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Wir haben je eine Rollen- und eine Bogendruckerei kennen gelernt. Bei unserem neuerlichen Besuch lernten wir, wie bedruckte Bogen zu Büchern gebunden werden. Dabei gibt es mehrere Möglichkeiten des eigentlichen Bindens, doch müssen auch Buchdecken, Einbände und sonstige Einzelheiten hergestellt werden, bevor man ein Buch, oder eine Broschur in Händen halten kann. Empfangen und geführt wurden wir vom Betriebsleiter Herrn Hans-Dieter Quick, der uns als hervorragender Fachmann viel zu berichten wusste.

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Viele Planobogen warten auf die Weiterverarbeitung.
Besonderen Wert legt man bei Firma Schaumann auf Zuverlässigkeit und Qualität und hat es damit geschafft innerhalb von vier Jahren die Mitarbeiterzahl von 35 auf 65 Personen zu steigern. Alleine das ist schon eine Leistung. Hinzu aber kommt, dass jährlich 3 Auszubildende eingestellt und nach Abschluss auch übernommen werden. Man arbeitet in zwei und wenn notwendig auch in drei Schichten, denn die Fertigungszeiten sind kurz: von der Anlieferung der Planobogen – auch Rohbogen genannt -, bis zur Auslieferung der gebundenen Bücher dürfen max. 5 Tage vergehen. Noch kürzere Lieferzeiten haben dabei die aus den Geschäftsberichtsbereichen bekannten Bilanzen, damit die Teilnehmer von Hauptversammlungen noch rechtzeitig mit Informationen versorgt werden können. Dabei werden zur Anfertigung von beispielsweise festgebundenen Büchern immerhin cirka 18 Arbeitsgänge erforderlich. Hierfür aber sind eine Vielzahl von Maschinen erforderlich.

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Gefertigt werden fadengeheftete und klebegebundene Produkte, wie Festeinbände und Broschuren. Festeinbände sind die Produkte, die wir landläufig als „gebundene Bücher“ bezeichnen. Broschuren sind Bücher mit einem flexiblen, bedruckten Kartoneinband, der fest mit dem Innenteil des Buches, dem Buchblock, am Rücken verklebt ist. Zu diesen Produkten zählen auch Taschenbücher, die jedoch von der Auflagenhöhe und dem Format den gebundenen Büchern näher stehen.

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Ein Blick in die Unterseite der letzten Tasche einer Taschenfalzmaschine.
Am Anfang stehen immer die bedruckten ungefalzten Rohbogen, die über Falzmaschinen gemäß dem beim Drucken vorgegebenen Ausschießschema im Taschen- und/oder Kreuzbruch gefalzt werden.

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Diese Falzmaschine hat rechts einen Rundstapelanleger, wo die Planobogen Packenweise oben aufgelegt und gefächert werden. Die aufgelegten Bogen werden gewendet und geraten so nach unten. Dort wird der jeweils oberste Bogen angesaugt und dem Falzwerk zugeführt.

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Diese Falzmaschine hat rechts einen Palettenanleger, in den das
Bogenmaterial stapelweise eingefahren wird. Jeweils der oberste Bogen wird dem Falzwerk zugeführt.

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In der Stehendbogenauslage erscheinen die gefalzten Bogen nacheinander im Stapel und können hier von Hand entnommen und auf Paletten abgesetzt werden.

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Hier warten die gefalzten Bogen auf ihre Weiterverarbeitung.

Auf dem Rohbogen erscheinen die Seiten in einer scheinbaren Unordnung. Nach dem Falzen aber sieht man die einzelnen Seiten in ihrer richtigen Reihenfolge. Dabei gibt es Bogen, die mit 2; 4; 8;16 und 32 Seiten bedruckt sind und weil diese Bogen auf den Vorder- und Rückseiten bedruckt sind ergeben sich jeweils die doppele Anzahl an Buchseiten.


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An einem gefalzten Druckbogen erklärt Herr Quick das verwendete Falzschema.

