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Die Lesung von Galsan Tschinag in Hameln
Meine persönlichen Eindrücke über das Erlebnis der Lesung und das Kennenlernen des Autors:
Wie „gerne" wäre ich jetzt eine bessere Schreiberin, oder gar eine (ganz kleine) Schriftstellerin, um für nachfolgenden Text die richtigen Worte zu finden....
Nun will ich es einfach einmal versuchen:
Kleine Vorgeschichte:
Der Autor Galsan Tschinag ist ein ganz besonderer Mensch und ein ebensolch besonderer Autor, der Romane, Gedichte, Kurzgeschichten und Erzählungen schreibt..
Jetzt , nachdem ich ihn auch persönlich kannengelernt habe, hat sich mein erster Eindruck nur noch verstärkt.
Galsan Tschinag sah und hörte ich erstmalig in einer Talkshow bei Herrn Kerner. Er war es, der dieser Talkshow Besonderes und Spannung verlieh.
Er sprach über sich als Autor und sein neu erschienenes Buch, sowie sein Leben als Stammeshäuptling in seiner Heimat, der Westmongolei .
Er hatte die anderen eingeladenen Gäste, sowie den Talkmaster, einschließlich mir selbst, mit seiner schlichten, liebenswerten und interessanten Art des Erzählens in seinen Bann gezogen und verzaubert. Es war eine faszinierende Atmosphäre, die er verbreitete.
Scheinbar ist es einfach seine Art, seine Zuhörer (Seher) für sich zu gewinnen und mit ihm abzutauchen in eine uns ganz und gar fremde Welt und Kultur.
Voller Befürchtung, dass ich von seinen so aussagestarken und zum Nachdenken anregenden Worten wieder vieles vergesse, machte ich mir einige Notizen. (Das geschieht während des Fernsehens sehr selten.)
So wie diese Notiz:
Steine sind wir gewesen, Hügel sind wir geworden, Berge könnten wir werden ...
Was steckt in diesen wenigen Worten für eine Aussagefähigkeit und lässt uns nachdenken, über das, was wir gerne erreichen möchten...
Ich habe mich für Helge gefreut, denn genau mit diesen Worten hat er Helges Buch signiert.
Zu diesem Zeitpunkt, es war wohl Anfang März, hätte ich mir nicht träumen lassen, irgendwann Gelegenheit zu finden, ihn jemals persönlich kennen zulernen.
Die Erinnerung an diesen Autor war für mich sehr eindrucksvoll und er hat von da an einen bestimmten Platz bei mir eingenommen.
Ich bestellte mir beim nächsten Stadtbummel ein Buch von ihm: „Tau und Gras“ - und weitere werden folgen.
Das Buch enthält wunderbare Kurzgeschichten, in denen Episoden aus seiner Kindheit erzählt werden und er schreibt über die Personen, die ihm am liebsten und wichtigsten im Leben gewesen sind.
Am innigsten hat er wohl seine Großmutter geliebt und am meisten verehrt hat er seinen Vater, der so wichtige Dinge wusste, wie zum Beispiel das Wetter in einer Stunde, am nächsten Morgen, im nächsten Monat und bevorstehenden Winter wird. Er liest es in den Wolken, der Sonne, dem Mond, der Bewegung der Sterne, der Stimme der Gewässer ab - mit allen fünf Sinnen ist er Astronom und mit dem sechsten Astrologe.
Braucht das Pferd Hufeisen - ist er Schmied, dem Küchenregal ein Bein abgebrochen - ist er Tischler, eine Satteltasche wird gebraucht – er ist Schneider, Mutter ist nicht da – er ist Koch,
einer wird krank – er ist Heiler, ein Fest ist im Gange – er ist Sänger. Gibt es etwas Freudiges, spart er nicht mit Lachen, etwas Unerfreuliches – weiß er zu sagen: „Einmal darf es ja anders ausfallen!“
Obwohl das Buch nur Kurzgeschichten enthält und man es jederzeit aus der Hand legen könnte, reizt es immer weiter zu lesen, um immer mehr über ihn und von ihm zu erfahren.
Man fühlt sich beim Lesen in eine absolut andere Welt versetzt - kann vom Gegenwärtigen abschalten und fühlt sich wunderbar unterhalten, sowie in bester Gesellschaft.
Eines Tages kommt nun in unserer Regionalgruppe unter Themen und Veranstaltungen,
die Ankündigung einer Lesung mit dem Mongolendichter Galsan Tschinag in Hameln.
