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Koblenzer Dialekt


Dat Abidür

Wer heit sei Abidür net hat,
dä kann kain Arbeit fenne,
on socht omsonst en Dorf on Stadt
en Stellung ze gewenne.

Dat hat dä Ley, dä Onglecksworm,
letzthin erfahre mehsse,
denn weil dat Angebot enorm,
micht mer kei Federlese.

En Stell fir'n Kejeljung wor frei
em "Schänzje" off der Mauer,
sofort meldt sich dä Köwes Ley
als Kejeljung von Dauer.

Do säht dä Wirt em teefste Bass:
"Kanns mir so goht net schwätze,
wenns dau dei dei Abidür net hass,
kannste kain Kejel setze!"

Do hiert dä Ley, dat en Waldesch
mer däht en Schäfer sooche,
doch hei trifft ihn das gleiche Pech,
mer wor ihm net gewoge.

Dä Schultheiss säht ganz grob on krass:
"Nix es hei ze berede,
wenns de dei Abidür net hass,
kannste die Schoof net heede!"

Lägt sich dä Köwes onnern Baum,
weil Ä nix hat ze esse,
om korzerhand en Schloof on Traum
sei Elend ze vergesse.

Em Traum schellt an der Himmelsdier
dä Ley - fängt anze flenne:
"Sankt Petrus! hann kai Abidür,
wers mich net brauche kenne!"-

Do hät dä Petrus stell gelacht
on heißt dä Ley willkomme,
hat weit die Dier ihm offgemacht,
ihn met erenn genomme.

Säht:"Köwes! tröst dich doch met mir,
wat soll dä Weisheitsfimmel?
Ich hann jo och kai Abidür
on kohm doch en de Himmel!"


hier eingetragen am 11.11.2009



Dieses Gedicht ist dem Buch von Josefine Moos: "Gedichte in Koblenzer Mundart" entnommen, das im Görres Verlag, Koblenz etwa um 1970 erschienen ist.

Übersetzung


Das Abitur

Wer heute sein Abitur nicht hat,
der kann keine Arbeit finden,
und versucht umsonst in Dorf und Stadt
eine Stellung zu gewinnen.

Das hat der Ley, der Unglückswurm,
letzthin erfahren müssen,
denn weil das Angebot enorm (großartig),
macht man kann Federlesen.

Eine Stelle für einen Kegeljungen war frei
im (Restaurant) "Schänzchen" auf der Mauer.
Sofort meldet sich der Jakob Ley
als Kegeljunge auf Dauer.

Da sagt der Wirt im tiefsten Bass:
"Du kannst einfach nicht so gut reden.
Wenn Du dein Abitur nicht hast,
kannst Du keine Kegel aufsetzen!"

Da hört der Ley, dass man in Waldesch
einen Schäfer suche.
Doch hier trifft ihn das gleiche Pech:
Man war ihm nicht gewogen.

Der Schultheiss sagt ganz grob und krass:
"Nichts ist hier zu bereden,
Wenn Du dein Abitur nicht hast,
kannst Du die Schafe nicht hüten!"

Da legt sich der Jakob unter einen Baum,
weil er nichts hat zu essen,
um kurzerhandin Schlaf und Traum
sein Eelend zu vergessen.

Im Traum läutet an der Himmelstür
der Ley
"Sankt Petrus! Ich habe kein Abitur,
wirst mich (wohl) nicht brauchen können!"

Da hat der Petrus still gelacht
und heisstden Ley willkommen,
hat weit die Tür ihm aufgemacht,
ihn mit hinein genommen.

Sagte:" Jakob! Tröste dich doch mit mir,
was soll der Weisheitsfimmel?
Ich habe ja auch kein Abitur
und kam d o c h in den Himmel!"


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