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22.09.2009 Ein Besuch im Paul-Ehrlich-Institut, Langen

Das Paul-Ehrlich-Institut in Langen kommt uns immer wieder ins Bewusstsein, wenn es um Sera und Impfstoffe geht. Dies geschah erst kürzlich, als die Schweinegrippe begann von sich reden zu machten. Dabei ist dieses deutsche Bundesamt zu Ehren Ehrlichs mit seinem Namen benannt, denn er gilt als Begründer der Chemotherapie, entwickelte eine medikamentöse Behandlung gegen Syphilis und beteiligte sich an der Entwicklung des Serums gegen Diphtherie. Gemeinsam mit Ilja Iljitsch Metschnikow erhielt er 1908 den Nobelpreis für Medizin für die Begründung der Immunologie.

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Eine Abbildung des Paul Ehrlich an seinem Original Schreibtisch und Bürostuhl, umgeben von seiner sprichwörtlichen geordneten Unordnung. Damit diese nicht durcheinander geriet sagte er den Putzfrauen, er hätte zwischen den Blättern Gift gestreut.

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Das Institut gab uns Gelegenheit zu einem Besuch, wobei uns die studierte Biologin Frau Brigitte Morgenroth umfassend informierte und auch so manche Frage zu beantworten wusste. Zuerst schilderte sie den Aufbau und die Organisation des Instituts und dessen An- und Einbindung in andere Institute unseres Landes, aber auch an europäische Institute und das alles für die Gesundheit von Mensch und Tier.


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Zum 100. Geburtstag von Paul Ehrlich brachte die Deutsche Post 1954 eine Briefmarke heraus, auf der neben ihm auch Emil von Behring abgebildet war.

Paul Ehrlich wurde 1854 in Strehlen, Oberschlesien geboren. Er studierte in Breslau, Straßburg, Freiburg und Leipzig Medizin und Anatomie und wie in damaliger Zeit üblich noch so manches Randthema. Das Zusammentreffen mit führenden Wissenschaftlern jener Zeit schaffte Kontakte und erweiterte sein Wissen und so bezeichnete er beispielsweise einen Vortrag von Robert Koch 1882 am Kaiserlichen Gesundheitsamt in Berlin als sein größtes wissenschaftliche Erlebnis.

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Schon als Schüler interessierte sich Ehrlich für das Färben mikroskopischer Gewebepräparate. Später entdeckte er im Protoplasma mancher Blutzellen eine Körnelung, die er mit Hilfe basischer Farbstoffe darstellen konnte. Aber auch andere Gruppen weißer Blutkörperchen wiesen verschiedene Granula auf, worauf Ehrlich sie zu unterscheiden wusste, weil sich einige mit basischen und andere mit sauren Farbstoffen anfärben ließen. Er promovierte in Leipzig und wurde bald danach an die Berliner Charité als Assistenzarzt, später als Oberarzt berufen. Hier arbeitete er mit Robert Koch zusammen.

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Produkte zur Entwicklung von Salvarsan
Ehrlich wurde außerordentlicher Professor und Privatdozent an der Berliner Universität, verließ die Charité und setzte eine steile Karriere fort, zum Teil mit Unterstützung von ebenfalls in der Medizin erfolgreichen Verwandten und Familienmitgliedern, aber auch durch Berufung aufgrund seiner bisherigen Erfolge. Er forschte gegen den Krebs und sehr erfolgreich gegen Syphilis, wozu er und einer seiner Mitarbeiter in Salvarsan das geeignete Medikament fand. Ehrlich starb 1915 nach schwerer Krankheit.

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Das Institut wurde 1896 für Serumforschung und Serumprüfung in Steglitz bei Berlin als Prüfungs- und Forschungsstätte gegründet. Sein erster Direktor war Paul Ehrlich, zu dessen Ehren das heutige Institut seinen Namen trägt. Ehrlich hatte den Auftrag, die Grundprinzipien staatlicher Arzneimittelkontrolle zu entwickeln und umzusetzen, um die bis dahin stark schwankende Qualität und Wirksamkeit des neuen Diphtherieheilserums Emil von Behrings zu stabilisieren.

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Laborgeräte aus damaliger Zeit
Noch heute gehen die Grundlagen des Instituts in Bezug auf die Überprüfung der Wirksamkeit, der Qualität und Unbedenklichkeit der Kriterien auf die Arbeit von Paul Ehrlich und dessen Mitarbeitern zurück. Er entwickelte das Standardmaß für die Wertbemessung von Serumpräparaten, was in der Begründung des Nobelpreiskomitees zum Nobelpreis für Medizin besonders hervorgehoben wurde.

