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Vegetarische Ernährung - pro und contra
Vegetarier leben gesünder", heißt es manchmal pauschal. Und schlankersollen sie sowieso meistens sein ... Stimmt das denn, ist die vegetarische Ernährung vielleicht der beste Weg in unserer modernen Zeit?
Natürlich kann ich an dieser Stelle keine erschöpfende Auskunft über das Für und Wider der vegetarischen Ernährung geben. Zu dem Thema wurde schon sehr viel Papier (oder Speicherplatz) verbraucht. Auch kann ich mich hier weniger mit der ideologischen oder persönlich-subjektiven Sicht befassen: Wer Fleisch deshalb nicht mag, weil er sich nicht dabei die Leiden der Schlachttiere vorstellen möchte oder weil seine Religion ihm das vorschreibt usw., der wird sich nicht nach wissenschaftlichen Argumenten richten oder nach ernährungsphysiologischen Zielen. Diese Bereiche muss ich hier also
ausklammern.
Vegetarisch ist nicht gleich vegetarisch
Nur eine Bemerkung kann ich mir nicht "verkneifen": Die natürlichste Form ist die vegetarische Ernährung für den Menschen nicht, wie manchmal von "ganz überzeugten" Vegetariern behauptet wird. Denn biologisch gesehen - das Gebiss ist dabei der hauptsächliche Maßstab - sind wir nun einmal "Allesesser"; wobei das "alles" nicht missverstanden werden darf: Es meint nichts anderes als "sowohl fleischlich als auch pflanzlich", insofern eben
"alles".
Und noch etwas muss ich gleich zu Anfang klarstellen - nämlich, dass
vegetarisch nicht gleich vegetarisch ist: Es gibt die "veganen Vegetarier" - das sind die eigentlichen, die wirklich ausschließlich pflanzliche Nahrung zu sich nehmen -, die Lacto-Vegetarier ("lac" = Milch), die sich auch Molkereiprodukte erlauben, und die Lacto-Ovo-Vegetarier ("ovum" = Ei), die zusätzlich Eierspeisen zulassen.
Vorsicht vor Mangelerscheinungen
Der übliche Haupteinwand gegen eine rein pflanzliche Ernährung lautet: Wer sich so ernährt, bekommt nicht alle Stoffe, die der Mensch braucht, Mangelerscheinungen und möglicherweise
Der Grundsatz der Vielseitigkeit und ausgewogenen Mischung muss wie bei jeder Diät so auch hier gelten. Wer die möglichen Probleme umgehen will, sollte sich zu einer lacto-ovo-vegetarischen Ernährung entschließen; die zusätzlich "erlaubten" nicht-fleischlichen, aber von Tieren stammenden Nahrungsmittel, sprich: Eier(speisen) und Milchprodukte, versorgen den Körper mit Eiweißen und damit auch Aminosäuren sowie mit bestimmten Vitaminen und Mineralstoffen, die in vielen Pflanzen nicht enthalten sind.
Aber auch die vegan-vegetarische Ernährung soll nicht so schwierig sein, wie es teilweise dargestellt wurde. Auf die Kombination kommt es an!
Schwierigkeiten bekommt man am ehesten mit einer Diät, die innerhalb der vegetarischen Bewegung einseitig ist: Als Beispiel sei die Zen-Makrobiotik genannt, die nur aus Cerealien (Getreideprodukten) besteht. Mit anderen Worten: Vegetarier müssen ihre Ernährung besonders gut planen.
Vegetarisch ja, aber vielseitig
Bekanntlich beruht die Ernährung in der westlichen Welt auf vier Säulen:
Molkereiprodukten, Brot und anderen Getreideprodukten, Obst und Gemüse sowie Fleisch. Beim Vegetarier entfällt die letzte Gruppe, beim Veganer auch noch die erste.
