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29.08.2007 Besuch bei der Illig´schen Papierfabrik

Zwischen 1690 und 1695, veranlasste Landgraf Ernst Ludwig den Aufbau einer Papiermühle, um die Wasserkraft der Modau wirtschaftlich zu nutzen. Gebaut wurde außerhalb des Ortes Nieder-Ramstadt. Als handwerklicher Betrieb begonnen sollte der Betrieb die Versorgung mit Schreibpapier für die landgräfliche Verwaltung sichern. Heute weiß man, dass hier der Grundstein gelegt wurde, für den ältesten Industriebetrieb im Darmstädter Raum. 1719 kaufte Johannes Illig die Mühle, die bis 1867 in Familienbesitz blieb. In dieser Zeit verwandelten die Illigs den Handwerksbetrieb, wo das Papier nach alter Art aus Bütten geschöpft wurde in einen Industriebetrieb. Ein wichtiger Schritt dabei war die Erfindung der Harzleimung am Papier durch Herrn Illig. Dabei sorgt eine Papierleimung dafür die Saugfähigkeit von Papier zu verhindern. Dies wurde damals mit Baumharz erreicht.
Als Nachfolgebesitzer trat die Familie Cordier auf, wo man bis zum Jahre 2006 in Deutschland insgesamt vier Papierfabriken und ein Rohstoffwerk betrieb. Infolge finanzieller Schwierigkeiten befindet sich die Gruppe inzwischen im Besitz einer deutsch-/amerikanischen Investorengruppe.

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Die Firma gab uns Gelegenheit zu einer Besichtigung, wobei Herr Päplow, als Leiter der Arbeitsvorbereitung, Logistik und Produktionsplanung der geeignete Fachmann war unsere Gruppe zu führen und umfangreiche Erläuterungen zu geben.

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Im Mühltal bei Darmstadt befasst sich die Illig´sche Papierfabrik mit der Herstellung von Vulkanfiberbasispapier für Schleifscheiben, mit lichtdichten, fotochemisch inerten Fotoschutzpapieren und Zwischenlagerpapiere für Filme, mit schwarzen Kaschierpapieren, Beklebe-Streichrohpapiere und schwarzen Kartons. Aber auch hochleitfähige Papiere, z.B. für Leiterplatten und für Echolot-Diagrammrollen, dunkle und intensivfarbige Papiere, Versandtaschenpapiere und Einschlagpapiere, temperaturbeständige und gut bedruckbare Schleifscheiben-Etikettenpapiere, Marmorpapier, Aktenordnerbezugspapiere und farbige Papiere werden je nach Kundenwunsch und –anforderung produziert.

Im Zuge einer Papierherstellung gibt es grundsätzlich zwei Wege: der Weg des Wassers und der Weg des Papiers. Beide schließen sich gegeneinander aus. Das benötigte Wasser wird größtenteils in einem Kreislauf wieder gewonnen. Fehlendes Wasser entnimmt man der Modau und gibt es nach der Reinigung in einer modernen biologischen Kläranlage der Modau zurück – und dies sauberer, als man es entnommen hatte. Die bei der Reinigung anfallenden Feststoffe (Faserstoffe) werden an Kompostierereien und an Ziegeleien abgegeben.

Auf dem Rohstoffhof lagern Rohmaterialien, wie beispielsweise Hadernhalbstoff (Baumwollfasern) und Altpapier und gebleichte und ungebleichte Materialien aus Lang- und Kurzfaserzellstoffen. Dabei liefert die Kiefer ( Nadelhölzer) beispielsweise Langfaserrohstoff, Buche, Pappeln und Erle ( Laubhölzer) dagegen Kurzfaserrohstoff. Wir sahen Rohstoffballen aus USA und hörten, dass auch Material aus Russland zu gekauft wird.

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Dabei werden die Materialfasern vor der Verarbeitung zerrissen, gebleicht, und auf verschiedene Parameter, wie beispielsweise die Reißfestigkeit geprüft. Denn eines ist klar: hochwertige technische Papiere benötigen Rohmaterialien in ausgezeichneter Qualität.

