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Ikonen – Kultbilder der Ostkirche

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Taufe Christi.
Um 1680
Ikonen sind Kultbilder, Andachtsbilder der christlichen Ostkirchen, beispielsweise der griechisch- oder russisch-orthodoxen Kirchen.
Das Wort „Ikone“ wurzelt im Griechischen „eikon“ oder „ikona“ und bedeutet „Bild“.
Als Ikone wurde zunächst jede religiöse Darstellung bezeichnet wie das Tafelbild, das Wandgemälde, die Statue. Seit der Goethezeit ist die Einengung des Wortes Ikone auf die Tafelmalerei gebräuchlich.
Die Ursprünge und Quellen der Bilderverehrung liegen weit zurück. Im christlichen Bereich sind es einfache Zeichen wie der Fisch (Lk.24,42), der Anker (Hebr.6,18-20) oder der Ölzweig (1.Mos.8,11). Die spätantiken Mumienportraits aus der ägyptischen Oase Fayum, die Wandmalereien der
Katakomben des 2.- 4. Jh. und die Reliefs auf Sarkophagen des 4.- 6.Jh. gelten als malerische und technische Vorlagen für die ersten Ikonen. Alle Ikonen lassen sich auf Urikonen, Urtypen zurückführen. Solche „nicht von Menschenhand geschaffen(en)“ Ikonen heißen „Acheiropoietos“.
Historisch nachgewiesen werden Ikonen erstmals durch den Bischof Eusebios (um 260 – 339) von Caesarea (Kaisarea) in Palästina. Eusebios wird auch „Vater der Kirchengeschichtsschreibung“ genannt.
Obwohl es Ikonen bereits seit dem 4.Jh. gab, hielten sie erst im 6.Jh. Einzug in die orthodoxen Kirchen und die Privathäuser.
Bis zum 5.Jh. betrachtete man Ikonen als reine Erinnerungsbilder; erst seit 787 durften Abbildungen Christi laut Beschluß verehrt werden, da Christus Mensch und damit irdisch geworden sei.
In den Jahren 726 – 842/43 tobte ein heftiger Bilderstreit (Ikonoklasmus). Es ging darum, ob heilige Personen überhaupt abgebildet werden dürften. 730 hatte der oströmische Kaiser Leo III. die Bilderverehrung strikt verboten. Die Kaiserin Theodora (843 – 867) hob das Bilderverbot schließlich endgültig auf. In Erinnerung daran feiern die orthodoxen Christen seit 843 das Fest der Orthodoxie (= erster Sonntag der Passionszeit).
Aufgrund der steigenden Nachfrage wurden Ikonenwerkstätten und Ikonenschulen gegründet. Berühmte Ikonenschulen entstanden beispielsweise im russischen Bereich in Kiew, Moskau und Nowgorod. Durch Pilger ins Heilige Land, Kaufleute, Abenteurer und die Kreuzritter gelangten Ikonen erstmals ins Abendland. Die strenge, am byzantinischen Ritus orientierte Darstellungsweise auf den Bildtafeln fand im Westen keine Nachahmer. Das religiöse Tafelbild westlicher Maler folgte nicht nur einer bestimmten Kunstrichtung, sondern zeichnete sich darüber hinaus durch den ganz individuellen Stil jedes einzelnen Malers aus. Auf die strengen Festlegungen in der Ikonenmalerei wird noch später einzugehen sein.
Als 1453 Konstantinopel an die Türken fiel und in Istanbul (= “eis tan polin“ – „in die Stadt hinein“) umgetauft wurde, flohen viele Ikonenmaler in den Balkanraum, nach Griechenland (Kreta), Italien, Spanien und gründeten zum Teil eigene Ikonenwerkstätten.

