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Markwart
Eine Vogelgeschichte von Heinz
Es war im zeitigen Frühjahr des Jahres 1997 als uns Nachbarskinder einen winzigen Nestling brachten, den wir nur mühsam als Eichelhäher identifizieren konnten, weil er noch kaum Gefieder zeigte. Die Kinder hatten ihn am Straßenrand unter Bäumen gefunden. Seine Geschwister hatten ihn anscheinend aus dem Nest gedrängt.Die Nachbarskinder hatten vergeblich versucht, ihn zu füttern. Er sperrte zwar bereitwillig
den Schnabel auf, hatte also Hunger, aber er verschmähte natürlich die angebotenen Körner,
weil er Frischfleischfresser ist. --
So fuhr ich also als erstes zum Fleischer und holte 50 g frisch durchgedrehtes Rindermett. Dort musste ich natürlich erklären, wofür ich eine derart „große“ Menge benötigte. Ich kündigte an, dass ich von jetzt an täglich eine gleich große Menge abzunehmen bereit sei und erklärte die Zusammenhänge.
Der kleine Eichelhäher - wir tauften ihn "Markwart" – verspeiste gierig eine gehörige Portion Rindermett und bezog dann auf unserer Terrasse sein neues Quartier (ein ausrangiertes Gewächshäuschen aus Glas und Holz). Darin hatten wir ihm aus Wolle ein Nest gebaut, aus dem er nicht herausfallen konnte.
Von nun an waren meine Frau und ich abwechselnd gut beschäftigt mit Markwart füttern, Nest sauber halten, Markwart bestaunen, Rindermett kaufen usw.
Markwart entwickelte sich prächtig. - Er bekam sein unverwechselbares, wunderschönes Gefieder und schon bald verließ er - zunächst stundenweise – das Nest und ließ sich auf einem daneben aufgestellten Hackklotz mit einem Stäbchen das frisch durchgedrehte Rindermett reichen. - Etwas später erfuhr ich, dass für kleine Eichelhäher lebende Mehlwürmer eine besondere Delikatesse seien, und ich besorgte ihm diese aus der Zoohandlung. Als er sah, was ich für ihn hatte, gebärdete er sich wie toll, schlug mit den Flügeln, krächzte und sprang ungestüm
gegen das Futterstäbchen. --
Jedenfalls hatte er uns als seine Eltern voll akzeptiert!
In der nächsten Entwicklungsphase begleitete er uns auf der Schulter durch Haus und Garten und machte erste Flugversuche, die nach 2 oder 3 Metern jedoch mit einer Bauchlandung endeten. Wenn er sich müde gerackert hatte - spätestens aber etwa eine knappe Stunde vor Sonnenuntergang - ließ er sich brav in sein Gewächshäuschen bringen, um auf einer darin angebrachten Sitzstange zu schlafen.
Wenn er Hunger hatte (und den hatte er oft!) setzte er sich auf den Hackklotz, auf dem er immer gefüttert wurde, schlug mit den Flügeln und begleitete das Ganze mit immer lauter werdendem Krächzen.
Eines Tages – Markwart saß wie üblich auf meiner Schulter – holte ich die elektrische Heckenschere, um hinter dem Haus eine mannshohe Feuerdorn-Hecke zu beschneiden. Markwart verfolgte zunächst von meiner Schulter aus interessiert alle Vorbereitungen, doch als ich die Heckenschere einschaltete, erschrak er und flog erstmals in die unteren Zweige eines nahen Apfelbaumes. Dort blieb er lange sitzen, als gäbe es für ihn nichts schöneres, als mir beim Heckeschneiden zuzusehen. - Er war jetzt völlig erwachsen und ein sehr stattlicher, taubengroßer Vogel. - Als ich das Schneiden unterbrach, um die geschnittenen Zweige abzulesen, wie ich es zuvor auch schon einige mal getan hatte, kam er angeflogen, setzte sich auf die Hecke und half mir, die Zweige abzulesen: Er nahm einen Zweig in den Schnabel, trippelte und hüpfte an den Rand der Hecke und ließ den Zweig nach unten fallen (so wie er es bei mir gesehen hatte). Das wiederholte er so lange, bis alle geschnittenen Zweige unten lagen. - Ich war sprachlos! -
Es muss also so etwas wie einen Nachahmungstrieb (gegenüber den vermeintlichen Eltern) geben – ein Zufall konnte es kaum sein!