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Hadernhalbstoff wird nur für die Herstellung von Vulkanfiber-Basispapieren verwendet.

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Die Vulkanfiber-Basispapiere werden zu 8 Lagen geschnitten, unter Beigabe von Zinkchlorid miteinander verpresst und bilden die Grundlage für die Tragkörper von Industrieschleifscheiben.


Nun werden die Rohstofffasern und das Wasser zusammen gemischt und anschließend gereinigt, d.h. über Drucksortierer ,die mit feinen Schlitzen ausgestattet sind, um Schmutzpartikel zu entfernen. Ein "Deinken", also ein Farbentziehen ist hier nicht möglich, weswegen nur reiner, weißer Rohstoff eingesetzt werden kann. Soll das Papier eingefärbt ( schwarz oder bunt) werden, so geschieht dies im "Pulper" , hier werden alle Bestandteile vermischt , um die Eigenschaften die das spätere Papier haben soll, zu erreichen.

Zur Herstellung der verschiedenen Papiere setzt man eine Langsiebpapiermaschine mit der max. Nutzbreite von 220 cm ein. Der Papierbrei, also das Rohstoff-Wassergemisch wird nun mit einer Breitschlitzdüse auf das umlaufende Langsieb aufgebracht. Ein Teil des überschüssigen Wassers wird schon hier dem Papierbrei entzogen. Das Wasser läuft durch das Sieb ab und wird dem Wasserkreislauf wieder zugeführt. Noch immer besteht das Papierfließ zu ca. 80 % aus Wasser. Dennoch hat es bereits eine solche Festigkeit, dass die Bahn zwischen Walzen mechanisch gepresst und danach beim Umlaufen um riesige, zwischen 110 und 200°C beheizten Zylindern getrocknet wird. Leitet man die Bahn über einen Glättzylinder, so wird die Materialoberfläche geglättet. In der Leimpresse können Farben und Chemikalien auf das Papier aufgebracht werden. Ein Scanner tastet nun die Bahn ab und untersucht die erreichten Parameter. Er meldet die Daten an den Rechner im Leitstand, von wo aus eingegriffen wird, falls die Daten abweichen. Am Ende wird die Bahn aufgewickelt und automatisch gewechselt, d.h. wenn es keine Stopper gibt, wie beispielsweise Bahnriss, dann arbeitet man rund um die Uhr kontinuierlich.

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Die Maschine ist sehr flexibel einsetzbar, dafür aber nicht so schnell, wie große Papiermaschinen für die Herstellung von Zeitungsrohpapieren.

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Die von der Papiermaschine entnommene bis 220 cm breite Bahn wird nun nach Kundenanforderung auf einem Umroller auf kleinere Breiten und auf definierten Lägen geschnitten und aufgerollt,

oder auf einem Querschneider zu Planobogen geschnitten und im Stapel abgelegt. Auf Wunsch können die Bahnen, oder Bögen auf einem Prägekalander geprägt,


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auf einem Satinierkalander zur Erzielung eines erhöhten beiderseitigen Glanzes weiter verdichtet,

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oder auf einem Planschneider 1/10 mm genau geschnitten werden.

Auf diese Weise stellt man hier hochwertige Qualitäts-Papiere zwischen 50 und 200 g/m² in höherem Preissegment her und ist so zwar nicht ohne Konkurrenz, aber ausgelastet rund um die Uhr für die Kunden im Einsatz.

Noch ein Gruppenfoto,

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doch wer ist nicht auf diesem Bild? Natürlich Arnulf, von dem alle Bilder in dem Bericht stammen –und wir stärkten uns danach in einem Cafe in Trautheim.

Zum Abschluss aber bedanken wir uns noch einmal bei Herrn Päplow und bei seiner Firma, für diese interessante Veranstaltung.


Bericht: Richard (rikue)
Bilder: Arnulf

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