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Depressionen sind «kalt und hässlich»
Berlin/Leipzig (dpa/tmn) - Rund vier Millionen Menschen in Deutschland leiden an einer behandlungsbedürftigen Depression. Doch nur ein Bruchteil von ihnen wird angemessen behandelt. Experten fordern eine erhöhte Aufmerksamkeit für die Volkskrankheit Depression.
Der Torwart Robert Enke ist immer dann ein gern zitiertes Beispiel, wenn es um die fatalen Folgen einer nicht erkannten Depression geht. 2006 nahm sich der Spieler von Hannover 96 das Leben, weil er keinen Ausweg mehr sah aus einer Krankheit, an der geschätzt etwa vier Millionen Menschen in Deutschland behandlungsbedürftig erkrankt sind. Doch nur ein Bruchteil von ihnen wird nach Einschätzung von Prof. Detlef Dietrich von der European Depression Association angemessen therapiert. Dabei sei es bei richtiger Diagnose und Behandlung in den meisten Fällen möglich, die Erkrankung zu überwinden.
Etwa 60 bis 70 Prozent der vier Millionen seien in ärztlicher Behandlung und davon wiederum nur 30 bis 25 Prozent als depressiv diagnostiziert, sagte Dietrich am Mittwoch in Berlin anlässlich des Europäischen Depressionstags am 1. Oktober. Nur 10 Prozent der depressiven Menschen würden adäquat behandelt.
Ohne eine solche Behandlung droht Betroffenen ein ähnliches Schicksal wie dem Hannover-96-Torwart: Viele von ihnen sind suizidgefährdet. «Robert Enke passiert jeden Tag 30 Mal», sagte Prof. Ulrich Hegerl von der Stiftung Deutsche Depressionshilfe. Jährlich nehmen sich 9600 Menschen das Leben - vielen von ihnen könnte Experten zufolge geholfen werden.
Denn je häufiger Depressionen erkannt werden, desto mehr Suizide lassen sich verhindern. «Wir sehen besser als früher, wie häufig Depressionen sind.» Ärzte würden die Erkrankung, die sich oft hinter körperlichen Beschwerden versteckt, vermehrt erkennen und auch als Depression benennen - und nicht hinter «Ausweichdiagnosen» wie chronischer Rückenschmerz oder Tinnitus verstecken.
Das habe zur Folge, dass Betroffene mittlerweile mehr mit Antidepressiva behandelt würden und öfter Psychotherapien angeboten bekämen. «Die Versorgungssituation für die Betroffenen verbessert sich», stellt Hegerl fest. Das wiederum sei ein Grund dafür, dass die Suizidrate in Deutschland in den vergangenen Jahren von 18 000 auf aktuell 9600 zurückgegangen sei. Die Stiftung strebt allerdings an, diese Zahl in den nächsten zehn Jahren nochmals zu halbieren.
Doch was genau ist eine Depression? Jedenfalls nicht «das Traurigsein, das Bedrücktsein, dass wir aus dem Alltag kennen», sagt Hegerl. Und auch nicht die Melancholie oder Herbstdepression, die viele in der dunklen Jahreszeit so gern für sich beanspruchen. Der Mediziner von der Universität Leipzig beschreibt die Krankheit vielmehr als «hässlichen, kalten Zustand», verbunden mit dem Gefühl, dass «die Luft raus» ist. Dazu zeigt er das Bild eines aufblasbaren Plastikkrokodils, das schlaff am Boden liegt.
Den medizinischen Leitlinien für unipolare Depressionen zufolge müssen mindestens zwei Wochen lang zwei, bei einer schweren Episode drei Hauptsymptome auftreten, damit die Diagnose gestellt werden kann. Zu den Kernanzeichen zählen eine gedrückte, depressive Stimmung, Interessen- und Freudlosigkeit sowie mangelnder Antrieb und erhöhte Ermüdbarkeit. Dazu kommen mindestens zwei weitere Krankheitszeichen wie Schuldgefühle, Suizidgedanken, Appetitlosigkeit und Konzentrations- oder Schlafstörungen.
Als Ursachen für Depressionen macht die Wissenschaft ein komplexes Zusammenspiel biologischer, psychischer und sozialer Faktoren aus, das bei jedem Betroffenen anders ist. So könnten zum Beispiel Schicksalsschläge wie der Verlust einer wichtigen Bezugsperson oder Vereinsamung eine Rolle spielen, erläutert Prof. Frank Schneider von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde. Auch erfolglose Strategien, Stress zu bewältigen, oder eine emotionale Instabilität sind mögliche Faktoren.
«Eine Depression hat verschiedene Phasen», sagt Schneider. Sie könne einmalig oder mehrfach auftreten, mal stärker, mal weniger stark. Danach richtet sich auch die Behandlung. Bei leichten depressiven Episoden steht «aktives beobachtendes Abwarten», eventuell mit unterstützenden Gesprächen, an erster Stelle. Eine Psychotherapie komme infrage bei einer leichten bis mittelschweren Depression ohne Selbstgefährdung - und wenn der Betroffene Medikamente ablehnt oder sonst etwas dagegen spricht. Reicht eine Psychotherapie allein nicht aus oder ist die Depression mittelschwer, schwer oder chronisch, sind laut Schneider Antidepressiva angezeigt - eventuell in Kombination mit einer Psychotherapie.
Die Wahrscheinlichkeit, an einer Depression zu erkranken, liegt durchschnittlich bei acht Prozent. Wer einen Depressiven in der Familie hat, ist mehr gefährdet als andere. Und doch gibt es einige Faktoren, die davor schützen können, sagt Schneider. Dazu gehöre zum Beispiel die «dauerhafte, gute Beziehung zu mindestens einer Bezugsperson» und das familiäre Umfeld. Kontaktfreudigkeit und weniger Überlastung sind ebenfalls ein guter Schutz.
