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Autor

Lothar (Bost)

Betrachtung der Fabel "Der Rabe und der Fuchs" von Jean de la Fonaine (1621-1695)


Dies ist zunächst eine Nachdichtung der französischen Orginalfassung der Fabel:

Im Schnabel einen Käse haltend, hockt
Auf einem Baumast Meister Rabe.
Von dieses Käses Duft herbeigelockt,
Spricht Meister Fuchs, der schlaue Knabe:
>Ah! Herr von Rabe, guten Tag!
Wie nett Ihr seid und von wie feinem Schlag!
Entspricht dem glänzenden Gefieder
Nun auch der Wohlklang Eurer Lieder,
Dann seid der Phönix Ihr in diesem Waldrevier.<
Dem Raben hüpft das Herz vor Lust. Der Stimme Zier
<zu künden, tut mit stolzem Sinn
Er weit den Schnabel auf; da - fällt der Käse hin.
Der Fuchs nimmt ihn und spricht: ><Mein Freundchen,
Ein jeder Schmeichler mästet sich (denkt an mich!)
vom Fette des, der willig auf ihn hört.
Die Lehr ist zweifellos wohl - einen Käse wert!<
Der Rabe, scham- und reuevoll,
Schwört - etwas -, dass niemand ihn mehr fangen soll.

Fuchs1

In der Fabel "Hochmut kommt vor dem Fall" reicht die Klugheit des Raben aus, um der rohen Kraft des Einhorns ein Lehrmeister zu sein. Stellen wir uns für einen Augenblick vor, in der hiesigen Fabel halte das Einhorn den Käse im Maul, den der Fuchs haben möchte. Dem Fuchs wird in der Literatur Schläue und Listigkeit zugesprochen. Mit Listigkeit und Schläue die dumme ungezüghelte Kraft eines Einhornhorns zu überlisten würde heißen, mit Kanonen auf Spatzen schießen. Andererseits mit List und Schläue einen klugen Raben zu schlagen, das ist angemessen. So können wir hier erkennen, wie weisheitsvoll in echten Fabeln die Wahl der Tiere getroffen ist.

Schauen wir uns aber einen Fuchs genauer an: Der lange Schwanz dient als Steuerruder während eines Sprunges und drückt Gewandtheit in der Bewegung aus. Zugleich erkennen wir in der langen Schwanzbehaarung kuschelige Anschmiegsamkeit und Geschmeidigkeit. Der lange schmale Körper signalisiert die Fähigkeit von anpassungsfähiger Beweglichkeit beim Anschleichen und langschrittige kraftvolle Sprungfähigkeit. Die apitzen in mehreren Richtungen stellbaren Ohren lassen die sehr scharfe Hörfähigkeit des Fuchses erahnen. Klare große Augen deuten auf der Jagd ein scharfes, konzentriert - zielgerichtetes Sehen an, zugleich können diese Augen eine seelenvolle Zutraulichkeit ausdrücken. Die schlanke spitze Schnauze schließlich deutet an, dass der Fuchs kein Gramm zuviel an überflüssigem Fetten mit sich trägt, sehnige, ausdauernde Wendigkeit - ja, und er kann seine Nase überall hineinstecken - selbst in die engsten, unzugänglichsten Löcher. Die scharfe schnüffelfähige Nase dieses Hundeverwandten ist zudem hinreichend bekannt. Und lernfähig ist der Fuchs....

Lass' dich nicht von schönen Worten bluffen, sagt uns die Fabel.Wie oft lassen sich doch im täglichen Leben Menschen von warmen Worten verführen! Wie oft stellt sich - nicht nur im jugendlichem Alter - zum Beispiel Verliebtheit in eine warme Stimme ein, wo prüfende Zurückhaltung vor schweren Schicksalsbindungen bewahren würde. - In den kargen Worten der Fabel Lafontaines liegt eine Weisheit von ungeheurer Tragweit...


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