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Die Villa Urbana

Führung durch die Villa Urbana


Feierabend.de
in Heitersheim zur Führung durch die Villa Urbana,
am 3. Juni 09, 14.00 h


bestens organisiert von Anne-Grete (Tettane)


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Schon draußen vor der Villa Urbana herrschte eine sommerlich-heitere Stimmung: die Feierabendler warteten im Schatten eines Baumes; die Führung in der Villa sollte um 14:00 h beginnen

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Sehr sorgfältig zählte Anne-Grete dann, ob alle den Eingang passierten

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Markus Klein
von der Universität Freiburg kam und gewann im Nu alle Ohren seiner Zuhörer. Er „erzählte“ eher als dass er einen Vortrag hielt, strukturiert, deutlich, für jeden verständlich und einprägsam. Er erhielt ein großes Zwischenlob von allen.

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Zahlreiche Grabungskampagnen und schließlich eine Luftaufnahme gingen der Erforschung der römischen Anlage in der Nachbarschaft des Malteserschlosses in Heitersheim voraus, bis sich herausstellte, dass es sich um die erst entdeckte Villa Urbana nördlich der Alpen handelte (also das von einem Verwalter geführte Ferienhaus eines „stinkreichen“ Römers, im Gegensatz zu einer Villa Rustika,
die einem „nur“ reichen Römer gehörte,
der im allgemeinen die Armee belieferte).
Diese römische Anlage des ausgehenden 2. Jahrhunderts ist 5,5 ha groß und war ummauert für die Nutz- und gegen die Wildtiere. Sie reichte bis Sulzburg, Staufen und bis zur heutigen A5 (die große Reichsstraße). Das Gebäude war 2-stöckig und hatte einen Keller für Lebensmittel.

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Interessant,
wie die Anlage in einem Luftbild zu erkennen ist:
möglich ist das in einem Weizen-, Getreide- oder Grasfeld

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Über den Mauern ist die Humusschicht dünner, die Pflanzen wachsen hier nicht so hoch und so schnell. Der Regen, der auf die Mauer trifft, läuft links und rechts ab, es kommt zur Vertrocknung – bei viel Regen wird diese Fläche dunkler, die Pflanzen wachsen auch nicht so hoch wie die anderen.

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Zum Schutz gegen Feuchtigkeit wurde die Ausgrabungsstätte umbaut, diese helle Glasumbauung ist das heutige Museum. Gefundene Gegenstände würden sich draußen innerhalb eines Jahres zersetzen. Bereits in anderen Ausgrabungsstätten vorhandene Gegenstände wurden gleich wieder in die Erde eingegraben – die beste Konservierung gegen Zerfall!

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Es ist nicht genau bekannt, um welchen Betrieb es sich bei der Villa Urbana handelte (es gab reine Getreide- und Viehbetriebe, Keramik- und Dachziegel- oder Mischbetriebe). Zwei gefundene Brennöfen lassen auf Ziegel- und Keramikproduktion schließen. Es handelt sich um eine Axialhofanlage, die zu beiden Seiten von Gebäuden flankiert wird, dem pars urbana und dem pars rustica. Drei Hausflügel hatte die Anlage, einen Pavillon mit Mosaiken (der Zugang über die Treppe ist noch vorhanden), ein Zierwasserbecken. Eine Stallung war durch den Ammoniakgeruch auszumachen.

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Das Wasser für das Zierwasserbecken kommt aus der Sulzbachquelle, das Wasser wurde in die Gärten abgeleitet. Das Becken wurde mit Opus Caementitium angelegt, das nach dem Härten Wasser undurchlässig wird.



Der römische Badealltag – jeden Tag ein Bad!

Durch die (um die Damenwelt nicht zu beleidigen hat Herr Klein die Arbeit der Männer Erwerbstätigkeit und nicht Arbeit bezeichnet, also) Erwerbstätigkeit der Männer wurden folgende Zeiten festgelegt (gefunden in Rom):

Frauen morgens von 5 – 8 h, Männer von 8 – 19 h, Frauen wieder von 19 – 22 h.

Es herrschte also strikte Geschlechtertrennung und es wurde nackt gebadet. Das Abendessen war die Hauptmahlzeit, nach Markus Klein könnte die Frau morgens gesagt haben:
„Des Brod mit dene Olive kannsch der selver hole, ich bin dann emol im Bad.“

Ein Amor auf Delphin war ein häufig verwendetes Motiv für Wasserspiele und gleichzeitig ein Glückssymbol – Markus Klein findet es gar nicht nett,
dass das Colombi Schlössle den Amor aus Heitersheim nicht rausrückt.