Für den strengen Vegetarier soll eine Fünf-Säulen-Ernährung am günstigsten sein (nach Chaij-Rhys):
(1) Hülsenfrüchte und Nüsse, Samenkörner usw. einschließlich Nussmus; (2) mit Vitamin B 12 angereichertes Pflanzeneiweiß, z.B. Sojamilch, oder Nährhefe;
(3) Gemüse einschließlich grünem Blattgemüse;
(4) Obst (frisch, getrocknet oder als Saft);
(5) Getreide und Brot (Vollkorn).
Ob eine Anreicherung mit Vitamin B 12 wirklich erforderlich ist, dazu gibt es unterschiedliche Angaben und Auffassungen: Ohne Frage ist das ein notwendiger Faktor, der am schwersten aus Pflanzen zu gewinnen ist - Vitamin B 12 ist vorwiegend in tierischen Produkten enthalten (z.B. Rindfleisch, aber auch Milch, Käse und Fisch); andererseits ist der sinnvolle Tagesbedarf nicht sehr hoch (2 µg) und das Vitamin doch immerhin in Weizenkeimen und Hefe enthalten - und in Seetang.
Und was spricht eindeutig dafür ?
Vegetarier leben tatsächlich (in der Regel) gesünder, das ist vielfach
wissenschaftlich belegt. Allerdings leben Menschen, die auch Milchprodukte und Eierspeisen essen, und solche, die gelegentlich Fleisch guter Qualität essen, im Normalfall in etwa genauso gesund - es kommt also nicht auf die absolut strenge Ausrichtung an, sondern auf die Akzentsetzung. Es kommt darauf an, dass Gemüse, Früchte (Obst), Getreideprodukte und Nüsse (Samen) den Schwerpunkt bilden.
Vegetarier in diesem Sinne haben vor allem seltener Übergewicht, denn
pflanzliche Nahrung ist generell kalorienärmer. Die Cholesterin- und die Blutdruckwerte sind besser und damit auch die Gefahr von Herzinfarkt oder Schlaganfall verringert. Die Harnsäurewerte sind niedriger und folglich das Gichtrisiko und die Gefahr von Nierenschäden geringer. Diabetes ist eindeutig seltener unter Vegetariern! Allergien und Neurodermitis treten unter ihnen weniger häufig auf. Ebenso kommen Krankheiten des Verdauungstraktes (Gallensteine, chronische Verstopfung z.B.) weniger häufig
vor. Und auch vor den Krebsarten, die mit der Ernährung in Zusammenhang stehen: Dickdarmkrebs z.B., sind Vegetarier besser geschützt.
Es liegt an den Bio-Aktivstoffen
Natürlich gibt es Erklärungen dafür, aber die Forschung ist ihnen erst in letzter Zeit richtig auf die Spur gekommen. Gemüse, Früchte und andere pflanzliche Nahrungsmittel enthalten eine ungeheure Zahl von - keineswegs voll erforschten - Wirksubstanzen, die zwar an erster Stelle dem eigenen Schutz dienen, aber auch dem Menschen zugute kommen. Man fasst sie als "sekundäre Pflanzenstoffe" zusammen - sekundär deshalb, weil Kohlenhydrate, Eiweiße und Fette die "primären" sind. Sie kommen nur in geringer Menge vor und jeweils nur in bestimmten Pflanzen - wieder ein Argument für eine möglichst vielseitige Ernährung. Und vor allem: Sie wirken wie Arzneimittel.
Die sekundären Pflanzenstoffe wirken antimikrobiell - sie hemmen die
verschiedensten Krankheitserreger; sie wirken antioxidativ - sie beseitigen die "Sauerstoff-Radikale", die als Zellgifte gelten müssen; sie wirken antikanzerogen - krebshemmend; und sie wirken "immunmodulatorisch", mit anderen Worten: Sie stärken das Abwehrsystem des Körpers.
Kein Wunder, dass eine pflanzlich orientierte Ernährung so gesund ist !
(c) Dr. Helge Mücke (Verwendung nur privat, im Internet nur mit
Quellenangabe und Mailadresse mueckeh@htp-tel.de)
Mögliches Diskussionsthema fürs Forum: Wie ist deine Erfahrung mit
vegetarischer Ernährung ? Hast du es probiert bzw. praktizierst du es ? In welcher Form ?