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Zuvor hessische Landesbehörde ist das Institut seit 1972 eine Einrichtung der Bundesrepublik Deutschland und gehört zum Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit. Zuständig für die Sera und Impfstoffe deckt das Institut die verschiedensten im deutschen und europäischen Arzneimittelrecht festgelegten Aufgaben primär ab. Als Beispiele gelten hier die Genehmigung klinischer Prüfungen und die Zulassung bestimmter Arzneimittelgruppen. Von Anfang an konzentriert sich das Institut auf biomedizinische Arzneimittel: Impfstoffe für Mensch und Tier, Antikörper enthaltende Arzneimittel, Allergene für Therapie und Diagnostik, Blut und Blutprodukte und seit jüngster Zeit Gewebe sowie Arzneimittel für Gentherapie, somatische Zelltherapie und xenogene Zelltherapie, also für Verfahren forschungsnaher biomedizinischer Behandlung.

Die genehmigungs- und zulassungsbezogenen Aktivitäten, aber auch die Erfassung und Bewertung von unerwünschten Wirkungen haben zum Ziel, Arzneimittel mit positivem Nutzen-Risiko-Verhältnis der Bevölkerung zugänglich zu machen. Einen wesentlichen Beitrag zur Sicherheit biomedizinischer Arzneimittel liefert die vom Hersteller unabhängige staatliche experimentelle Chargenprüfung am Paul-Ehrlich-Institut. Eine gleichartige Aufgabe erfüllt das Prüflabor für In-vitro-Diagnostika beim Paul-Ehrlich-Institut vor allem für solche Diagnostika, die zur Sicherheit von Blut und Blutprodukten eingesetzt werden.

Unverzichtbare Basis für die Erfüllung dieser Aufgaben ist die eigene experimentelle Forschung auf dem Gebiet der Lebenswissenschaften. Nach dem Urteil des Wissenschaftsrates im Jahre 2000 trägt sie entscheidend zur Kompetenz des Paul-Ehrlich-Instituts bei. Sie ist auch Voraussetzung dafür, dass Beratungsfunktionen im nationalen (Bundesregierung, Länder) und internationalen Umfeld (Weltgesundheitsorganisation, Europäische Arzneimittelbehörde, Europäische Kommission, Europarat und andere) verantwortlich und fachkundig durchgeführt werden können.

Umgekehrt aber sind alle Ärzte verpflichtet dem Institut mitzuteilen, wenn es mit zugelassenen Arzneimitteln zu unerwarteten Reaktionen kommt. Hiermit sollte gewährleistet sein, dass sich Medizinskandale nicht mehr wiederholen.
Dabei ist immer wieder auf Paul Ehrlichs Kenntnis zurück zugreifen: Man nennt es die Seitenkettentheorie. Er erkannte, dass der Körper, immer wenn er eine Krankheit hatte, sich gegen diese wehren kann, indem er Antikörper bildet. Im Bild sind diese in Zusammenhang mit Schlangengift dargestellt. Die Antikörper haben Andockstellen, an die docken die schwarz gezeichneten Tetanustoxsine (das Gift) an und werden dabei unschädlich gemacht. Jeder Antikörper reagiert darauf, indem er weitere Andockstellen erzeugt und dies so lang, bis alle Gifte eliminiert sind.

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Ebenfalls aus Ehrlichs Zeit stammen diese sogenannten Standardpräparate zur Eichung, vergleichbar mit dem Urmeter, um die Qualitätskontrolle erfolgreich durchführen zu können.

Über 700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten im Paul-Ehrlich-Institut, das selbst wiederum national und international mit anderen Instituten eng zusammen arbeitet. 1987 begann der Umzug in das heutige Domizil nach Langen/Hessen, wo im Mai 1990 die Einweihung gefeiert wurde. Man arbeitet gemäß dem Motto Paul Ehrlichs: „Keine Schätzungen, exakte Messungen, Tatsachen haben bei mir immer gestimmt.“
Man hält im Institut aber auch Tiere, wie Schweine, Affen. Meerschweinchen und Mäuse, die von Tierpflegern betreut werden.

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Viele klugen Köpfe sind und waren im Institut und so zeigt dieses Bild 2 kluge Köpfe, nämlich Arnulf und Emil von Behring ganz nah beieinander.

Wir verbrachten einen angenehmen und hochinformativen Vormittag. Noch einmal danken wir Frau Morgenroth, aber auch dem Paul-Ehrlich-Institut dafür, dass uns dieser Besuch ermöglicht wurde.
Nun war Mittagszeit. Darum fuhren wir in den Bayrischen Biergarten nach Darmstadt, um es uns bei schönstem Wetter gut gehen zu lassen.

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Bericht: Rikue
Bilder: 6 x Arnulf; 8 x Rikue

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