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27.07.2010 Wir besuchten Dreieichenhain
Dreieichenhain, ein Stadtteil von Dreieich, liegt südlich von Frankfurt im Landkreis Offenbach an der Deutschen Fachwerkstraße. Durch die Gebietsreform 1977 wurden fünf Gemeinden zur Stadt Dreieich zusammengefasst und zwar Offenthal, Götzenhain, Sprendlingen, Buchschlag und eben Dreieichenhain. Allen fünf Stadtteilen ist gemeinsam, dass sie sowohl am Hengstbach, als auch an der Strecke der Rhein-Neckar-Bahn liegen.
Dreieichenhain besitzt u.a. drei sehenswerte Kulturgüter ersten Ranges, nämlich die Turmhügelburg, die weiträumige Burganlage und die Historische Altstadt. Diesen Stadtteil sowie die Burganlage haben wir besucht und bei einer Burg- und Stadtführung einiges von der Zeit des Frankenkaisers Karl dem Großen, bis in die Neuzeit kennen gelernt. Hierunter fiel der Besuch des Dreieich-Museums, der Burganlage Burg im Hayn mit ihrer historischen Dimension, Runder Turm und Gartenanlage sowie ein Bummel durch die Altstadt.
Geführt wurden wir von Herrn Peter Hörr, in dessen Namen die Buchstaben PET aus dem Namen PETRUS enthalten sind. Und dieser meinte es gut mit uns, denn in einer Woche mit viel Regen kamen wir an diesem Tag ohne Schirme aus!
Danach fängt die Geschichte der Hainer, der Dreieichenhainer, mit einer Sage an: Demnach soll Karl der Große mit seiner Gemahlin Fastrada um 850 hier auf der Jagd gewesen sein. Zur Unterkunft diente damals aber nur eine Jagdhütte. Die Herren von Hagen-Münzenberg errichteten um 1180 die Burg Hayn als wehrhafte Reichsburg. Bis ins 16. Jh. wurde diese Anlage immer wieder um- und ausgebaut. Gleichzeitig entstand eine Siedlung mit den ersten Fachwerkhäusern. Umgeben von kleinen Gräben und einer 1.000 Meter langen Stadtmauer erhielt die Siedlung 1256 Stadtrechte. In den Gräben floss Wasser, so dass der ganze Ort neben der Stadtmauer, auch durch das Wasser geschützt war. Das Leben der Bewohner spielte sich bis 1858 innerhalb der Stadtmauer ab. Bis zu 6 Bewohner lebten jeweils in einem der 178 Häuser, die aber auch bei starker Kälte dem Vieh Unterschlupf boten.
Der Turm der Ruine war ursprünglich fünfgeschossig und quadratisch. Durch mehrere Bauabschnitte wurden Turm und Burg erweitert, denn die Waldgebiete von Bad Vilbel bis zur Neunkircher Höhe und von Rüsselsheim, bis Aschaffenburg dienten den deutschen Königen und dem Kaiser als Jagdgebiet und wurden von der Burg aus verwaltet. Zuständig war der Burgvogt mit seinen 36 Förstern, die ständig dafür zu sorgen hatten, dass genügend jagdbares Wild vorhanden war. Wie oftmals unter Verwandten, so entbrannte auch damals ein Streit über Besitzrechte. Die Rechtsprechung sollte das Reichskammergericht in Wetzlar vornehmen, doch wie auch heute oft, war dieses Gericht zu langsam. Der Turm zerfiel früher und diente ab 1800 als Steinbruch für die in Neu-Isenburg angesiedelten Hugenotten. Doch hatten auch die Einheimischen so manchen Stall mit den Steinen vom Turm errichtet.
Die Burgruine stellt noch heute den gesellschaftlichen und kulturellen Mittelpunkt von Dreieich dar. Auf einer Freilichtbühne werden im Sommer die Burgfestspiele Dreieichenhain veranstaltet. Dazu gibt es im neueren Teil der Burg einen früheren Tonnengewölbe-Vorratskeller, der für Feiern und Veranstaltungen ausgebaut ist. Dahinter liegt zudem der Gotische Keller, der ebenfalls für Feiern genutzt werden kann.
Die Burgkirche war ursprünglich abgebrannt, weil ein Bäckermeister mit einem Stövchen seine Füße wärmen wollte. Danach stand sie für 50 Jahre als Ruine und wurde 1718 erneut aufgebaut. Die Kirche verfügt seit 1789 über eine Stummorgel aus Kastellaun im Hunsrück.
Ursprünglich konnte man nur durch das Obertor hinter die Stadtmauer gelangen. Das Fachwerk am Tor war im Mittelalter noch nicht vorhanden. Auch zogen inzwischen Glocken ein, die zum Anfang des Kirchenbesuchs läuten.
Schließlich gab es auch noch eine Mittelpforte, von der heute nur noch eine Tafel zeugt.
Der Stadtteil hat noch ein Juwel, einen Weiher, der viel Erholungswert ausstrahlt.
Am Weiher vergnügen sich „Einwanderer“, nämlich Nilgänse, die inzwischen die Turmfalken vertrieben haben.
