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05.09.2007 Besuch im Prinz-Georgs-Garten in Darmstadt


Unweit des Darmstädter Residenzschlosses befindet sich der Herrngarten, den die Landgrafen und Großherzöge von Hessen-Darmstadt im 18. Jahrhundert anlegen ließen.
Um abseits des offiziellen Zeremoniells einen hochgeschätzten Mittelpunkt für sich und die vornehme Hofgesellschaft zu schaffen, ließ man seitlich vom Herrngarten den Prinz-Georgs-Garten ganz im Stiel des Rokoko anlegen. Unsere Eltern erlebten z.T. noch, dass diese Gärten für die Öffentlichkeit geschlossen waren. Das ist aber längst vorbei und so nutzten wir die Gelegenheit den Prinz-Georgs-Garten zu besuchen, wo uns der Gartenmeister Herrn Jagenteufl mit einer excelenten Führung zu begeistern wusste.

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Den Prinz-Georgs-Garten gibt es in seiner heutigen Größe mit 1,6 ha Fläche und seiner Form seit 1720/30. Er stellt den Versuch eines Pendant zum Park von Versailles dar. Wie in Klostergärten wurden schon immer Zier- und Nutzpflanzen angepflanzt, was für so einen Garten ziemlich einmalig ist.

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Dabei besteht der Garten eigentlich aus zwei Gärten, weil der ursprüngliche Prettlack´sche Garten mit einbezogen wurde.

Über Jahrzehnte und Jahrhunderte hinweg verändert sich eine solche Anlage aber gewaltig.
Es werden andere Sträucher und Bäume gepflanzt und auch Bausubstanz wird verändert.
Als Herrn Jagenteufl die Leitung dieses Gartens übertragen wurde machte er sich daran anhand alter Gemälde heraus zu finden, was ursprünglich als Garten- und Bausubstanz vorhanden gewesen sein musste.

So gibt es im Rokoko immer eine Achse und einen Bezugspunkt, sowie Symmetrie und alles ist akkurat. Nur so kommt die Geometrie zur Geltung. Hier aber gibt es gleich 2 Hauptachsen, denn es waren ja mal zwei Gärten. Dabei steht das Prettlack´sche Gartenhaus am Ende der einen Achse, die am Anfang von einem prächtigen Eingangstor beginnt.

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Das Haus misst 3,4 mal 48 m und steht mit 82° nicht rechtwinklig zum Garten. Um dies zu kaschieren hatte der Baumeister einst die Treppe davor rechtwinklig zum Garten angeordnet, so dass das Haus doch rechtwinklig zum Garten gebaut erscheint. Eine Treppe führt hinauf. Herr Jagenteufl fand heraus, dass eine Stufe fehlt, gegenüber der Darstellung in einem historischen Gemälde. Er ließ graben und fand die Stufe. Durch das Absenken des Gartenniveaus wurde hier der ursprüngliche Zustand erreicht.


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In diesem Haus befindet sich eine Lesestube, wo man Bücher lesen, entleihen und auch bleibend mitnehmen kann, allerdings mit der moralischen Verpflichtung ein anderes Buch dafür zurück zu bringen.

Die zweite Hauptachse befindet sich im Prinz-Georgs-Garten mit Blick auf das Prinz-Georg-Palais mit der Großherzoglich-Hessischen Porzellansammlung.

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Eine andere Achse verläuft vom Teehaus zum Heckentheater. Dabei war das Teehaus durch Wasserschaden baufällig und musste komplett restauriert werden. Heute erscheint es im neuen Glanz.

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Im Heckentheater aus den Jahren 1720 bis 1850 wird heute wieder gespielt. Dabei stehen die Akteure zwischen Bäumen und treten hervor, wenn ihre Rolle es verlangt.

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Auf ungefähr 200 Sitzplätzen können Besucher Platz nehmen, um den Darbietungen zu folgen. Aber auch Aufführungen, bei denen die Akteure den Park durchwandern finden statt, wobei die Kulisse ständig wechselt. Und schließlich lassen sich hier Feste feiern, wie Hochzeiten, Firmenempfänge u.a., wobei das Teehaus den Mittelpunkt bilden kann.Herr Jagenteufl ist unermüdlich im Bestreben den Garten in seiner ursprünglichen Form zu erhalten. So wurde eine Bausünde in Form einer Randerhöhung am italienischen Brunnen beseitigt, so dass der Sandstein-Brunnenrand nur noch leicht über den Wasserspiegel hinaus ragt. Das Wasser speit in grüner Farbe. Das kommt vom vermoosen. Doch wer hat schon einen grünen Springbrunnen?

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Die Bäumchen werden immer so geschnitten, dass sie sich harmonische unter den dahinter sichtbaren Linien aus Pflanzen und Bauwerk präsentieren können.Über dies ist hier viel Handarbeit an Bäumen, Hecken, Pflanzen und beim Unkrautjäten erforderlich.


Und doch wird mit klugen Ideen versucht Arbeitszeit zu sparen. So gibt es keine Papierkörbe. Vielmehr setzt man darauf, dass sich die Besucher selbst kontrollieren und Abfall, wie Verpackungsmaterial u.a. wieder mit nach Hause nehmen. Was man kaum glaubt: Es klappt! Wir sahen keinen Abfall herum liegen.


Eine andere Einsparung wurde so erreicht: in einem Jahr wurden 1248 Stunden mit Gießarbeit verbracht und 35.000 DM Wasserkosten „verbraten“. Herr Jagenteufl holte drei Angebote für Gießautomatik ein: von 160.000 bis 17.000 DM lagen die Angebote.Die 17.000 DM kosteten die Teile von Gardena. Man installierte selbst und bohrte 3 Brunnen. Die Wasserkosten belaufen sich heute auf ca. 40 € im Jahr und das An- und Abstellen der Gießautomatik geht nebenbei von statten.

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Für die Buxrabatten kaufte man einige Meter und vermehrte sie im Gewächshaus selbst.

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Das alles spart enorm – und was wohl? Steuergeld.

Wir lernten Herrn Jagenteufl kennen, als innovativen hochmotivierten und exzellenten Fachmann, dem wir weiterhin eine glücklichen Hand wünschen seine Ideen zu verwirklichen. Ihm gilt noch einmal unser Dank.

Wie immer, so kehrten wir danach zur Mittagszeit ein, um uns zu stärken.

Danach, um 14:00 Uhr, öffnete die im Prinz-Georgs-Garten gelegene Großherzoglich-Hessischen Porzellansammlung ihre Pforten und wir besuchten diese umfangreiche Sammlung.

Hierüber will ich aber nicht berichten, denn alleine schon das Fotografieren ist nicht erlaubt und davon leben ja unsere Berichte.


Bericht: Richard (rikue)

Bilder: Onkel Walter und rikue

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