Eines Morgens wurden wir in aller Herrgottsfrühe unsanft durch eigenartige Geräusche aus dem Schlaf gerissen und stellten fest, dass Markwart flügelschlagend auf der Fensterbank unseres Schlafzimmers saß und krächzte. Er wollte also gefüttert werden. - Wenn wir noch ein Stündchen weiterschlafen wollten, mussten wir das wohl oder übel auch tun. Aber woher wusste
der Schlingel, in welchem Zimmer wir schliefen? Er selbst übernachtete schon längst nicht mehr in seinem Gewächshäuschen, sondern in den höchsten Bäumen der Nachbargärten.
So beobachteten wir auch – allerdings mit Sorge – dass Markwart bei seinen immer größer werdenden „Ausflügen“ keinerlei Scheu vor Mensch und Tier zeigte. Er spielte z. B. gern mit dem Terrier des Nachbarn. - Wie sollten wir ihm beibringen, dass er sich z. B. vor Katzen fürchten muss?
Als wir Urlaub machen wollten, hatten wir natürlich ein großes Problem und das hieß Markwart. Wir hatten erkundet, dass es an der Weser einen Vogelfreund mit mehreren großen Volieren gab. Der nahm unseren Markwart auch sehr gerne auf und wollte ihn – zwei Wochen später – am liebsten behalten. - Doch als wir die Wiedersehensfreude Markwarts erlebten, konnten wir es nicht über uns bringen, ihn an der Weser zu lassen.
Markwart war bei uns sofort wieder “zu Haus“ und genoss seine wiedererlangte Freiheit in vollen Zügen. Wir sahen ihn fast nur noch zu seinen Mahlzeiten. Dann landete er auf unseren Schultern und machte unmissverständlich deutlich, was ihn zu uns führte.
Eines morgens (am 28. 7. 1997) kam Markwart nicht zu seinem gewohnten Fünf-Uhr-Frühstück auf das Fensterbrett des Schlafzimmers.
Nach längerem Suchen fanden wir ihn unter dem Apfelbaum liegend, auf dem er oft gesessen hatte, äußerlich unversehrt, jedoch mit einem Blutstropfen auf dem Kopf. - Er war tot.
Wir waren sehr traurig und es blieb ein Rätsel, auf welche Weise er umgekommen war. -
Gerdi (meine Frau) malte ihn auf Seide. (rundes Bild)
Nippon 28.07.2005
Markwart entwickelte sich prächtig. - Er bekam sein unverwechselbares, wunderschönes Gefieder und schon bald verließ er - zunächst stundenweise – das Nest und ließ sich auf einem daneben aufgestellten Hackklotz mit einem Stäbchen das frisch durchgedrehte Rindermett reichen. - Etwas später erfuhr ich, dass für kleine Eichelhäher lebende Mehlwürmer eine besondere Delikatesse seien, und ich besorgte ihm diese aus der Zoohandlung. Als er sah, was ich für ihn hatte, gebärdete er sich wie toll, schlug mit den Flügeln, krächzte und sprang ungestüm
gegen das Futterstäbchen. --
Jedenfalls hatte er uns als seine Eltern voll akzeptiert!
In der nächsten Entwicklungsphase begleitete er uns auf der Schulter durch Haus und Garten und machte erste Flugversuche, die nach 2 oder 3 Metern jedoch mit einer Bauchlandung endeten. Wenn er sich müde gerackert hatte - spätestens aber etwa eine knappe Stunde vor Sonnenuntergang - ließ er sich brav in sein Gewächshäuschen bringen, um auf einer darin angebrachten Sitzstange zu schlafen.
