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Nach dem Tod meiner Mutter fiel mir die Aufgabe zu, ihre Wohnung auszuräumen. Sie hatte unendlich viele Kisten mit Bildern und Briefen aufgehoben die mir, am Boden sitzend, einen vertiefenden Einblick in ihr Leben gaben - ich bin so dankbar dafür! In einer dieser Kisten fand ich den bereits leicht vergilbten Brief meines Vaters, auf Büttenpapier geschrieben, an meinen Großvater - den Vater meiner Mutter. Er bat um die Hand meiner Mutter!

Mich hat der Respekt, der seinerzeit der älteren Generation gezollt wurde, sehr berührt. Dieser Brief hat es mir wieder bewusst gemacht, dass selbst in diesen schweren Zeiten Kommunikation auch ohne Computer oder Telefon funktionierte.


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Mein Vater, 1920 geboren, hat es im jungen Alter von 15 Jahren aus einem kleinen Bergmannsdorf an der Saar nach Hamburg gezogen, um sich seinen Traum zu erfüllen und bei der Deutschen Handelsschifffahrt anzuheuern. Er war auf verschiedenen größeren und kleineren Segelschiffen in weit entfernte Länder gekommen, bis - so sein Tagebuch: "im September 1939 die schönen schneeweißen Schiffe in das düstere Grau des Krieges gekleidet wurden und ich von einem Tag zum anderen kein herrlich freier Seemann, sondern ein Matrose des Hilfsschiffs der Deutschen Kriegsmarine wurde, Bestimmungsort unbestimmt, ebenso unbestimmt, wie in den Septembertagen 1939 ja alles gewesen ist".

Im Juli 1944 hat mein Vater meine Mutter, eine Hamburger Deern aus Blankenese geheiratet. Er konnte uns vier Kindern später sehr viel von seinem facettenreichen Leben vermitteln.


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An Bord, den 12.10.1943

Sehr geehrter Herr Wegener,

Besondere Zeitverhältnisse zwingen mich dazu, eine Frage, die man sonst nur persönlich stellt, schriftlich an Sie zu richten.

Ich bitte Sie um die Hand Ihrer Tochter! Mit Marga habe ich verabredet, am 21. d. Mts. in Berlin zusammenzutreffen und gemeinsam zu meinen Eltern zu fahren. Da nun bis zum 20. November Ihre Antwort auf meine Bitte nicht hier sein kann, werde ich mir erlauben, das Zusammentreffen mit Marga als Zeichen Ihrer und Ihrer Frau Gemahlin Zustimmung zu betrachten.

Den üblichen Blumenstrauß bitte ich mir zu erlassen bis zu meinem Aufenthalt in Hamburg. Es ist wirklich nicht möglich, ihn mit meinem Brief zu vereinen.

In der Hoffnung auf Ihr Einverständnis und in größter Freude über meine bevorstehende Verlobung mit Ihrer Tochter, sendet Ihnen herzliche Grüße,

Ihr Armin M.

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Autor

Margit Anhut (Anmargi)

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