Helge ist der eigentliche Initiator und ihm verdanken wir diesen Kontakt.
Er schrieb die Vorankündigung dieser Lesung und auch über den Autor selbst.
Am 02. Juni 20:00 hat die Veranstaltung nun stattgefunden
Zur Zeit bin ich noch nicht so 100%ig fußtauglich, aber das konnte ich mir keinesfalls entgehen lassen!
Frank, unser Mitglied der Regionalgruppe aus Hameln kümmerte sich dort um die Karten und wollte uns vom Bahnhof mit seinem großen Auto abholen und auch wieder zurückfahren.
Er hat sich ganz rührend um uns gekümmert und ich möchte mich gleich an dieser Stelle ganz herzlich bei ihm bedanken.
Wir waren zu dritt, Elke (tatschmi), Helge(muecke2) und ich, die sich aufmachten, um zusammen nach Hameln zu fahren. Treffen wollten wir uns im Bahnhof von Hannover.
Entschuldigung, aber jetzt muss ich lächeln, denn unser Hauptinitiator, Helge kam in allerletzter Minute angeflogen, wie das Mücken eben so an sich haben...
Elke kennt das schon, sagte sie mir und das sei bei ihm immer so...
In letzter Minute haben wir dann aber doch noch die S-Bahn nach Hameln bekommen und nun konnten wir uns total entspannen und uns auf das freuen, was uns gleich erwarten würde.
Es war eine lustige, gemütliche und kurzweilige Fahrt und wir stimmten uns schon ein wenig auf das Kommende ein. Helge hatte sein neuestes Buch mit, „Das geraubte Kind“, und ich „Tau und Gras“ in der Hoffnung, dass ich anschließend ein Autogramm bekomme.
In Hameln angekommen, war Frank wie versprochen, pünktlichst zur Stelle, um uns abzuholen. Er verwöhnte uns dann noch mit einer Stadtrundfahrt durch die wunderschöne Stadt Hameln mit ihrer allen bekannten Rattenfängersage.
Die Lesung sollte in der „Sumpfblume“ sein. Im nachhinein finde ich den Namen gerade richtig, um abtauchen zu können in eine unbekannte, beinahe mystische andere Welt.
Frank, Elke und ich tranken noch einen Kaffe in einem netten Restaurante und hatten das Glück, denn wir konnten zu diesem Zeitpunkt sogar draußen sitzen.
Helge war viel zu aufgeregt und machte sich schon auf, um sich dort umzusehen und Plätze zu reservieren. Dafür auch gleich einmal ein großes Dankeschön, denn wir haben hervorragend gesessen.
Nun war es beinahe 20:00 und Helge kam auch schon, um uns abzuholen.
Angelangt in der Sumpfblume, standen wir mit vielen anderen Gästen in der großen Eingangshalle und warteten auf den Einlass.
Auf einem großen Tisch waren viele seiner Bücher zum Erwerb ausgelegt, wie das immer so ist, bei solchen Veranstaltungen.
Ich stand dort etwas gedankenverloren und dachte wohl an gar nichts und niemanden.
Auf einmal war es, als würde ich gerade munter werden, und konnte es gar nicht fassen, denn ich glaubte noch immer, dass ich nur träumte:
Was glaubt ihr, wer auf einmal genau neben mir stand??
War das eine Überraschung. Die Aufnahme machte Frank und ich habe daraus einen Ausschnitt fabriziert.
In seinem Buch las ich, dass er als Kind, wenn er etwas nicht wollte, den Kopf über die linke Schulter neigte.
Habe ich da noch einmal Glück gehabt? Der Kopf liegt ja noch nicht ganz auf der linken Schulter....nur eine winzige Neigung.
Frank machte noch ein paar Fotos von uns und dann gingen wir in den Saal, der ganz und gar mit Menschen gefüllt war.
Wir hatten nun das große Glück, weil Helge so clever war, konnten wir in der zweiten Reihe sitzen. Helge saß in der ersten, denn er war damit beauftragt, die Buchbesprechung für eine Zeitschrift zu schreiben. Ganz überrascht war er dann aber doch, als er sich per Zufall direkt neben dem Autor sitzen sah.
Der Autor eröffnete die Lesung mit einleitenden Worten über sich, die auch so schlicht und typisch für ihn waren und immer wieder bei mir ein Lächeln hervorzauberten.
