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Die alten Frau'n


Ich schau aus dem Fenster, wer steht da am Zaun?
Da schwätzt eine Gruppe alter Frau'n.
Wohin ich auch komme, wohin ich auch geh',
was meint ihr wohl, was ich da seh'?
Was müssen meine Augen schau'n?
Die Welt ist voll, voll alter Frau'n.
Wen treff ich beim Wandern, beim flotten Bergauf?
Wer macht um den Sportplatz dort Dauerlauf?
Man sollte seinen Augen nicht trau'n,
es ist eine Truppe alter Frau'n.
Wen treff ich in der Früh beim Schwimmen,
wer macht Gymnastik, mag sich trimmen?
Kann nur bewundern das und staun'n,
es sind die zähen alten Frau'n.
Wer liebt Theater, pflegt Kultur,
wen trifft man im Museum nur?
Ist's Fußball nur, was Männer schaun?
Wohin ich geh, ich treff die alten Frau'n.
Sie haben Schmerzen oft im Rücken,
könn'n sich vor Rheuma kaum mehr bücken,
doch woll'n sie noch die Welt anschau'n
der ganze Bus voll alter Frau'n.
Die Enkelkinder lieben sie,
die Kinderwagen schieben sie,
steh'n gerne schwatzend dort am Zaun,
der ganze Trupp von alten Frau'n.
Wer strickt, wer näht, wer kocht noch ein?
Wer gräbt den Garten, macht sich fein,
lässt sich bewundernd gern anschau'n?
Die flotten alten Frau'n!
Fahr ich mit Omi in's Cafe,
schwer zu raten, wen ich das seh,
wer sitzt genüsslich beim Tortekau'n?
Natürlich die schicken alten Frau'n.
Die Lina, die Sigi, die Anni, die kleine,
sie pflegen die Mütter ganz alleine,
müssen selber schon ihr Alter verdau'n
und betreuen im Alter die uralten Frau'n!
Einst waren sie schön, bezaubernd und jung,
die Schönheit ist fort, doch fort nicht ihr Schwung.
Sie sind so erstaunlich beweglich geblieben,
drum kann man die alten Frauen nur lieben.
Sie haben geschuftet, geboren, gegeben,
sie nahmen nicht Rücksicht aufs eigene Leben.
Sie schenkten uns Lieb, verdienen Vertrau'n.
Ein Hoch auf die alten und uralten Frau'n!


(Ingeborg Schiffer)

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