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Regional > Freiburg > Geschichten, Gedichte etc. unserer Mitglieder > Ein Brief meines Vaters aus dem Jahr 1943
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Nach dem Tod meiner Mutter fiel mir die Aufgabe zu, ihre Wohnung auszuräumen. Sie hatte unendlich viele Kisten mit Bildern und Briefen aufgehoben die mir, am Boden sitzend, einen vertiefenden Einblick in ihr Leben gaben - ich bin so dankbar dafür! In einer dieser Kisten fand ich den bereits leicht vergilbten Brief meines Vaters, auf Büttenpapier geschrieben, an meinen Großvater - den Vater meiner Mutter. Er bat um die Hand meiner Mutter!
Mich hat der Respekt, der seinerzeit der älteren Generation gezollt wurde, sehr berührt. Dieser Brief hat es mir wieder bewusst gemacht, dass selbst in diesen schweren Zeiten Kommunikation auch ohne Computer oder Telefon funktionierte.
**********
Mein Vater, 1920 geboren, hat es im jungen Alter von 15 Jahren aus einem kleinen Bergmannsdorf an der Saar nach Hamburg gezogen, um sich seinen Traum zu erfüllen und bei der Deutschen Handelsschifffahrt anzuheuern. Er war auf verschiedenen größeren und kleineren Segelschiffen in weit entfernte Länder gekommen, bis - so sein Tagebuch: "im September 1939 die schönen schneeweißen Schiffe in das düstere Grau des Krieges gekleidet wurden und ich von einem Tag zum anderen kein herrlich freier Seemann, sondern ein Matrose des Hilfsschiffs der Deutschen Kriegsmarine wurde, Bestimmungsort unbestimmt, ebenso unbestimmt, wie in den Septembertagen 1939 ja alles gewesen ist".
Im Juli 1944 hat mein Vater meine Mutter, eine Hamburger Deern aus Blankenese geheiratet. Er konnte uns vier Kindern später sehr viel von seinem facettenreichen Leben vermitteln.
**********
An Bord, den 12.10.1943
Sehr geehrter Herr Wegener,
Besondere Zeitverhältnisse zwingen mich dazu, eine Frage, die man sonst nur persönlich stellt, schriftlich an Sie zu richten.
Ich bitte Sie um die Hand Ihrer Tochter! Mit Marga habe ich verabredet, am 21. d. Mts. in Berlin zusammenzutreffen und gemeinsam zu meinen Eltern zu fahren. Da nun bis zum 20. November Ihre Antwort auf meine Bitte nicht hier sein kann, werde ich mir erlauben, das Zusammentreffen mit Marga als Zeichen Ihrer und Ihrer Frau Gemahlin Zustimmung zu betrachten.
Den üblichen Blumenstrauß bitte ich mir zu erlassen bis zu meinem Aufenthalt in Hamburg. Es ist wirklich nicht möglich, ihn mit meinem Brief zu vereinen.
In der Hoffnung auf Ihr Einverständnis und in größter Freude über meine bevorstehende Verlobung mit Ihrer Tochter, sendet Ihnen herzliche Grüße,
Ihr Armin M.
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Mich hat der Respekt, der seinerzeit der älteren Generation gezollt wurde, sehr berührt. Dieser Brief hat es mir wieder bewusst gemacht, dass selbst in diesen schweren Zeiten Kommunikation auch ohne Computer oder Telefon funktionierte.
Mein Vater, 1920 geboren, hat es im jungen Alter von 15 Jahren aus einem kleinen Bergmannsdorf an der Saar nach Hamburg gezogen, um sich seinen Traum zu erfüllen und bei der Deutschen Handelsschifffahrt anzuheuern. Er war auf verschiedenen größeren und kleineren Segelschiffen in weit entfernte Länder gekommen, bis - so sein Tagebuch: "im September 1939 die schönen schneeweißen Schiffe in das düstere Grau des Krieges gekleidet wurden und ich von einem Tag zum anderen kein herrlich freier Seemann, sondern ein Matrose des Hilfsschiffs der Deutschen Kriegsmarine wurde, Bestimmungsort unbestimmt, ebenso unbestimmt, wie in den Septembertagen 1939 ja alles gewesen ist".
Im Juli 1944 hat mein Vater meine Mutter, eine Hamburger Deern aus Blankenese geheiratet. Er konnte uns vier Kindern später sehr viel von seinem facettenreichen Leben vermitteln.
An Bord, den 12.10.1943
Sehr geehrter Herr Wegener,
Besondere Zeitverhältnisse zwingen mich dazu, eine Frage, die man sonst nur persönlich stellt, schriftlich an Sie zu richten.