Von Nina C. Zimmermann, dpa
Quelle: dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH









Absolut richtig, sagt jemand der durch diese Hölle ging und wieder zurückgefunden hat.
Das ist ein sehr gut geschriebener Artikel, und ich habe viel davon gelernt, danke .
Liebe Nina, deinen Beitrag finde ich gut, denn eine Depression kann jeden treffen, selbst einen gesunden positiv denkenden Menschen. Deshalb ist dein Beitrag sehr wichtig. Eine Depression wird immer begleitet von Hoffnungslosigkeit. Wenn ein Betroffener die Ursache erkennt, den Verlauf bei sich selbst beobachtet und dann nachlesen kann, dass es Möglichkeiten gibt, sich mit Hilfe eines Arztes, verständnisvollen Angehörigen, unter Umständen durch die Erkenntnis, wodurch die Depression ausgelöst wurde, durch die Einsicht, dass durch eigenes Zutun die Angst machende Situation beeinflussbar ist, dann besteht eine echte Chance auf Heilung. Doch besonders schlimm wird es, wenn einem diese Hilfe verweigert wird, wie es mir passierte. Nach einem nicht verschuldeten Auffahrunfall auf mein stehendes Auto wurde in der großen Notaufnahme der Stadt, in der ich wohne ein Schleudertraum diagnostiziert. Ich bekam eine Halskrause und wurde entlassen, Einen Tag später untersuchte mich unsere Hausärztin. Sie fand alle Anzeichen einer mittelschweren Gehirnerschütterung. Die Schmerzen, bei der geringsten Kopfbewegung auftretenden Übelkeit und die körperlichen Störungen führten zielgerade in eine Depression. Ich glaubte, ich sei jetzt ein Pflegefall und nicht mehr in der Lage mein Leben selbst wieder in den Griff zu bekommen. Ich erkannte, wenn diese Depression unbehandelt bleibt, dann kann es zu einem Verlust an Lebensqualität führen, dies kann für den Betroffenen auch zur Selbstaufgabe führen. Dies erlebte ich. Da ich nach dem Unfall viele Wochen nicht aus dem Haus durfte, es bestand sonst die Gefahr bleibender Schäden und durch die Gehirnerschütterung starke Kopfschmerzen hatte, mir bei jeder Bewegung übel wurde, die Koordination Auge -Hand und Auge-Fuß nicht mehr funktionierte, ich nicht mehr richtig zusammenhängend denken konnte, bat ich den Psychologen (Behandlung wegen Parkinson) um Hilfe. Er meldete sich nicht. Als mein Sohn ihn aufsuchte, sagte er, Depression gehöre zu seinem Fachbereich, mich würde er nicht behandeln, dafür sei ich zu alt Ich war zu diesem Zeitpunkt 70. Als ich diese hörte, weinte ich nur noch und wollte nicht mehr aufstehen. Mein Sohn übernahm es dann, immer in enger Beratung mit unserer Hausärztin, mit mir zu arbeiten. Augen - Hände trainierte er mit Papier schneiden, Perlen einzeln von einer Schüssel in die andere legen, später auffädeln, Auge - Füße, jeden Tag etwa 5 Stufen rauf und wieder runter. Zusammenhängendes Denken. Einen kurzen Bericht aus der Zeitung lesen und den Inhalt wiedergeben. Das wurde später verlängert, mittags lesen. abends den Inhalt erzählen, weiterer Schwierigkeitsgrad, im Radio Nachrichten hören und später erzählen, Essenplan unter Anleitung zusammenstellen, Beim Kochen war ich mit in der Küche und beobachtete die Vorbereitungen. Mein Sohn fragte „und was muss ich jetzt nehmen“ und ich musste mich erinnern, wie ich es früher gemacht hatte. Jeden Tag schrieb mein Sohn auch kleinste Fortschritte auf. Wir besprachen es abends vor dem Schlafengehen, er lobte mich und machte mir Mut. Ich dachte darüber nach und sah selbst, ich mache Fortschritte. So lernte ich, die Depression zu überwinden. Heute bin ich sehr dankbar für diese Hilfe, Zuwendung und das Mut machen. Zwillingsjungfrau
ich hatte ständig Herzbeschwerden und immer sagte der Arzt ,sie sind gesund!EKG i.O.Dann überkam mich die Angst,bei jeder kleinen Regung des Herzens kam die rasende Angst und später die Angst vor der Angst!Ich lies mich zum Psychiater überweisen ,der verschrieb mir Psychopharmaka .Dann ging es so richtig los.Ich konnte nicht mehrlachen ,nicht mehr weinen hatte einen "Kloss" im Hals und im Magen ,konnte nichts essen nahm in 8 Wochen 10KG ab !Und ein kleines Kind zu Hause,sie war gerade mal 3Jahre alt.Ich sollte in die Klinik ,hatte aber für die Zeit niemanden für mein Kind.Mit Psychotherapie ,Medikamenten und der Hilfe der Familie kam ich endlich aus dm Tief heraus .Als ich nach ca.3Jahren merkte,dass die Anzeichen wieder auftraten ging ich gleich wieder zum Hausarzt und bekam noch eine Therapie insgesamt waren das 4Jahre.Ich nehme noch heute ein Psychopharmakon (lebenslang) mir geht es heute sehr gut.Aber ich sage im Rückschluss,wenn mein Kind nicht gewesen wäre Ich wüsste nicht....