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Autor

Lothar (Bost)


Du hast sicher schon junge Menschen kennengelernt, die ein wenig still und zurückgezogen, ja unscheinbar leben, feinfühlig ihre Umgebung wahrnehmen und in ihrem Wesen von Lebenfreude, vielseitiges Interesse und Zuneigung bestimmt sind. Ausstrahlen können sie diese so positiven Eigenschaften aber erst, wenn sie in ihrer Umgebung eine Aufnahmebereitsschaft und ein Eingehen auf ihre Bedürfnisse spüren. Mit solchen Menschen wollen wir ein Zimmeralpenveilchen vergleichen:


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In der Regel viel kleiner als eine Rose oder eine Orchidee zeigt das Zimmeralpenveilchen dennoch eine große Blüte von auffallender mehrfarbiger Leuchtkraft. Sein saftig - weicher fleischiger Stengel scheint einen intensiveren Säftestrom zu verkünden, mutet lebensvoller an als die holzigartig verhärtet wirkenden Stengel vieler Rosen - und Orchideenarten. So wirkt das Alpenveilchen auf den ersten Blick nicht so widerstandfähig, vergänglicher, schutz- und pflegebedürftiger.

Wer sich in der Pflege der Alpenveilchen auskennt, der weiß, dass diese Pflanze recht anspruchsvoll und umgebungssensibel ist: Sie verlangt eine Temperatur um 15°C, dazu eine recht hohe Luftfeuchtigkeit. Etwa alle vier Tage soll sich die Erde um sie mit Wasser volltrinken können, aber niemals soll die Knolle des Alpenveilchens unmittelbar mit Wasser in Berührung kommen, schon garnicht im Wasser stehen. Und: Licht braucht dieses Priemelgewächs, aber sie liebt mehr schattige Plätze, meidet direkte Sonneneinstrahlung. Das wilde Alpenveilchen bevorzugt zudem einen kargen Kalkboden, der das Wasser nicht festhält und auch an Lebensstoffen weniger reich ist. - Alles dies: Sind es nicht Eigenschaften gleich denen jenes stillen, unscheinbaren und sensibel beschriebenen jungen Menschen?



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Wenn sich im Herbst und im Winter ein dämmriges Grau über unsere Breiten legt, dann blüht das vergleichsweise kleine Alpenveilchen in leuchtenden Farben - sei es als Topfpflanze im Zimmer oder gar noch im Garten.

Nicht die Alpen sind sein Herkunftsland, sondern die Gebirgsgegenden des alten Persiens und Kleinasiens. Inzwischen sind etwa an die dreißig verschiedene Arten von Alpenveilchen bekannt, zum Teil nach und nach gezüchtet. Diese Pflanzenart gehört heute zu den besonders beliebten Blumenarten. Wenn wir sie verschenken, dann möge es nicht um des niedrigen Preises willen geschehen, sondern weil wir als vermeintlich unscheinbare Gabe dem Beschenkten ein Seelenlicht für sein Leben während der melancholischen lichtarmen Jahreszeit übergeben möchten.

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