Die gesamte Altstadt steht unter Denkmalschutz und passt sich dennoch harmonisch der Gegenwart an. Die historischen Fachwerkbauten werden dem mitteldeutschen oder fränkischen Fachwerk zugeordnet. Der fränkische Begriff für Flur ist „Ern“. Hiervon abgeleitet ist der Name des Ernhauses, einen Wohn-/Stallhaus, bei dem der Eingang an der Längsseite liegt und direkt in den Flur und Herdraum führt. Das Haus ist in drei Zonen aufgeteilt: in Wohnstube mit Kachelofen, in Flur und Küche mit einem Herd zum Kochen und mit einem Wirtschaftsraum und einem Stall – alles unter einem Dach. Nun könnte man meinen, das war nur damals so. Noch 1958 wollte das hess. Landwirtschaftsministerium in Darmstadt-Neukranichstein eine Siedlung mit solchen Häusern bauen. Alleine der Protest einzelner Bauherren gegen Schweine unter gleichem Dach ließ die Herrn in Wiesbaden davon Abstand nehmen.
Das größte Fachwerkhaus beinhaltet das Gasthaus „Zur alten Burg“, das vor 1800 „Zum Wilden Mann“ hieß. Hier waren u.a. früher auch die einzelnen Zünfte untergebracht. Der Vorratskeller reicht bis zur Mitte der Straße.
Im 16. Jahrhundert wurde der „Trierischer Hof“ neu aufgebaut. Er stützt sich mit der rückwärtigen Hauswand auf der Stadtmauer ab.
Das Erk Haus von 1610, benannt nach dem Volksliedsammler Ludwig Erk, der einige Jahre hier wohnte. Es ist das älteste Fachwerkhaus in Dreieichenhain. Sein Vater hatte 5 Kinder. Als er im Alter von 41 Jahren starb übernahmen Paten deren Erziehung. Sein Tod war Folge mangelnder Bau- und Heizmöglichkeiten im Haus, wo selbst der Rauch – ohne Kamin – durch das Haus zog und so nach außen entlassen wurde. Später war das Haus auch einmal Schulhaus für wenige Kinder.
Das wohl schönste Fachwerkhaus zeigt mehrere Fachwerkformen. So symbolisieren die beiden unteren Darstellungen Feuerböcke, als symbolischen Schutz gegen Feuer. Dazwischen in der Mitte vom Haus ist mit gespreizten Beinen der Wilde Mann dargestellt. Oben im Giebel schließlich wurden Sonnensymbole angebracht.
Im 2.Weltkrieg fielen hier kaum Bomben und Dreieichenhain ist auch niemals abgebrannt. Die Gemeinde fand erst neuen Schwung, als sich in den 70er Jahren des vorherigen Jahrhunderts besser verdienende Bürger hier nieder ließen, noch verputzte Fachwerkhäuser kauften und diese fachgerecht restaurierten. Dem aber wollte die Einheimischen nicht nachstehen (ei des wolle mir aach hawwe) und so entstand die heute mit Fachwerkgebäuden erstrahlende Altstadt wieder neu.
Wenige Straßen der Altstadt sind Stichstraßen zur Stadtmauer. Andere sind Bogenstraßen, die in Bogenform verlaufen. Das konnten wir auch an Modellen im Dreieich-Museum erkennen, wo die Gemeinde verkleinert dargestellt ist und von oben eingesehen werden kann.
Hier nun sei Dank der Dame vom Museum, die unsere liebe Gaby per Bedienung mit einem Fußhebel nach oben hievte und auch wieder herab ließ.
An dieser Stelle möchten wir Herrn Hörr noch einmal danken für seinen hervorragenden Fachvortrag, mit dem er uns die Geschichte von Dreieichenhain hautnah erläutern konnte.
Nun war die Zeit zu einer Stärkung gekommen. Im italienischen Eiscafé ließen wir es uns schmecken, und das es schmeckte zeigt diese Bild.
Nun war die Zeit zu einer Stärkung gekommen. Im italienischen Eiscafé ließen wir es uns schmecken, und das es schmeckte zeigt diese Bild.
Bericht und Bilder: Richard (rikue)



























Ei guude wie, Richard, heute erst hab ich Deinen Bericht gelesen und war erstaund, was Du noch alles wußtest. Sowohl die Burgführung und erst recht Dein Bericht darüber waren und sind hervorragend. Herzlichen Dank dafür. Arno Brückner
Hallo Richard, von Dreieichenhain wußte ich bislang nur den Namen. Durch Deinen sehr guten, informativen Bericht habe ich etwas dazu gelernt und sollte ich mal in die Nähe dieses geschichtsträchtigen Ortes kommen, werde ich ihn mir gewiß anschauen. LG Rose
dieser ist bericht von meiner stadt, in der ich seit über 40 jahren wohne, ist fabelhaft. fabelhaft war auch die tatsache, daß ich bei dieser gelegenheit auch ein paar FAler aus darmstadt kennengelernt habe. ich hoffe auf einen gegenbesuch in frankfurt-city! freundliche grüße gretl/schwertlilie
hallo, ihr darmstädter, habe diesen artikel wieder gelesen und bin immer noch beeindruckt, in welch schönem und interessanten ort ich wohne! dreieichenhain ist eine reise wert! fröhliche grüße schwertlilie