Er könnte sich viele Namen geben, meinte er, und gab einige Beispiele - die alle sehr hochgestochen klangen, aber er nennt sich nur schlicht „Häuptling“ und das ist er auch am allerliebsten.
Ganz persönlich glaube ich, dass er sehr unter Heimweh zu leiden hat und verstehen kann ich das auch.
Er lebt in drei Welten erzählte er uns..(und wer kann das schon von uns behaupten, frage ich mich?)
Die erste Welt: Die Welt, in der er lebt. (Mehrere Monate im Jahr zieht er mit „seinen“ Tuwa-Nomaden umher.)
Die zweite Welt: Die Welt, in der er arbeitet (in Ulan Bator in der Mongolei).
Die dritte Welt: Deutschland, wo er angeben muss und Geld verdienen kann.
(Er hat für 4000 hungrige Mäuler zu sorgen und ich glaube kaum, dass er mit dem Geld angibt.)
Zur Einführung zeigte er uns als erstes einen Film, der ca. eine ½ Stunde dauerte und so kurzweilig war, dass er noch länger hätte sein dürfen, ohne zu langweilen.
Der Film führte uns in eine Welt, die für uns fremd, völlig neu und geheimnisvoll ist.
Eine Welt mit seiner Heimat und deren wunderbaren Landschaften und den Menschen mit für uns fremden Gewohnheiten. Auch er selbst kam in dem Film vor und man sah ihn in seiner Häuptlingskleidung, auch als Jogger, als wilder Reiter auf seinem weißen Pferd.
Man sah die Zeremonien und anderen Gebräuche und Sitten rund um den weißen Berg,
der eine ganz besondere Bedeutung für die Menschen hat. Jeder, der den Berg besucht, legt zur Ehrerbietung dort einen Stein nieder und so wächst und wächst er immer größer.
Als seine Mutter spürte, dass das Leben sie bald verlassen wird, wollte sie noch einmal dort hinauf auf den weißen Berg. Da sie nicht mehr in der Lage war, selbst zu laufen, hat er sie auf seinem Rücken hinauf getragen. Sie war glücklich, das noch einmal erleben zu dürfen.
Wieder unten zu Hause, legte sie sich nieder und starb.
Er erzählte uns über das Leben und den Tod, den sie im Gegensatz zu uns viel natürlicher ansehen und damit umgehen. Sie leben damit auf du und du. Bei so vielen Menschen und Tieren innerhalb ihrer Sippe (viele Hunde Kamele, Pferde, Kühe Katzen usw.) ist jeden Tag ein Sterben und eine Geburt so dicht beisammen und darum auch die ganz natürlichste Sache der Welt.
Über das Buch selbst könnt ihr in einem gesonderten Bericht von Helge lesen.
Nach seiner Lesung stand Galsan Tschinag noch zu Diskussionsthemen zur Verfügung.
Als keine Fragen mehr waren, wollte er uns noch seine Lieblingsbeschäftigung verraten:
„Autogramme schreiben,“ war die Antwort - und schwupp war ich schon oben, um mir es zu holen.
Bei mir schrieb er:
Ich sehe doppelt: doppelt hält und erhält besser!
Unseren Zug, 22:20 haben wir denn nicht mehr bekommen, aber Frank hat sich geopfert und uns eine Stunde Gesellschaft geleistet. Wir haben sehr lange nach einem geeigneten Restaurant gesucht und da war es dann soooo gemütlich, dass wir dieses Mal nicht in letzter Minute am Bahnsteig waren, nein, es waren die allerletzten Bruchteile einer Minute und ich frage mich, was wir gemacht hätten, wenn wir diesen Zug auch verpasst hätten...???
Elke meinte zu Helge, er solle sich vor den Zug legen um ihn aufzuhalten, aber das wollte er dann doch nicht. Wir brauchen ihn ja schließlich auch noch!!!!
Ich denke, dass dieser Bericht einen kleinen Ausschnitt von unserem Erlebten widerspiegeln kann.
Herzliche Grüße Annette
In seinem Buch las ich, dass er als Kind, wenn er etwas nicht wollte, den Kopf über die linke Schulter neigte.
Habe ich da noch einmal Glück gehabt? Der Kopf liegt ja noch nicht ganz auf der linken Schulter....nur eine winzige Neigung.
Frank machte noch ein paar Fotos von uns und dann gingen wir in den Saal, der ganz und gar mit Menschen gefüllt war.
