farbtupfen auch wieder auffallen können.

Unter solchen Aspekten schenkt man mit einem Weihnachtsstern also in einer äußerlich kargen Jahreszeit eine Pflanze, die gegen den Widerstand äußerer Umstände und im Widerstreit von Naturprozessen Mut zum Leben vermitteln darf.

Eine Pflanze, die Widrigkeiten trotzt? Wolfsmilch - eine mäßig giftige Substanz, die der Mensch nicht verträgt, gehört zu den Säften des Weihnachtssterns und rundet dieses Bild vom " trotzdem Leben" ab.

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