(Geht ja auch schon fast in die Richtung Beutekunst, oder?)

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Man fand eine große Menge Steinplatten (Opus Sectile),
die in geometrische Formen gesägt als Fußbodenbelag dienten.
Es gibt auch schmale Leisten aus grünem Porphyr,
der zu den teuersten der Antike zählte. Es gab leicht grün eingefärbtes Fensterglas, das in Holzrahmen eingefasst wurde. Im Gegensatz zum Mittelalter war Glas fast ein Wegwerfprodukt! Jeder Haushalt besaß ein Set der aufwändig hergestellten Töpferarbeiten aus Terra silicata. Herr Klein verglich es mit dem guten Porzellangeschirr in den heutigen Haushalten.

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Die Treppe zum Vorratskeller (aus behauenen Steinen aus dem Schwarzwald),
2 x verputzt, roh und fein, mit Rampe ist zum großen Teil noch erhalten.
Der Keller war innen rot mit Figuren oder Ornamenten bemalt.

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Einen römischen Fußabdruck gibt es zu sehen. Herr Klein nahm eine kleine Auszeit und wir sollten raten bis er uns verriet: es handelt sich um einen rechten männlichen Fußabdruck.

„Denk dra, wenn de in de Keller gesch, dapp net in de frische Bedong!“

Der Abdruck wirkt so klein, weil die Schuhe keine Sohle hatten und die Füße sehr eng geschnürt wurden – das macht zum heutigen Fuß einen Unterschied von 3 Größen aus! (In der Schweiz hat man sogar einen Hinternabdruck gefunden, also war man nackt unter der Tunika – weitere Details dazu wollte Herr Klein uns leider nicht verraten).

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In der Mitte des Vorratskellers stand ein Tisch, auf dem Lebensmittel aufbewahrt wurden – für Mäuse und Ratten unmöglich, eine Tischplatte von unten zu überwinden!)
In Amphoren verschiedener Formen wurden flüssige Nahrungsmittel aufbewahrt, hier in Heitersheim hat man 5 Weinamphoren gefunden.

Auch für Garum (eine Fischsoße, Maggi der Antike) gab es eine, hier das Rezept:

Reste von Sardinen kommen in einen Bottich mit Wasser
2 Wochen in die pralle Sonne stellen, durchrühren
für die Haltbarkeit Gewürze und Salz zugeben
weitere 2 Wochen in die Sonne stellen
abfiltern, abfüllen und verkaufen!



Amphoren waren leicht herstellbar, transportier- und stapelbar z.B. auf Schiffen (man band 4 zusammen und stellte eine obendrauf, etc.)

Zum Schluss mussten wir uns noch mal anstrengen: wir sollten schätzen, wie viel Liter die größte Amphore fasst - 40 Liter fasst sie! Durch die Hitze verdunstete der Wein wohl etwas, wenn viel verdunstet war bei der Ankunft, eher durch den Besitzer…

Herr Klein, Ihre Führung war eine Bereicherung!

Wir hatten gar nicht bemerkt, wie schnell die Zeit vergangen war – es blieb keine mehr übrig für den Aussichtsturm – der wird wohl beim nächsten Mal in Angriff genommen. Ein nächstes Mal wird es geben es in Heitersheim, da werden wir das Malteserschloss nachholen. Die Besichtigung wäre heute nicht möglich gewesen und – das war auch gut so!

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Obwohl noch gar nicht geöffnet (erst um 16 h), liefen alle sehr zielstrebig, weil scheinbar sehr hungrig, zur Sulzbach Straußi und ließen sich im Innenhof nieder – schon bald gab es Spargelvariationen oder gut bürgerliche Gerichte und natürlich Desserts!

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Von Anne-Grete (Tettane) kam der leckere Wein – sie hatte Ende Mai Geburtstag und lud dazu ein – vielen Dank Dir, liebe Anne-Grete
und vor allem für diesen wunderbaren Nachmittag, an dem es uns an nichts fehlte - im Gegenteil!

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PS: Und danke Dir, Felix für den Tipp für Bild 1!


Freiburg, 3. Juni 2009

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Autor

Margit Anhut (Anmargi)

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