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Autor

Ute (Ute58)

47. Tag, 9.7.2009
Wetter: Sonne, Wolken, mittags mehr Wolken, etwas Wind, kein Regen, warm.
Wanderung: Gîte des Fleurs, St. Prix - Maison du Beuvray, St. Léger - sous - Beuvray, ca 15 km + 10 km Umweg.

Wie ist das mit dem Sich-sicher-Fühlen? Es gibt bestimmt Menschen, die sich, gleich in welcher Lage sie sich befinden, mehr oder weniger immer sicher in sich selbst fühlen. Andere fühlen sich so gut wie nie sicher. Beim Wandern machte ichgerade gestern und heute die ganz handfeste Erfahrung, dass ein guter Teil meines Sicher-Fühlens davon bestimmt ist, dass ich ganz äußerlich weiß, wo ich bin. Und wenn es nur sehr theoretisch anhand meiner Landkarte ist - eigenartig, sie ist doch nur Bild (!) - : finde ich den Ort, an dem ich jetzt bin, dort eingezeichnet und kann mir meinen Weiterweg anhand des Kartenbildes klarmachen, dann fühle ich mich in meiner Erdenorientierung sicher! Klappt das nicht, werde ich unruhig, suche, bis ich einen Orientierungsanker wieder gefunden habe.

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Dieses Morvan, dieses wunderschöne Fleckchen Erde mit seinen runden Kuppen und vielen Tälchen, es lädt den Wanderer ein, überall hinzugehen, zu schauen, sich zu freuen! Es gibt eine große Anzahl von Wegen, die allerdings nicht alle zu einem Ziel führen. Entsprechend viel Mühe kostet es, die Wanderwege zu pflegen, und die ersten Wandertage durfte ich dies genießen. Gestern und heute benutzte ich anders bezeichnete Wege als die in meinem Wanderführer angegebenen und verlor mich prompt zweimal, weil an wichtigen Stellen Zeichen fehlten oder ungenaun angebracht waren. So abwechslungsreich schon im ganz Kleinen diese Landschaft ist, so leicht kann ein Ortsunkundiger die Übersicht verlieren, selbst bei wachem Verfolgen des Weges. Die Holländer hatten mich gewarnt: Sie hatten einen ganzen Tag gebraucht, um den Weg, den ich heute gehen wollte,doch nicht zu finden!
Dennoch bin ich gerne hier und liebe die humorvollen Wetterstimmungen, die diese vielgestaltige Landschaft in ebenso vielfältiger Weise einhüllen. Hängen hier die Wolken tiefgrau und dunkel, da drüben lacht froh die Sonne! Gießt der Regen, ein Weilchen später schließen sich die Schleusen, der Himmel hellt sich auf: Es wirdschon wieder besser! Und überall, wo ich bis jetztam Abend unterkam oder wennich Autos anhielt um zu fragen, wo ich mich befinde, erlebte ich ebenso Freundlichkeit und Humor.So behalte ich auch den heutigen , mit ca 10km Umweg etwas mühevollen Tag in guter Erinnerung, kam ich doch noch beizeiten in meinem Abendquartier an.

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Mont Beuvray 1

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Mont Beuvray 2

49. Tag, 11.7.2009
Wetter: Sonne, Wolken (manchmal dicht), kaum Wind, warm
Wanderung: Autun - Nolay, ca. 29 km

Wie gefährlich kann Pilgern eigentlich sein? In alten Zeiten konnten schlechte Wege und Wegelagerer den Pilgerer existenziell hindern oder gar bedrohen. Und heute? Schlechte Wege muss ich nicht gehen, es gibt eher zuviele gute, das kann schwierig sein, muss mich aber nicht aufhalten, so dass ich nicht weiter könnte. Wegelagerer kennen wir gewöhnlich nicht, aber schnell fahrende Autos haben Menschen schon das Leben gekostet. Mit diesem Bewusstsein ging ich heute meinen Weg: ca. 30 km recht verkehrsreiche Straße, zum Teil fuhren die Autos sehr schnell. Sehr wach muss man da sein, will man heil durchkommen. Das Ganze hatte aber auch eine heitere Seite: Nie hatte ich so viele "Mitpilger", die mir flink entgegenkamen oder an mir vorbeirauschten. Manche grüßten heiter, einer wollte mich gar ein Stück mitnehmen (eine Frau aus Karlsruhe), nahm es aber hin, dass ich mit meinem Tempo ganz zufrieden war.

Wieder galt es, Abschied zu nehmen. Abschied von einer interessanten, schönen Stadt - noch in der Ferne "strahlt" ihre Kathedrale kräftig in ihre Umgebung - und von einer wundervollen, harmonischen Gegend mit absolut liebenswerten Menschen. Wir, die Landschaft und ich, haben eine Woche lang miteinander gelebt, gefühlt; ich habe mit jedem Schritt ihren Boden berührt, sie hat mir ihre Schönheit geschenkt. Ich habe während meines heutigen Weges bestimmt fünfmal von ihr Abschied genommen, und immer wieder tauchten die blauen Hügelberge beim Zurückschauen in die Ferne noch einmal aif, das allerletzte Mal fünf Kilometer vor meinem heutigen Ziel! Wie wenn wir voneinander nicht lassen könnten.


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Es ist mir klar, dass diese "Berichte" an Vollständigkeit mangeln, dafür gibt es aber Bücher und sicher auch Internetseiten genug, mit Hilfe derer die Gegend kennengelernt werden kann. Mir geht es vielmehr um die Frage: Was erlebe ich als Wanderer an Landschaft, Orten, Wetter und schließlich an der Tatsache des Durch-die-Lande-Ziehens? Wie ist mein eigenes Verhältnis zu dem, was mich als "Welt" im umfassendsten Sinn umgibt?

Ute58



eingetragen am 4.9.2009

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