Ich bitte Sie um die Hand Ihrer Tochter! Mit Marga habe ich verabredet, am 21. d. Mts. in Berlin zusammenzutreffen und gemeinsam zu meinen Eltern zu fahren. Da nun bis zum 20. November Ihre Antwort auf meine Bitte nicht hier sein kann, werde ich mir erlauben, das Zusammentreffen mit Marga als Zeichen Ihrer und Ihrer Frau Gemahlin Zustimmung zu betrachten.
Den üblichen Blumenstrauß bitte ich mir zu erlassen bis zu meinem Aufenthalt in Hamburg. Es ist wirklich nicht möglich, ihn mit meinem Brief zu vereinen.
In der Hoffnung auf Ihr Einverständnis und in größter Freude über meine bevorstehende Verlobung mit Ihrer Tochter, sendet Ihnen herzliche Grüße,
Ihr Armin M.

Danke liebe Margit, dass Du uns an dem Werben Deines Vaters um Deine Mutter hast teilhaben lassen. Unsere Altersgruppe hat in den 40er Jahren auf Grund der Zeitläufte so viel Ähnliches erlebt. Und trotzdem blieb noch so viel Raum für Individuelles. Schön, dass es hier den Raum gibt, davon vertrauensvoll zu erzählen. Liebe Grüße Ingeborg
Glücklich, liebe Margit, wer von seinen Vorfahren (Eltern) Auskünfte aus deren Leben erhielt, irgendwie gehört es doch zum eigenen Leben dazu. Ich kann mir bildhaft vorstellen, wie Du da saßest, in der Flut von Briefen und Aufzeichnungen, (und wunderbar, wenn dies alles die Zeit überdauern durfte) während Deine Gedanken in die Vergangenheit schweiften, in eine Zeit, in der Du noch garnicht auf der Welt warst, und einige Zeit danach. Ich glaube, zu Wenige haben mit ihren Kindern über das eigene Leben gesprochen, und zu wenige Kinder nach dem Erleben der Eltern gefragt. Ich hatte keine Gelegenheit dazu, als ich jedoch in selbstschon vorgerückten Jahren meine alte Stiefmutter danach fragte, bekam ich leider zur Antwort: "Wozu willst Du das denn wissen." Es war alles zu wenig, ergibt kein ordentliches Bild, keinen richtigen Zusammenhang. Vielleicht sollten wir, die wir Kinder haben, manchmal darüber nachdenken? Nur die Zeit heute, die ist so anders ... Nachdenkliche Grüße, und danke für Deine kleine Mitteilung, Irene
ich bin total entzückt vom Schreiben Deines Vaters an Deine Mutter, liebe Anmargi. Es waren Zeiten an die wir uns heute gerne zurückerinnern. Es hat sich viel geändert seither, aber nicht unbedingt zum Guten. LG Trudel LG Trudel
Liebe Margit, es tat gut, diesen alten Brief zu lesen. Danke für die Veröffentlichung. So war es damals, da war noch viel Respekt und Ehrfurcht vorhanden. Ich habe z.B. eine Karte meines Vaters an meine Mutter - damals Verlobte - aus dem ersten Weltkrieg. Diese Karte hat er aus Baumrinde gefertigt und verschickt im Stil von damals. Heute ist alles anders - mir gefällt die Art von früher besser.
Mein Kommentar der unter der Geschichte von Irene/Heupferd steht, gilt sinngemäß für den Bericht von Margit/Anmargi. Siehe bitte dort. Danke.
Liebe Margit, zunächst danke! Dieser aufs Gemüt und zu Herzen gehende historische Rückblick auf einen Eckpunkt Deiner Eltern wirft die Frage auf: Was werden unsere Kinder und Enkel mal über uns finden und ausgraben? Vielleicht nur noch USB-Sticks, CD's DVD's und Festplatten? Dieser Bericht bestärkt mich, alte Fotos und Filme zu digitalisieren und auch die neueren wichtigen digitalen Fotos über ein Fotobuch einzubringen und so handgreiflich zugänglich zu machen. Dieter.
Beim Lesen des Briefwechsels schweifen meine Gedanken zurück. Schön, Margit, daß Du uns teilhaben läßt. Briefe von meinem Vorfahren habe ich keine. Hingegen kann ich mich noch an mein Herzklopfen erinnern, als mein Mann, Werner, bei meinem Vater um meine Hand angehalten hat. Das sind schon besondere Meilensteine im Leben. Liebe Grüße Helene
Liebe Margit, welch schöne Erinnerung an Deine Eltern! Und mich berührt der Brief in seiner schlichten Ehrlichkeit und dem darin gezeigten Respekt, den wir heute so oft vermissen, ganz besonders. Danke
Liebe Margit, für dich waren es sicher bewegende Momente die Briefe deiner Eltern zu lesen, danke dass du uns daran teilhaben läßt. Auch ich habe Briefe von meinem Vater, an meine Mutter aus der Gefangenschaft. Bei lesen habe ich nur noch geheult. So bleiben die Eltern in unsern Herzen.Liebe Grüße Anneliese (amadine)