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R_gesundheit
Angehörige zu pflegen, stellt hohe Anforderungen an Geduld und Ausdauer, erfordert viel Zeit und ist häufig auch mit einem krassen finanziellen Einschnitt verbunden. Die Pflegeversicherung soll die persönlichen und finanziellen Belastungen der Pflege mild

Pflege: Mitglieder berichten


Mann mit Frau im Rollstuhl, Foto Frank Haustein

Wir hatten die Feierabend-Mitglieder gebeten, uns ihre Erfahrungen mit der Pflege von Angehörigen mitzuteilen. Es gab zahlreiche Zuschriften - eine Auswahl davon findest Du auf dieser Seite.


Die Erfahrungsberichte

Die Schwester meines Mannes ist 71 Jahre alt und geistig debil sowie körperlich schwer beeinträchtigt im Gehen und Stehen.
Wir haben sie zu uns genommen, weil mein Mann (70) seine Schwester nicht mehr in der Mietwohnung allein lassen konnte, sie kann sich auch nicht mehr allein versorgen. Sie hatte auch immer wieder schwere epileptische Anfälle, wobei wir sie in die Klinik bringen mussten.
Trotz Angaben beim Med. Dienst, um eine Pflegestufe zu erreichen vor ca. 3 Mon. haben wir keine Antworten bekommen.
Man kann sie so gut wie gar nicht allein lassen, da sie sehr verwirrt ist und ständig teilweise auch bis in die Nacht hinein laute Sebstgespräche führt.
Mein Mann hat eine Bestellungs-Urkunde vom Vormundschaftgericht bekommen, sprich er ist ihr Betreuer, macht die ganze Buchhaltung und Vermögensaufstellung für sie ehrenamtlich. Dazu hat das Gericht noch zusätzlich einen Rechtsanwalt zur Prüfung der Abrechnungen und Banken bestellt. Das kostet alles viel Geld und mein Mann soll alles ehrenamtlich abwickeln und für die ganzen Aufwendungen nichts erhalten.
Da mein Mann nur eine kleine Rente hat, muss ich die Familie erhalten, so dass ich meinen eigenen Verpflichtungen (bin selbständig) (62) nicht mehr nachkommen kann.
Delphiorakel




Wir, in erste Linie natürlich meine Frau, haben 2 Jahre meine Mutter, die das Bett nicht verlassen konnte, bei uns im Haus gepflegt. Leider erkrankte ich dann selbst, sodass wir sie in ein Heim geben mussten. Am Anfang hatten wir einen Pflegedienst, aber da wir etwas außerhalb wohnen, kam dieser zu recht unterschiedlichen Zeiten, worauf wir uns entschlossen, die Pflege selbst zu machen. Was uns am meisten geärgert hat war, dass uns für die Unterbringung im Heim die gleichen Kosten entstehen wie für den Pflegedienst, der morgens 30 Minuten und abends 45 Minuten bei uns war.
jobrie




Meine Frau und ich sind gemeinsam Betreuer der 65-jährigen Schwester meiner Frau. Meine Schwägerin erkrankte im 9. Lebensjahr an einer Hirnhautentzündung, in deren Folge irreparable Gehirnschäden zurückblieben. Seitdem leidet sie unter einem Anfallleiden und Intelligenzminderung. Sie ist im Besitz eines Schwerbehindertenausweises (Stufe 100 % mit den Kategorien G, H, und RF).

Seit 1997 leben wir gemeinsam in einer Doppelhaushälfte, welche wir neu gebaut haben, um die Pflege gewährleisten zu können. Meine Schwester erhält neben ihrer Altersrente (zuvor Erwerbslosenrente) vom Sozialamt eine Grundsicherung und eine Hilfe zur Pflege, die geringer ist, als die niedrigste Pflegestufe. Seitens der Pflegekasse (AOK) wurde die Anerkennung einer Pflegestufe wiederholt abgelehnt, da die addierten Zeiten für die unmittelbare Pflege an der Person nicht ausreichen. Dabei ist es uninteressant, dass meine Schwägerin permanent (rund um die Uhr) zu beaufsichtigt ist und im täglichen Leben vollkommen hilflos und orientierungslos ist. Die Zeiten, die wir mit ihr bei Ärzten, Behörden, Kassen etc. verbrachten, sind nicht mehr zu erfassen.

Inwieweit die neue Pflegeversicherung Entlastung bzw. Verbesserungen bringt, können wir noch nicht einschätzen. Seit April ist meine Schwägerin bei der GEK krankenversichert. Einen Antrag haben auf eine Pflegestufe haben wir neu gestellt, liegt aber beim Medizinischen Dienst und wartet auf Bearbeitung.