Aber auch einzelne Blätter mit jeweils 2 Buchseiten sind gar nicht so selten. Dabei haben Festeinbände allein schon zwei Doppelblätter, die Vorsatz genannt werden und mit einer Hälfte an der Innenseite des vorderen und hinteren Buchdeckels angeklebt werden. Die anderen Seiten werden dabei in der Nähe des Buchrückens mit der ersten und letzten Seite des Buches verklebt. Hierzu verwendet man Vorsatzklebemaschinen, die in einem Magazin den ersten, oder letzten Druckbogen und im zweiten Magazin den Vorsatzbogen aufnehmen. Über Anlegeeinrichtungen werden diese Seiten der Verleimstation zugeführt und so für die Weiterverarbeitung vorbereitet.

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In jedes Magazin einer Zusammentragmaschine werden die gefalzten Druckbogen von Hand eingesetzt.
Die gefalzten Bogen werden über Zusammentragmaschinen gemäß der Blattfolge zu einem Buchblock gesammelt. Um Fehler, durch falsches Einsetzen der Produkte in die Magazine zu vermeiden sind optisch Kontrollen eingebaut, die an den einzelnen Druckbildern erkennen, ob alles folgerichtig stimmt.

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Bis hier sind die Arbeitsschritte für Festeinbände und Broschuren annähernd gleich.


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Die fadengehefteten Buchblocks kommen stehend aus der Fadenheftmaschine heraus, kippen um und werden weiterbefördert.
Für Festeinbände folgt nun die Fadenheftung der einzelnen gefalzten Bogen aneinander und dies mit bis zu 440 Heftstichen pro Minute. Automatisch werden die fadengehefteten Buchblocks voneinander getrennt. In der Weiterverarbeitung werden die Buchblocks zunächst gerüttelt und aufgestoßen, damit alle Bogenteile lagegenau aneinander liegen.

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Heutige Maschinen sind aus Sicherheits-, oder Lärmschutzgründen mit Schutzeinrichtungen versehen, die nur selten den Blick auf die wirklich interessanten Verarbeitungsschritte erlauben. Deswegen werden hier die Spulen gezeigt, von denen die Fadenheftmaschine die Heftfäden abzieht.

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Dies ist ein Dispersionsleimwerk für die Rückenbeleimung.
Nun folgt das Beleimen der Blockrücken mit Dispersionskleber, Hotmelt, oder PUR und danach das Ablegen der Buchblocks von Hand, oder sie werden über ein Transportband direkt der Weiterverarbeitung zugeführt. Bei Dispersionskleber folgt ein Trocknen außerhalb der Maschine, oder im Durchlauf durch die Maschine mittels geeigneter Heizeinrichtungen. In den nächsten Schritten werden der Kopf- und Fußbeschnitt und anschließend der Vorderschnitt durchgeführt. Es folgen ggf. Buchblockrunden, Buchschnittfärben und Zeichenband einlegen. Erneut wird der Buchrücken vollflächig beleimt und mit einem zugeschnittenen Gazestreifen versehen. Nach erneutem Beleimen erfolgt ein Andrücken der Gaze durch die Leimwalze und danach das Ankleben der Kapitalbänder am oberen und unteren Buchblockrücken.

Mit anderen Arbeitsschritten werden inzwischen die Buchdecken gefertigt und in ein Magazin der Buchfertigungsstraße eingelegt. Mit dem Rücken voraus befördert die Maschine die Buchblocks nun nach oben. Dabei werden beide Seiten (die Rückseiten der Vorsatzblätter) vollflächig eingeleimt.

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Inzwischen ist eine Buchdecke aus dem Magazin gefördert und ausgerichtet worden. Der Buchblock unterfährt nun die Innenseite der Buchdecke. Beide schieben sich zwischen die Walzen einer Andrückstation – und schon ist ein Buch nach dem anderen fertig gestellt. Die Bücher können danach aus Schutzgründen in Folie eingeschweißt werden. Die bei Firma Schaumann vor 1 ½ Jahren neu installierte Buchfertigungsstraße arbeitet mit max. 60 Takten pro Minute und fertigt Bücher bis zu 6 cm Stärke.