Wir hatten nun das große Glück, weil Helge so clever war, konnten wir in der zweiten Reihe sitzen. Helge saß in der ersten, denn er war damit beauftragt, die Buchbesprechung für eine Zeitschrift zu schreiben. Ganz überrascht war er dann aber doch, als er sich per Zufall direkt neben dem Autor sitzen sah.
Der Autor eröffnete die Lesung mit einleitenden Worten über sich, die auch so schlicht und typisch für ihn waren und immer wieder bei mir ein Lächeln hervorzauberten.
Er könnte sich viele Namen geben, meinte er, und gab einige Beispiele - die alle sehr hochgestochen klangen, aber er nennt sich nur schlicht „Häuptling“ und das ist er auch am allerliebsten.
Ganz persönlich glaube ich, dass er sehr unter Heimweh zu leiden hat und verstehen kann ich das auch.
Er lebt in drei Welten erzählte er uns..(und wer kann das schon von uns behaupten, frage ich mich?)
Die erste Welt: Die Welt, in der er lebt. (Mehrere Monate im Jahr zieht er mit „seinen“ Tuwa-Nomaden umher.)
Die zweite Welt: Die Welt, in der er arbeitet (in Ulan Bator in der Mongolei).
Die dritte Welt: Deutschland, wo er angeben muss und Geld verdienen kann.
(Er hat für 4000 hungrige Mäuler zu sorgen und ich glaube kaum, dass er mit dem Geld angibt.)
Zur Einführung zeigte er uns als erstes einen Film, der ca. eine ½ Stunde dauerte und so kurzweilig war, dass er noch länger hätte sein dürfen, ohne zu langweilen.
Der Film führte uns in eine Welt, die für uns fremd, völlig neu und geheimnisvoll ist.
Eine Welt mit seiner Heimat und deren wunderbaren Landschaften und den Menschen mit für uns fremden Gewohnheiten. Auch er selbst kam in dem Film vor und man sah ihn in seiner Häuptlingskleidung, auch als Jogger, als wilder Reiter auf seinem weißen Pferd.
Man sah die Zeremonien und anderen Gebräuche und Sitten rund um den weißen Berg,
der eine ganz besondere Bedeutung für die Menschen hat. Jeder, der den Berg besucht, legt zur Ehrerbietung dort einen Stein nieder und so wächst und wächst er immer größer.
Als seine Mutter spürte, dass das Leben sie bald verlassen wird, wollte sie noch einmal dort hinauf auf den weißen Berg. Da sie nicht mehr in der Lage war, selbst zu laufen, hat er sie auf seinem Rücken hinauf getragen. Sie war glücklich, das noch einmal erleben zu dürfen.
Wieder unten zu Hause, legte sie sich nieder und starb.
Er erzählte uns über das Leben und den Tod, den sie im Gegensatz zu uns viel natürlicher ansehen und damit umgehen. Sie leben damit auf du und du. Bei so vielen Menschen und Tieren innerhalb ihrer Sippe (viele Hunde Kamele, Pferde, Kühe Katzen usw.) ist jeden Tag ein Sterben und eine Geburt so dicht beisammen und darum auch die ganz natürlichste Sache der Welt.
Über das Buch selbst könnt ihr in einem gesonderten Bericht von Helge lesen.
Nach seiner Lesung stand Galsan Tschinag noch zu Diskussionsthemen zur Verfügung.
Als keine Fragen mehr waren, wollte er uns noch seine Lieblingsbeschäftigung verraten:
„Autogramme schreiben,“ war die Antwort - und schwupp war ich schon oben, um mir es zu holen.
Bei mir schrieb er:
Ich sehe doppelt: doppelt hält und erhält besser!
Unseren Zug, 22:20 haben wir denn nicht mehr bekommen, aber Frank hat sich geopfert und uns eine Stunde Gesellschaft geleistet. Wir haben sehr lange nach einem geeigneten Restaurant gesucht und da war es dann soooo gemütlich, dass wir dieses Mal nicht in letzter Minute am Bahnsteig waren, nein, es waren die allerletzten Bruchteile einer Minute und ich frage mich, was wir gemacht hätten, wenn wir diesen Zug auch verpasst hätten...???
Elke meinte zu Helge, er solle sich vor den Zug legen um ihn aufzuhalten, aber das wollte er dann doch nicht. Wir brauchen ihn ja schließlich auch noch!!!!
Ich denke, dass dieser Bericht einen kleinen Ausschnitt von unserem Erlebten widerspiegeln kann.
Herzliche Grüße Annette