Ich weiß, dass es härtere Pflegefälle gibt, über die die Öffentlichkeit unterrichtet werden muss. Ich möchte Sie aber bitten, die öffentliche Aufmerksamkeit auch auf die Gruppe der Hilf- und Orientierungslosen zu lenken, auf die die Leistungen der Pflegeversicherung bisher nicht griffen, die aber ohne Hilfe der Angehörigen oder Gesellschaft nicht existieren können.
pctheo





Ich habe meine Mutter bis vor einigen Wochen mit kurzen Unterbrechungen und Hilfe einer Sozialstation, gepflegt. Am 9. Juni musste ich sie in ein Pflegeheim unterbringen, da die Hilfe der Sozialstation viel zu wenig war und ich es aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr konnte. Die Pflege hat mich krank gemacht und ein eigenes Leben war nicht möglich.

Die Gesetze schnüren uns die die Luft ab und nur die hohen Herrschaften kassieren das Geld ab. Für uns, die Pfleger bleibt dann nur ein Taschengeld. Die Pflegestationen arbeiten wie mit Maschinen und nach Minuten, obwohl jeder Fall anders liegt.

Ich hätte die Sozialstation mindestens 3x am Tag gebraucht, war aber leider nicht möglich, da sie von 12:00 Uhr bis 16:00 Uhr Mittagspause haben. Deshalb hatte ich sie nur zweimal täglich und hier musste ich bei Pflegestufe zwei noch zwischen 300,00 bis 400,00 Euro aus eigener Tasche bezahlen. Dabei benötigten die Pfleger bei großer Pflege nur ca. 30 Minuten, bei kleiner Pflege 10 Minuten. Die meiste Zeit brauchten sie für ihre Dokumentationen.
Saramaus





Ich habe meine damals 92-jährige Mutter (1988-2004) bis zu ihrem Tod betreut und gepflegt. Sie lebte ca 6 Jahre bei mir in der gemeinsamen Wohnung.
Meine Mutter hatte Pfegestufe II, damals ca. € 45o,-- die ich überwiesen bekam. Morgens kam ein Pfegedienst, der ca. € 430,-- kostete, und wusch, badete oder duschte sie, cremte sie und zog sie an. Meine Mutter frühstückte dann.
Alles Andere musste von mir erledigt werden. Mittagessen, Abendessen, Einkaufen, Waschen und Bügeln usw., der ganze Tagesablauf. Ich nahm mir dann eine Putzhilfe. Der Hausarzt kam einmal die Woch samstags, verschrieb Medikamente, die ich ihr peinlichst genau richten und eingeben musste. Meine Mutter war noch bedingt gefähig, ansonsten musste ich sie im Rollstuhl mitnehemen. Auch im Auto oder egal wohin. Meine Mutter war eine ausgeglichene, (meistens) leicht zu pflegende Person. Ich musste aber trotzdem viel zurückstecken. Ich war immer nur kurzfristig weg und abends selten, wenn Ablösung da war.
Man kann nicht alles aufzählen was so täglich anfällt und erledigt werden musste. Es gab auch unangenehme Tage, z. B. wenn sie Durchfall hatte, ich musste dann auch ihren Intimbereich säubern, was ihr natürlich unangenehm war.
Meine Mutter hatte eine kleinen Unfall, stürzte in der Wohnung auf den Rücken und brach sich 4 Rippen. 4 Wochen Krankenhaus, wo sie sehr litt. Ich holte sie nach 4 Wochen wieder nach Hause, wo sie nachts verstarb. Ich hatte das Gefühl sie wollte nur zu Haus sterben.
engele66





Mein Mann ist jetzt 65 Jahre alt, er bekam im Oktober 2006 einige sehr heftige Schlaganfälle und von jetzt auf gleich war unser Leben nicht mehr wie es war.

Er war anschließend 5 Monate unterwegs in Kliniken und Rehas, Ende März 2007 wurde er nach Hause entlassen. Mit linksseitiger Lähmung, Neclegt, Wahrnehmungsstörung und auch das Antriebszentrum im Gehirn ist betroffen.

Zu Hause habe ich das volle Programm , Rollstuhl, Toilettenstuhl, Toilettenerhöhung, Badlifter usw. Ich bin da für meinen Mann, und komme auch ohne Fachhilfe aus. Ich fühle mich auch voll versorgt von unserer Krankenkasse, und auch von der Pflegekasse, alle Hilfsmittel, die ich benötige, bekomme ich.

Trotzdem ist diese ganze Situation ganz schlimm für uns. Mein Mann war 2 Monate in Rente, als es passierte. Wir waren beide eher jugendliche Typen, haben uns das Älterwerden doch ganz anders vorgestellt, mit Radfahren, Wandern, vielleicht ein paar schöne Reisen, oder auch nur ein ruhiges Leben ohne Stress. Und nun, alles dreht sich um Therapien, Pflege, wie schaffe ich dieses und jenes. Und ich muß sehr auf mich selbst achten, denn ich darf nicht ausfallen.
Ich würde gerne mal wieder irgendwo in Urlaub fahren, habe auch schon im Internet nachgeschaut, aber ich traue mich nicht.
Zu Hause bleibt ja alle Arbeit in Haus, Garten usw. alles für mich.
Aber ich weiß sehr wohl, das es noch sehr viel schlimmere Schicksale gibt, aber für uns ist es das Schlimmste, was uns passieren konnte.
Tonja

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