Die Ikonenmalerei erreichte höchste handwerkliche Güte. Inwieweit Ikonen letztlich als Kunstwerke oder als ausgezeichnete handwerkliche Arbeiten einzustufen sind, darüber streiten die Gelehrten. M.E. ist diese Unterscheidung bezüglich der Aufgabe von Ikonen aber nicht wichtig. Die hohe Qualität der Ikonenmalerei verfiel bereits im 17.Jh.
Ab 1000 nahm der byzantinische Einfluß in der Kunst zu, so auch in der Ikonenmalerei. Das bedeutet u.a. eine strenge Linienführung, abgebildete Personen in Herrscherhaltung, Frontalansichten, kostbare Kleidung. Für die Ikonenmalerei wurden Malerhandbücher (gr.: „hermeneia“, russ.: „podlinnik“) entwickelt. Sie enthalten ein festes Programm. Sie sind gewissermaßen „Rezeptanweisungen“ für die Herstellung von Ikonen, eingeschlossen die Holzgründe, die Grundbearbeitung des Malgrundes. Weiter enthalten sie Vorschriften für die Motivgestaltung, die Farbgebung etc. Bereits im 10.Jh. gab es eine fest vorgeschriebene Ikonographie und ein Bildprogramm. Das bedeutet, dass sich nur sehr bekannte Ikonenmaler wie beispielsweise Andreij Rubeljew (1360 – 1430) individuelle Abweichungen erlauben durften.
An Ikonenthemen finden sich Christus, Maria, die Gottesmutter (seit 431 als verehrungswürdig durch das Konzil von Ephesus anerkannt), Engel, Propheten, Heilige, Kirchenfesttage, Monatsdarstellungen, Szenen aus dem Alten und Neuen Testament.
Da die meisten Menschen nicht lesen und schreiben konnten, übermittelten Ikonen bildhaft Heilsmitteilungen an die Gläubigen, also Verkündigung. Jede Ikone vergegenwärtigt die Offenbarungswirklichkeit des Christentums. Ikonen schaffen eine Verbindung zum Göttlichen, zur Transzendenz; sie sind gewissermaßen „Fenster zur Ewigkeit“. In jeder Ikone ist – der orthodoxen Lehre nach – das Göttliche leibhaftig vorhanden.
Wer waren die Menschen, die Ikonen malten und immer noch malen? In erster Linie waren es Wandermönche oder Malermönche in einem Kloster. Ikonenmalerei ist Gottesdienst, Gebet. Bevor die Mönche an die Gestaltung einer Ikone gingen, fasteten und beteten sie. Die Maler blieben namentlich meist unbekannt, da sich das Menschliche, d.h. die Person des Malers, dem Werk für Gott unterzuordnen hat. Heutige Ikonenmaler sind nicht mehr allein Mönche. Jeder, der sich dazu befähigt fühlt, kann eine Ikone malen und mit seinem Namen signieren. Auch diese Ikonen sind echt, aber eben nicht alt.
Ikonen bestehen aus sehr verschiedenen Materialien; so gibt es u.a. Mosaikikonen, gestickte Ikonen, Elfenbeinikonen, Emailleikonen. Der hier vorliegende Text beschränkt sich auf gemalte Ikonen.
Ikonen bilden die Fleischwerdung Gottes in Jesus ab. Deshalb werden überwiegend natürliche Materialien für die Ikonenmalerei verwendet, z.B. nicht harzige Holzarten wie Birke und Linde, im byzantinischen Raum Pappel und Olive als Bildträger. Natürliche Farben und Farbpigmente werden z.B. mit Eigelb als Mischungselement verbunden. Das Ei gilt als Symbol der Auferstehung.
Das Malen einer Ikone ist technisch sehr aufwendig und dauert Wochen. Zunächst muß der Bildträger vorbereitet werden. Ein Holzbrett, dessen Größe sich nach dem Zweck der Ikone richtet (Hausikonen haben in der Regel eine Größe von ca. 30 x 25 cm; Kirchenikonen sind größer), wird mit einer dünnen Leimschicht überzogen. Darauf leimt man bei guten Ikonen eine Leinwand ( Pawoloka) auf. Nach einer erneuten Leimschicht wird das Holzbrett mit 4 – 6 Schichten Kreide (Lewkas) versehen und dann geschliffen. Es folgt die Konturenzeichnung der Motive aus dem jeweiligen Malerhandbuch. Bei Vergoldungen des Nimbus (Heiligenschein) oder des Hintergrundes trägt man nun Blattgold an den entsprechenden Stellen auf. Das überschüssige Gold wird verrieben. Für den Malvorgang benutzt man seit dem 6.Jh. Temperafarben, organische Mischfarben und verbindet sie mit Eidotter, wie erwähnt, und Kwass und verdünntem Essig. So entsteht eine Paste von sahniger Konsistenz. Die Gesichtspartien bei Figuren werden mit Glanzpunkten bzw. –strichen versehen.
Den Abschluß der Arbeit bildet die Beschriftung der Ikone in griechisch oder kirchenslawisch. Ikonen müssen beschriftet werden, sie müssen „einen Namen haben“. Eine Leinölschicht (Olifa) wird als Schutz über die fertige Ikone gezogen.
Nachdem ein Priester die Ikone geweiht hat, findet das heilige Bild seinen Platz in der Ikonenecke einer Wohnung, eines Hauses oder in einer Kirche.
Ab dem 7.Jh. bürgerte es sich ein, dass besonders kostbare und wundertätige Ikonen an den Rändern verziert, mit einem Rahmen (Basma) aus Gold oder Silber versehen oder gar ganz verkleidet wurden und werden. Beim sogenannten Oklad bleiben nur das Gesicht, die Hände und Füße ausgespart, bei der Riza bleibt der Kopf einer Person oder die ganze Figur frei.
Das heute zunehmende Interesse an Ikonen liegt wohl daran, dass immer mehr Menschen von Ikonen hören. Verstärkt nach dem II. Weltkrieg fanden Ikonen die Aufmerksamkeit westlicher Kunstliebhaber, Kunsthändler und Gläubige. Ein regelrechter Markt erschloß sich, was dazu führte, dass Ikonen hemmungslos in den Westen geschmuggelt wurden und noch heute – trotz empfindlicher Strafandrohungen – geschmuggelt werden.
Ziemlich sicher – fälschungssicher – erwirbt man Ikonen in speziellen Galerien und auf Kunstmessen. Die Preise von Ikonen richten sich nach dem Alter, der Qualität, der Herkunft, um einige Kriterien zu nennen.
Einige Museen besitzen wunderbare Ikonensammlungen. Für Deutschland wäre das Ikonenmuseum in Recklinghausen zu empfehlen.

Literatur:
Gabriele von Horn – Wörterbuch zur Ikonenkunst. ISBN 3-9806127- 8-3

Autor

Gabriele (Icky)

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