Wenn er Hunger hatte (und den hatte er oft!) setzte er sich auf den Hackklotz, auf dem er immer gefüttert wurde, schlug mit den Flügeln und begleitete das Ganze mit immer lauter werdendem Krächzen.
Eines Tages – Markwart saß wie üblich auf meiner Schulter – holte ich die elektrische Heckenschere, um hinter dem Haus eine mannshohe Feuerdorn-Hecke zu beschneiden. Markwart verfolgte zunächst von meiner Schulter aus interessiert alle Vorbereitungen, doch als ich die Heckenschere einschaltete, erschrak er und flog erstmals in die unteren Zweige eines nahen Apfelbaumes. Dort blieb er lange sitzen, als gäbe es für ihn nichts schöneres, als mir beim Heckeschneiden zuzusehen. - Er war jetzt völlig erwachsen und ein sehr stattlicher, taubengroßer Vogel. - Als ich das Schneiden unterbrach, um die geschnittenen Zweige abzulesen, wie ich es zuvor auch schon einige mal getan hatte, kam er angeflogen, setzte sich auf die Hecke und half mir, die Zweige abzulesen: Er nahm einen Zweig in den Schnabel, trippelte und hüpfte an den Rand der Hecke und ließ den Zweig nach unten fallen (so wie er es bei mir gesehen hatte). Das wiederholte er so lange, bis alle geschnittenen Zweige unten lagen. - Ich war sprachlos! -
Es muss also so etwas wie einen Nachahmungstrieb (gegenüber den vermeintlichen Eltern) geben – ein Zufall konnte es kaum sein!
Eines Morgens wurden wir in aller Herrgottsfrühe unsanft durch eigenartige Geräusche aus dem Schlaf gerissen und stellten fest, dass Markwart flügelschlagend auf der Fensterbank unseres Schlafzimmers saß und krächzte. Er wollte also gefüttert werden. - Wenn wir noch ein Stündchen weiterschlafen wollten, mussten wir das wohl oder übel auch tun. Aber woher wusste
der Schlingel, in welchem Zimmer wir schliefen? Er selbst übernachtete schon längst nicht mehr in seinem Gewächshäuschen, sondern in den höchsten Bäumen der Nachbargärten.
So beobachteten wir auch – allerdings mit Sorge – dass Markwart bei seinen immer größer werdenden „Ausflügen“ keinerlei Scheu vor Mensch und Tier zeigte. Er spielte z. B. gern mit dem Terrier des Nachbarn. - Wie sollten wir ihm beibringen, dass er sich z. B. vor Katzen fürchten muss?
Als wir Urlaub machen wollten, hatten wir natürlich ein großes Problem und das hieß Markwart. Wir hatten erkundet, dass es an der Weser einen Vogelfreund mit mehreren großen Volieren gab. Der nahm unseren Markwart auch sehr gerne auf und wollte ihn – zwei Wochen später – am liebsten behalten. - Doch als wir die Wiedersehensfreude Markwarts erlebten, konnten wir es nicht über uns bringen, ihn an der Weser zu lassen.
Markwart war bei uns sofort wieder “zu Haus“ und genoss seine wiedererlangte Freiheit in vollen Zügen. Wir sahen ihn fast nur noch zu seinen Mahlzeiten. Dann landete er auf unseren Schultern und machte unmissverständlich deutlich, was ihn zu uns führte.
Eines morgens (am 28. 7. 1997) kam Markwart nicht zu seinem gewohnten Fünf-Uhr-Frühstück auf das Fensterbrett des Schlafzimmers.
Nach längerem Suchen fanden wir ihn unter dem Apfelbaum liegend, auf dem er oft gesessen hatte, äußerlich unversehrt, jedoch mit einem Blutstropfen auf dem Kopf. - Er war tot.
Wir waren sehr traurig und es blieb ein Rätsel, auf welche Weise er umgekommen war. -
Gerdi (meine Frau) malte ihn auf Seide. (rundes Bild)
Nippon 28.07.2005


