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Autor

Lothar (Bost)

Märchen, Fabeln und Legenden in der Gegenwart

In einem Lexikon heißt es:"Ein Märchen ist eine phantasievoll ausgeschmückte Erzählung, bei der die Naturgesetze aufgehoben sind und das Wunder vorwaltet. Tiere und Gegenstände aller Art sprechen und verkehren mit den Menschen auf einer Ebene. Es gibt zaubermächtige Helfer und wunderbare Hilfsmittel. Der Abschluss des Märchens ist immer befriedigend, von ausgleichender Gerechtigkeit." Über Fabeln wird darin gesagt:"Eine Fabel ist im engeren Sinn eine Erzählung, die in satirischer oder erzieherischer Absicht sich der Tiere oder anderer Naturwesen bedient, um menschliche Eigenschaften zu verkörpern und in typischen Lagen vorzustellen, sodass sich eine allgemeine Lehre daraus ziehen lässt." Legenden werden dort so charakterisiert:"Ursprüngliche Bezeichnung für die Lesung eines Bekennerlebens aus dem Liber legendarius, im Gegensatz zu den Passiones (Leidensgeschichten) der Märtyrer im Liber passionarius, dann allgemein die wunderbare Erzählung aus dem Leben der Heiligen, teils lehrhaft-erbaulich,teils volkstümlich-phantastisch."

Die rechts angebotenen Betrachtungen von Märchen befassen sich vorläufig nur mit den Grimmschen Märchen, weil diese zum zentralen Märchengut in Deutschland gehören. Wenn wir die auf diesen Seiten angebotenen Darstellungen mit obíger Charakterisierung vergleichen, dann werden wir in der Lexikonäußerung eine mehr lebenspraktische Beschreibung von Märchen entdecken, hier hingegen werden in den Märchen bildhafte Schilderungen von seelischen Zuständen und Entwicklungen aufgezeigt. Lässt man beide Sichtweisen gelten , so können wir erahnen, dass wertvolle Märchen eine unerschöpfliche Fülle an Lebensweisheiten und Lebenssituationen in sich bergen.

Die wenigen Beispiele von Fabeln, die an dieser Stelle nur besprochen werden können, lassen uns erahnen, dass Fabeln eine andere Bewusstseinslage zum Ausdruck bringen als Märchen: Die Grimmschen Märchen schildern zumeist den Schicksalsweg von Menschen durch einen längeren Zeitraum hindurch. Wir erleben darin Entwicklung, werden in eine Fülle von Lebenserfahrungen und Lebensweisheiten geführt und fühlen uns ganz in die Komplexität des täglichen Lebens versetzt. Dabei tragen die gewählten Bilder - da sie sehr stark seelische Prozesse beinhalten - im realistischen Sinne einen Hauch von Unwirklichkeit in sich.

Anders die Fabeln: Hier sind vorwiegend Tiere die Hauptakteure. Ihre Lebensbedingungen sind sehr viel eingeengter und perfektonierter als die der Menschen. Beispielsweise bietet die Oberhaut samt Fell eines Hundes einen wesentlich besseren Temperaturschutz - vor allem gegen Kälte - als die des Menschen. Der Mensch atmet hingegen auch durch seine Haut, ist weniger kältegeschützt, vermag aber bei größerer Wärme zu schwitzen und damit durch Verdunstung Kühlung zu erzeugen. Ein Hund kann durch seine Haut nicht Schweiß absondern. Man sagt im Volksmund, der Hund schwitzt auf der Zunge. Heiße Temperaturen setzen ihm biologisch gesehen mehr zu als dem Menschen. Der Mensch ist also zu flexibleren Klimabedingungen befähigt als der Hund.

Die biologische Spezialisierung der Tiere wird in den Fabeln benutzt, um eine spezielle Seeleneigenart des Menschen in den Blickpunkt zu rücken. Fabeln sprechen nicht die Vielfalt der menschlichen Lebensumstände an, wie dies die Grimmschen Märchen tun. Fabeln filtern aus der Lebenswirklichkeit meist einen einzelnen Aspekt heraus. Damit tragen Fabeln intellektuellere, erkenntnisorientiertere Züge als die Grimmschen Märchen.

Der deutsche Legendenschatz, der ebenfalls Züge der Unwirklichkeit in sich trägt, beschreibt vielfach moralisch hochstehende Charaktereigenschaften von Menschen, die im Mittelalter lebten, an lebensnahen Einzelbegebenheiten. Deshalb kommen Legenden unserem heutigen Lebensgefühl schon näher als Märchen und Fabeln. Es sind Vorbildangebote. Ob es aber Vorbilder werden, das muss jeder für sich selbst entscheiden dürfen. Hier werden - nicht wie bei Märchen und Fabeln - Tierspezialierungen und Märchenlandschaften herangezogen, um Menschenentwicklungsziele bewusst zu machen, sondern die menschliche Seelenkraft selbst.


BURGLINN2

Aus Platzgründen habe ich Besprechungen von Märchen, Fabeln usw., die etwa ein Jahr lang an dieser Stelle veröffentlicht waren, auf meine private Homepage http://www.kluetzl.de übertragen. Der nachfolgende Link führt Dich unmittelbar dorthin

Link zur Besprechung weiterer Märchen der Gebrüder Grimm

Zur Zeit findest Du die Besprechungen folgender Grimmscher Märchen dort:

1) Hänsel und Gretel
2) Rapunzel
3) Das tapfere Schneiderlein

Viel Freude wünscht Dir nun

Lothar (Bost)

Krefeld, am 10.11.2008

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