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25.02.2010 Besuch beim Regierungspräsidium Darmstadt


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Das im Bild gezeigte Gebäude ist uns allen als Kollegiengebäude bekannt und viele werden auch wissen, dass darin das Regierungspräsidium untergebracht ist. Doch – für was eigentlich gibt es ein Regierungspräsidium? Um das zu klären besuchten wir diese Behörde und erlebten einen interessanten Vortrag.

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Zuvor aber einige Sätze zum Kollegiengebäude: bereits 1777 wurde unter Landgraf Ludwig IX. der Grundstein zu einem dreistöckigen Gebäude gelegt. Es folgten Anbauten und Erweiterungen, wobei bereits 1781 die Spitze der Landesverwaltung in den bis dahin erstellten Gebäudeteil einzog. Im Laufe der Jahrhunderte hatten die verschiedensten Behörden hier ihren Amtssitz. Seit 1953 dient das Gebäude als Amtssitz für das Regierungspräsidium und dies möglicherweise so lang, bis Darmstadt wieder liquide ist:
Die Stadtverwaltung würde hier gerne einziehen. Alleine nur fehlt das Geld den Gebäudekomplex zu kaufen.

Was aber bedeutet das Wort „Kollegiengebäude“? Eine der wichtigsten Verwaltungsorgane war seit dem 17. Jh. der Geheime Rat: Das Kollegium der Geheimen Räte des Landgrafen. Und schon war der Name für das Gebäude festgeschrieben.


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Wenn man das Gebäude betritt fällt als Blickfang im hellen und großzügigen Eingangsbereich sofort eine Skulptur auf: Der „kleine Bruder“ der im Original 12 m hohen Skulptur „Le Pouce“ (Der Daumen) in Paris, geschaffen aus Bronze vom französischen Künstler César. Hierbei handelt es sich um eine Leihgabe des Hessischen Landesmuseums in Darmstadt. Der Granitsockel zur Skulptur allein hat ein Gewicht von 1,3 Tonnen und wurde vom RP entworfen und zur Verfügung gestellt.

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Hier wurden wir von Herrn Josef Zwesper abgeholt, der uns danach hervorragend und umfangreich alles Wissenswerte zu seiner Behörde vermittelte.

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Regierungspräsidien gibt es in Deutschland seit Anfang des 19. Jahrhunderts. Anders aber ist das in Hessen: Das Regierungspräsidium Darmstadt wurde erst nach dem 2. Weltkrieg geschaffen, denn eine solche Verwaltungseinheit gab es nicht im ehemaligen Großherzogtum und im Volksstaat Hessen. Vielmehr gab es hier sogenannte Administrations-Mittelbehörden, die Bündelungscharakter hatten. 1945 wurde Prof. Dr. Ludwig Bergsträsser zum Hessischen Regierungspräsidenten ernannt. 1946 erhielt seine Dienststelle die Bezeichnung „Regierungspräsident Darmstadt“. So gesehen blickt das RP Darmstadt auf eine über 60jährige Geschichte zurück. Der derzeitige Regierungspräsident, Herr Johannes Baron, ist seit 2009 im Amt.

Dabei gehen die Grundgedanken zu derartigen Verwaltungseinheiten auf eine preußische Erfindung aus dem Jahr 1813 zurück. Napoleon war abgezogen. Zurück blieben zwei Erfahrungen: Die positiven Erfahrungen bestanden aus dem guten französischen Rechtssystem, das man übernahm. Die schlechten Erfahrungen zeigten sich in den Zerstörungen, hervorgerufen durch Kriegswirren und der Zerstörungswut der heimwärts ziehenden französischen Söldnern. Preußen stieß in die entstandene Verwaltungslücke, beließ aber Darmstadt im vorhandenen Großherzogssystem.

Heute nun gibt es in Hessen das Regierungspräsidium Darmstadt mit Außenstellen in Frankfurt, Wiesbaden, Eltville, Biebesheim und Hasselroth. Dabei befindet sich in Eltville das Weinbauamt, in Biebesheim die Deichmeisterei und in Hasselroth ein Bildungsinternat für Spätaussiedler. Darüber hinaus gibt es in Hessen Regierungspräsidien in Kassel und in Gießen.

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Die Abbildung zeigt unten das Gebiet des RP Darmstadt (blau/grau), in der Mitte in rot das Gebiet für das RP Gießen und oben in gelb das Gebiet für das RP Kassel(Quelle: RP Darmstadt).

Ein Regierungspräsidium ist eine Aufgaben übergreifende Behörde. Von den rund 6 Millionen Einwohnern in Hessen ist das RP Darmstadt für 3,7 Millionen Bürger zuständig.
Diese wohnen in 187 Städten und Gemeinden, bei 14 Kreisen und kreisfreien Städten, auf einer Fläche von 7.444 km². Dabei ist das Aufgabengebiet des RP derart umfangreich, dass es hier überhaupt nicht beschrieben werden kann.

Herr Zwesper untermauerte seine Aussagen mit Folien, zu denen er dann weiter informierende Aussagen machte. Hier erfuhren wir auch, dass in der Behörde die unterschiedlichsten Berufe wirken, denn es gelten Verwaltungsaufgaben zu erledigen, aber auch das Entschärfen von Bomben aus dem 2. Weltkrieg gehört zu deren Aufgaben.

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Mit inzwischen 1.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erledigt man jährlich rund 5.000 Einzelaufgaben mit noch mehr Gesetzten. Man arbeitet in 62 Dezernaten mit jeweils meistens 15 bis 20 Personen. Eine Abteilung setzt sich dabei aus 100 bis 250 Personen zusammen. Dabei sind diese Personen noch heute in verschiedenen Gebäuden außerhalb des Kollegiengebäudes untergebracht. Spöttisch wurde deswegen die Rheinstraße schon als „Beamtenlaufbahn“ benannt, weil man ständig von einem zum anderen Bürogebäude unterwegs ist.

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Das Jahresbudget der Behörde beläuft sich auf 109 Millionen Euro. Darin enthalten sind 19 Millionen an Sachkosten. Mit dem größeren Rest werden die Gehälter der Mitarbeiter bezahlt. Das RP bezieht seine Zuwendungen vom Land Hessen. Darüber hinaus erwirtschaftete die Behörde 22 Millionen Einnahmen aus Genehmigungen, Einbürgerungsverfahren, Bestätigungen, Gutachten und Schulungen. Im letzten Jahr erwirtschaftete man dabei einen Überschuss von 9 Millionen Euro – Hut ab!

Wir alle stimmten darin überein, dass der Besuch beim Regierungspräsidium eine erfolgreiche Unternehmung war. Deswegen bedanken wir und noch einmal bei Herrn Zwesper und seiner Behörde für den hervorragend gestalteten Vormittag.

Bericht: Richard (rikue)
Bilder: 3 Bilder Walter, 5 Bilder Richard

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