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Broschuren entstehen ebenfalls aus dem Zusammengetragenen von gefalzten Bogen. Diese werden in umlaufenden Taschen gepresst. Dabei wird der Rückenfalz abgefräst, so dass sich in den Taschen Blöcke aus gepressten Einzelbogen befinden. Mit bis zu 6.000 Takten pro Stunde arbeitet die Klebebinder genannte Maschinenstraße. Nun wird auf den Blockrücken Hotmelt, oder auch PUR aufgetragen und der flexible Umschlag angelegt, der sofort am Rücken anklebt. Bekannt sind solche Produkte vom Taschenbuch, bis hin zu den Versandhauskatalogen der großen Marken. Vermerkt sein soll allerdings, dass es eine Anzahl erweiterter Broschurausführungen gibt, die hier nicht weiter behandelt sind.

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Stehend lassen sich Buchdecken am besten stapeln.
Buchdecken für Festeinbände bestehen im Allgemeinen aus dem Überzugsmaterial, zwei Kartonseiten und einen Kartonstreifen, der den Rücken verstärken soll.

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Der Kartonstreifen für den Rücken einer Buchdecke wird von der Rolle entnommen.
Das Überzugsmaterial, auch Umschlag genannt, kann bedruckt, lackiert, kaschiert, geprägt, oder anderweitig veredelt sein. Mit einer einfachen Eckenstanze werden die 4 Ecken abgeschnitten, damit diese beim Umlegen um die Kartonseiten nicht überlappen. Die Buchdeckenmaschine führt den Umschlag zur Station, wo die 2 Kartons und der von der Rolle angelieferte Kartonstreifen auf die gemeinsame Vereinigung warten. Durch Verklebung entsteht die feste Verbindung. Nun werden die Überstände des Umschlags um die Kanten der 2 Kartons gefaltet und dort festgeklebt. An diesen Kartons werden bei der Buchfertigung schließlich die beiden Vorsatzseiten angeklebt.

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Als Klebstoffe stehen Dispersionskleber, Hotmelt und Pur-Klebstoff zur Verfügung. Dispersionskleber ist mit Wasser durchnässt. Nach dem Auftragen muss er trocknen, was in aller Regel mit Wärme oder mit Hochfrequenz erreicht wird. Bekannt ist uns solcher Klebstoff z.B. vom Holzleim, mit dem der eine, oder andere schon gebastelt hat. Hotmelt, auch Heißleim genannt ist uns ebenfalls vom Heimwerken bekannt. Die Zeit solange dieser Leim zuverlässig klebt nennt man offene Zeit. Für die buchbinderische Verarbeitung kennt man offene Zeiten von 2 bis hin zu 12 und 14 Sekunden. Hotmelt für Heimwerker dagegen hat eine längere offene Zeit. Pur-Klebstoff aus Polyurethan ist u.a. aus der Schuhproduktion bekannt. Der Kleber reagiert mit der Luft und klebt besser, als Hotmelt.

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Auf dieser Palette lagerten die neuen Programmhefte für das Staatstheater. Verständlich, dass unser Opernsänger hier besonderes Interesse zeigte.


Wie bei jeder Produktion, so gibt es auch in Buchbindereien Ausschuss aus Einrichtvorgängen, oder auch durch Fehler. Hierfür wird für jedes Produkt ein gewisser Prozentsatz mehr Druckbogen angeliefert. Werden diese nicht benötigt, oder werden mehr Bücher produziert, die der Kunde aber nicht abnehmen will, dann werden die Druckbogen, oder auch die Bücher von einem certifizierten Entsorger vernichtet. Firma Schaumann ist Dienstleister und somit nicht ermächtigt aus überzähligen Produkten Gewinn zu erwirtschaften. Genauso streng aber sind die internen Gepflogenheiten, damit kein Produkt über private Kanäle entweicht.

Diesen Besuch empfanden alle unsere Teilnehmer als absolut informativ, denn kaum jemand hatte sich je Gedanken gemacht, wie ein Buch, oder eine Broschur überhaupt entsteht. Deswegen bedanken wir uns bei der Geschäftsleitung der Firma Schaumann dafür, dass wir so tief Einblick nehmen durften. Unser besonderer Dank aber gilt Herrn Quick, dem keine unserer Fragen zu viel wurden.

Bericht: Richard (rikue)
Bilder:
1 x Werksbild Fa. Schaumann
10 x Walter
10 x Richard
2 x Peter Sch.

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