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Henrik Ibsen: Ein Volksfeind

Bild: Der Badearzt Dr. Stockmann, gespielt von Aljoscha Stadelmann - Foto © Katrin Ribbe, Pressefoto Schauspielhaus Hannover

Was ist Wahrheit, was Wahrhaftigkeit? Was ist Freiheit?

Kann der, der die Wahrheit kennt, wahrhaftig bleiben? Wo beginnt die Lüge?

Wie frei ist die Presse, sind die Medien?

Will die Gesellschaft, wollen die Menschen überhaupt Wahrheit und Freiheit?

Muss der Einzelne seine Freiheit - seine Meinungsfreiheit - der Mehrheitsmeinung unterordnen? Macht er sich zum Feind der Gesellschaft, zum "Volksfeind", wenn er das nicht tut - oder wer sind die wahren Volksfeinde?

Hat die Mehrheit immer recht, darf in einer Demokratie immer nur die Mehrheit entscheiden?

Das sind alte Fragen, die nie veralten.

Unglaublich, wie aktuell dieses Stück des Norwegers Ibsen ist, 1882 geschrieben! Großartig, wie eine moderne Inszenierung die zeitlosen Wahrheiten herausarbeiten kann, ohne sie durch modische Zutaten zu verzerren oder zuzudecken - Florian Fiedler hat das geschafft! (Andreas Kriegenburg hat mich seinerzeit nicht überzeugt.)

Die Geschichte, kurz gefasst: In einem Gewinn versprechenden Heilbad entdeckt der Badearzt, dass die Heilquelle verseucht ist. Er will diese Wahrheit öffentlich verbreiten, wird aber von allen Seiten daran gehindert - sein Bruder, der Bürgermeister und Vorsitzende der Kurverwaltung, ist allen voran dagegen, das sei nicht im Sinne der Geschäftsinteressen. Die Presse, die erst helfen will, knickt sofort ein und trägt zum Vertuschen bei. Die wichtigen Bürger verhalten sich anpasslerisch, der Verursacher (Gerbereibesitzer) streitet alles ab und geht zum Gegenangriff über, schließlich wird der Mob mobilisiert. Der Badearzt aber bleibt aufrecht, obwohl er am Schluss mit seiner Familie äußerlich alles verloren hat. Er wird mit seiner Tochter eine eigene freie Schule gründen.

Mehr Informationen gibt es im Kulturblog

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