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Autor
Lothar Klütz (Bost)
Mehr als eintausend verschiedene Rosenarten sind heute bekannt - zum größeren Teil durch Züchtung entstanden. Lassen wir uns für einen Moment ein auf eine Rosenart, die wir als besonders schön empfinden:
Zwei vielleicht unbewusste Wahrnehmungen prägen den ersten Eindruck einer solchen Rose auf uns nachhaltig: Die Regelmäßigkeit und Farbenpracht der Blüte und der kraftvolle dornenbewehrte Stengel. Der dunkelgrüne Stengel vermittelt uns das Empfinden von kraftvollem, gesunden Pflanzenleben. Zugleich sorgen die holzartig geradlinige Stengelfestigkeit und die klar ausgeformten festen Blätter für eine Ahnung, dass dieses kräftige Pflanzenleben nicht formlos wuchert, sondern gut durchgestaltet sich zum Licht aufrichtet. Die gut erkennbaren Dornen drücken zudem eine verhaltene Wehrhaftigkeit aus, die sich in der Vielfalt der Natureignisse zu behaupten weiß. Wünschen wir nicht, dass unser eigenes inneres Wesen alle diese bisher genannten Eigenschaften gut ausgeprägt und im Gleichgewicht wirkend besitzt? - Und welch ungebrochene Ausstrahlung drückt sich dann in der roten oder gelblichen Blüte aus! Aber es sind keine "kalten Strahlen", die unbeirrt in die Lichtesweite hinausstürmen und sich in den Weiten verlieren. Die runde Körbchenform des Blütenstandes und der feste, in sich gehaltene Blütenansatz vermitteln auch ein Gefühl von umhüllender Wärme, von Selbstwahrnehmung, von innerer Harmonie. Alles dies ertastet der Pflanzenliebhaber auch an der Widerstandsfähigkeit des Blütenstandes!
Rosen von heutigem Aussehen gibt es erst seit etwa 150 Jahren. Der wohl älteste gesicherte Hinweis auf Rosen - damals noch Wildrosen - ist zur Zeit wohl in einem Fresco im Palast von Knossos auf Kreta zu finden. Die ursprüngliche Heimat der Rosen vermutet man jedoch in Zentralasien, von wo sie über das Altai-Gebirge, den Kaukasus und Persien erst später zum Mittelmeer gelangt waren. In der Antike - so die nun schon konkrete Überlieferung - wurden siegreiche Soldaten in der Heimat mit einem Rosenkranz geschmückt. Und da die Menschen zu allen Zeiten ihre tiefen Empfindungen vorrangig in Bildern und Naturerlebnissen ausdrückten, war die Rose im alten Griechenland wie im alten Rom Blume der Göttin der Schönheit und der Liebe zugedacht.
Im Verlauf der römischen Geschichte erhielten die Blütenblätter der Rosen eine immer stärkere Bedeutung - jene leicht in der sonnendurchtränkten Luft aufwirbelnd dahinschwebenden ätherischen Hochzeitsgewänder dieser Pflanze, mit denen bei bedeutenden Festlichkeiten ganze Teppiche über die Erde ausgestreut wurden. Aber die Rosenblütenpracht fiel nun auch mehr und mehr dem Missbrauch, der Dekadenz und schließlich für mehrere Jahrhunderte der Vergessenheit zum Opfer.
Jedoch, wie aus einem Ersterben ein neues Leben entstehen kann, so erstand auch die Rose im Mittelalter wieder - als Heilpflanze.In der Alchemie wurde sie zur Blume der Weisheit und des klaren Geistes. Krampflösend, antidepressiv wirkend, menstruationsfördernd, die Haut regenerierend und die ätherische Umgebung durchlichtend verwendete man z.B. die Säfte der Rosa gallica officinalis.
Dem weiter nachzusinnen lohnt sich: etwa der Tatsache, wie im Christentum die heilige Jungfrau Maria mit Rosen umgeben wurde, welche Bedeutung hinter dem ursprünglichen Rosenkreuzertum verborgen ist, wie in der Literatur die Rose zu leuchtender Größe erhoben wurde oder wie in der Malerei eine besondere Kraft von diesen Motiven ausging. Ich schließe mit der schlichten Feststellung: Wer heute ehrlichen Herzens eine Rose verschenkt, schenkt mit seinem besten Wollen Lebenskraft, Zuneigung, Durchlichtung, Lebensmotivation.
Rosen schauen wir auch gern im Zwiegespräch mit anderen Blumen an. Zum Vergleich: Von vielen Orchideenarten stellen wir uns oft nur eine einzige Rispe in die Vase. Rosen kommunizieren.
Rot und weiß - erinnern wir uns an das Märchen: "so weiß wie Schnee, so rot wie Blut, so schwarz wie Ebenholz" oder schauen wir in die Parzifal-Erzählung Wolfram von Eschenbachs: die drei Blutstropfen im Schnee. - Blut ist Lebensträger, ist Grundlage allen höheren Lebens. Goethe läßt Mephistofeles in seinem Faust-Drama sagen:"Blut ist ein besonderer Saft!" Wenn diese Röte im Schnee erscheint, im reinsten und hellsten Licht, dann offenbart sich das höhere Leben in seiner intensivsten Erscheinung.
Rote Rosen mit Maiglöckchen, rote Rosen mit weißem Flieder usw. - es sind "edelste" Farben, Königsfarben, Hochzeitsgebinde etc.
Die Vielfalt der Rosensprache ist unerschöpflich. Sie sei hiermit nur angedeutet.
Krefeld, den 10.2.2009




