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Mit 58 in den Vorruhestand

"Ich sause also ständig herum ..."

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Wie war ich froh, als ich endlich mit knapp 58 Jahren in den Vorruhenstand gehen konnte. Das war im Jahr 2000, und zu dieser Zeit war die Welt für Rentner noch in Ordnung. Nie mehr morgens um 6 Uhr aufstehen, eine halbe Stunde über die Autobahn nach Dortmund ins Büro, bei Schnee und Eis, bei 30 Grad im Schatten usw. Nicht dass ich sagen kann, der Job machte mir keinen Spass, denn das hat er. Als einzige Frau im Betrieb (Sekretärin in einer grossen Tischlerei) wurde ich von meinen männlichen Kollegen wirklich prima behandelt. Doch zu guter Letzt wurde es immer stressiger; ich merkte, dass es Zeit war, aufzuhören.

Ein Rosenstrauß
Im Übrigen hatte und habe ich viele Hobbys, die ebenfalls meinen ganzen Einsatz verlangten. Zur damaligen Zeit leitete ich einen grossen Frauenchor, machte noch nebenbei die Buchführung für den kleinen Betrieb meines Mannes, gab in Münster Internetunterricht für Senioren (Schnupperkurs), also ein recht aktives Freizeitleben.
Die erste Zeit im Vorruhestand war für mich wie "Weihnachten". Ausruhen, lange schlafen, alles das tun, wozu ich vorher nie viel Zeit hatte. Ja und dann, es war 2002, bekam ich einen Telefonanruf von einer mir völlig fremden Dame, die mich fragte, ob ich nicht einen weiteren Chor übernehmen wolle, und zwar in Hamm. Sie erzählte mir, dass ihr momentaner Chorleiter aus beruflichen Gründen den Chor nicht mehr leiten könne. Ich sagte ihr, dass ich nun aber schon 62 Jahre bin. Und sie antwortete: "Das ist doch kein Alter, kommen Sie einfach mal zum Probedirigieren und dann sehen wir weiter". So hatte ich also auf einmal 2 Chöre, montags und dienstags jeweils Probe, dazu die Konzerte, die ja jeder Chor mindestens 2 x im Jahr bestreiten möchte.
Damit aber nicht genug: Bei einem offenen Singen mit vielen Chören sprach mich dann ein Sänger an, ob ich nicht einen Männerchor übernehmen wolle, ihr Dirigent wäre krank. Dieses verlockende Angebot musste ich ablehnen, es wäre zuviel geworden. Stattdessen aber springe ich ein, wenn irgendwo ein Chorleiter mal nicht kann, aus welchen Gründen auch immer.

Seit ich also im Ruhestand bin, ist mein Leben dermaßen bunt und aktionsreich geworden, dass ich schon manchmal meine, es wird zuviel. Mein Mann, der mittlerweile 68 Jahre alt ist, wundert sich nur noch, dass ich ab nachmittags 16.00 Uhr laufend unterwegs bin und erst abends gegen 22.30 Uhr wieder heimkomme. Ich habe das Gefühl er schaut ein wenig neidvoll auf meine vielen Aktivitäten, geht aber gerne mit, wenn ich mal wieder ein Konzert gebe. Zu guter Letzt bin ich dann auch noch unter die Kompisiteure gegangen und habe eigens für das nächste Konzert zwei Lieder komponiert, die ich mit einem grossen Frauenchor erstmalig aufführen werde. Es ist ein Benefizkonzert zugunsten der Flutopfer in Südostasien, und ich bin mächtig stolz, dass diese Komposition schon im Vorhinein soviel Anerkennung gefunden hat.
So sause ich also ständig im Kreis Unna herum, entwerfe selbst die Plakate und Programme für die Konzerte und einmal im Monat fahre ich nach Münster, um den Internetunterricht zu geben. Übrigens habe ich diese Tätigkeit, wenn man es genau nimmt FEIERABEND zu verdanken.

Denn vor einigen Jahren fand in einem Computerzentrum in Münster ein Treffen statt und nach diesem Treffen fragte mich die Leiterin dieses Zentrums, es nennt sich BÜNE (Bürgernetz), ob ich nicht Lust hätte, Schnupperkurse für Senioren zu geben, also ihnen die ersten Schritte im Internet zu erklären. Ja, ich weiss auch nicht, warum mich so viele Menschen fragen, ob ich nicht Lust hätte irgendetwas zu übernehmen. Tatsache ist, dass ich dieses aktive Leben sehr geniesse, morgens in aller Ruhe mit meinem Mann frühstücken, wenn ich nicht gerade mal wieder Orgelvertretung in der Kirche machen muss, ein wenig im Haus herumwischen, und nachmittags leben, einfach leben.

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