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Picasso in Münster

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Dieses Mal mache ich etwas, was ich nur am Rande mit meinem Gewissen vereinbaren kann - wir hatten hier ja die Urheberrechts-Diskussion -: Ich übernehme einen Artikel, nenne aber wenigstens genau Autor und Quelle.
Ich mache das deshalb, weil das Museum im Internet keine Pressetexte zur Verfügung stellt - und natürlich, weil ich diesen Text bis auf Kleinigkeiten gut finde.
Diese Ausstellung können wir gemeinsam besuchen - Termin 4.2.06, Treffzeit 8.50 Uhr Hbf. - s. Hinweise unter Veranstaltungen u. i. Forum.

VORLETZTE GEDANKEN
Pablo Picasso und Jacqueline
Graphikmuseum Pablo Picasso MÜNSTER


Michelangelo reflektierte einst in einem seiner Sonette über das Schwinden der körperlichen Kräfte den unweigerlich nahenden Tod und die Folgen für sein eigenes künstlerisches Schaffen. Seine melancholischen Gedanken gipfeln in der Feststellung: “Larte e la morte non va bene insieme" (Die Kunst und der Tod gehen nicht gut Hand in Hand).<br />Die Gültigkeit dieser Aussage belegt wie kaum ein anderer Pablo Picasso. Vor dem überschäumende Vitalität und Männlichkeit. Alter und Siechtum wollen sich so gar nicht in das Bild dieses Ausnahmemenschen fügen. Nicht zuletzt wohl aus diesem Grund hat das späte Schaffen Picassos bislang recht wenig Beachtung gefunden.<br />Das Münsteraner Picasso-Museum widmet nun dem letzten Lebens- und Schaffensjahrzehnt des Spaniers eine große Sonderausstellung. Rund 160 Werke aus den großen europäischen Museen und Sammlungen geben sich aus diesem Anlass in Münster ein museales Rendezvous. Die Präsentation ist Bestandteil des Ausstellungszyklus, den das Picasso-Museum den verschiedenen, maßgeblich durch seine Musen bestimmten Werkphasen des Künstlers widmet.

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Am 2. März 1961 heiratet Picasso Jacqueline Roque in Vallauris. Der in seinem 80. Lebensjahr stehende Künstler bezieht mit seiner Ehefrau im Juni desselben Jahres die Villa Notre-Dame de Vie in Mougins. Bis zu seinem am 8. April 1973 erfolgten Tod bleiben Picasso noch knapp zwölf Jahre, in denen er in geradezu schwindelerregender Geschwindigkeit ein opulentes Alterswerk schafft. Picassos Schaffensfuror mag man als trotziges Aufbegehren gegen die biologische Fata-lität des Alterns und des Todes werten. Der Künstler selbst resümiert seine Lebenssituation in der Feststellung, er habe immer mehr zu sagen und immer weniger Zeit. Die aus diesen Worten sprechende Ökonomie der Zeit geht einher mit einer Ökonomie der von ihm gewählten künstlerischen Mittel. Das ,,prestissimo" wird nun zur maßgeblichen Geschwindigkeit seiner Bildschöpfungen. In schnellem Duktus, teilweise sogar mit pastoser Bootsfarbe, setzt Picasso Farbspritzer und Tupfer, malt feucht in feucht, wobei der weiße Grund der Leinwand nun zum integralen Bestandteil der Kompositionen wird. Gegenüber Hélène Parmelin erklärt er einmal lakonisch: ,,[...] ein Punkt für die Brust [...] ein Strich für den Maler [...] fünf Farbflecken für einen Fuß [...] Habe ich es nötig noch mehr zu machen ? Was kann ich dem hinzufügen ? Alles ist gesagt... Picasso malt in grafischen Kürzeln und Chiffren gegen die verrinnende Zeit. Seine Bildwelt verdichtet sich in diesen Jahren zu einem Kanon archetypischer Themen. So umkreist er immer wieder den Frauenakt oder die schöpferische Grundkonstellation von Maler und Modell. Das Atelierthema wird insbesondere in den Jahren 1963/64 zu einem geradezu litaneihaft umkreisten Sujet künstlerischer Selbstreflexion. Picasso legt immer wieder motivische Fährten, durchsetzt die überkommenen Bildthemen mit autobiografischen Verweisen. Wohl nicht von ungefähr trägt deshalb auf einer Gouache aus dem Jahre 1964 der Künstler ein gestreiftes Seemannsshirt, das ab den fünfziger Jahren fast schon zum kleidungstechnischen Markenzeichen des Künstlers geworden war.

Als Muse und Modell überstrahlt Picassos letzte Ehefrau Jacqueline das im Ausstellungszusammenhang beleuchtete Schaffensjahrzehnt. Für sie wählt Picasso die Profilansicht. Nach den Worten von André Malraux verleiht diese Darstellungsform ihren Porträts die Würde römischer Herrschermünzen. Die ,,Periode Jacqueline“ wird im Münsteraner Picasso-Museum in nur selten zu sehender Dichte und Fülle dargeboten. Die opulent mit Gemälden, Skulpturen, Handzeichnungen und Grafiken bestückte Schau ermöglicht, in Picassos künstlerischem Tagebuch zu lesen, bisweilen von Tag zu Tag die Haupt- und Nebenwege seiner Bildfantasie zu verfolgen und ihn bis fast an die Schwelle des Todes in seinen vorletzten Gedanken zu begleiten.

© Markus Müller - erschienen in „Vernissage - Nord“ 2/05

Noch einmal der Hinweis: gemeinsamer Ausstellungsbesuch am 4. Februar, ab 8.50 Uhr, s. Veranstaltungen auf der Regionalseite Hannover!
INFORMATION ZUR AUSSTELLUNG
Vorletzte Gedanken - Pablo Picassos letzte Muse Jacqueline.
25. November 2005 bis 12. Februar 2006
Graphikmuseum Pablo Picasso Münster Königsstraße 5,48143 Münster
Tel. +49(0)251141447-10
Fax +49(0)251141447-77
info@grapnikmuseum.de www.graphikmuseum-picasso-muenster.de
Öffnungszeiten:
Di. bis Fr. 11-18 Uhr; Sa., So. u. an Feiertagen 10-18 Uhr
Geschlossene Feiertage: Heiligabend, 1. Weihnachtstag,
Silvester 1. Januar
Eintrittspreise: 6 €, ermäßigt 4 €



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