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24.06.2010 Unser Besuch in Seligenstadt


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Selig sei die Stadt genannt, wo ich meine Tochter wiederfand. Dieser der Legende nach von Kaiser Karl dem Großen ausgerufene Satz kommt einem stets in den Sinn, wenn man an Seligenstadt denkt.

Die Stadt ist eine der ältesten Städte Deutschlands und wurde im 2. Weltkrieg ziemlich verschont, anders als die Städte im Umland. Demzufolge sind viele historischen Gebäude erhalten geblieben und stellen heute ein Kleinod dieser Stadt am Main, direkt an der Grenze zu Bayern, dar. Ob die Einhard Basilika mit Klostergarten, farbenprächtigen Fachwerkhäusern, oder kleine Gassen mit malerischen Winkeln – Seligenstadt ist sehenswert. Und diese Stadt haben wir besucht und das erneut bei strahlendem Sonnenschein.

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Dabei ist die Stadt inzwischen1200 Jahre alt. Sie wurde, so lehrte es unser Stadtführer, von Einhard, dem engen Verbündeten, Berater und späteren Biografen Karls des Großen gegründet, nachdem Kaiser Karl ihm für seine treuen Dienste im Jahr 815 die kleine fränkische Siedlung „Obermulinheim“ am Ufer der Mains schenkte. Diese Siedlung war damals schon rund 800 Jahre alt, weil sie sich rund um die Reste eines römischen Kastells gründete.

An dieser Stelle möchte ich auf Herrn Wolfgang Ritter aufmerksam machen, der uns mit hohem Wissen zwei Stunden lang umfangreiche Informationen zukommen ließ. Das alles wiederzugeben ist hier aber unmöglich, weswegen auf einige Kerninformationen aufmerksam gemacht werden soll.

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Die Aufnahme entstand im Klostergarten, in dem seit seiner Gründung im Jahr 1603 Küchenkräuter, Heilpflanzen und Färbepflanzen gezogen werden und wurden, denn ein Kloster war autark, man hatte alles was man brauchte innerhalb der Klostermauern. So musste kein Mönch das Kloster vorübergehend verlassen und begegnete demnach keinesfalls den vielfältigen Gefahren und Verlockungen innerhalb der Bevölkerung. Weil der Garten aber auch zur Erholung diente wurden zur Tarnung und zum Verbrauch in der Klosterküche innerhalb der Beete Nutzpflanzen, wie hier Sellerie und Salat, angepflanzt.

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Im Kloster gab es ein Hospital, Schlaf- und Speisesäle, Aufenthaltsräume und seit 1571eine mit Wasser betriebene Mühle nebst Bäckerei. Alle Räume werden heute noch genutzt, sei es kommerziell, oder zur Besichtigung für Besucher, denn ein Klosterleben findet schon lange nicht mehr statt.

Um das Jahr 830 begann Einhard eine Basilika zu bauen, die nach späteren Erweiterungen noch heute als Wahrzeichen von Seligenstadt gilt. Im Jahr 836 wurde Einhard der erste Abt des zuvor gegründeten Klosters. Vier Jahre später aber starb er. Zusammen mit den Gebeinen seiner Frau Imma ist er in einen Sarkophag gebettet. Dieser befindet sich in der Sakristei. Der Sarkophag wurde von den Grafen von Erbach gespendet und ist 1722 in Flandern entstanden.

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Die Basilika ist innen reich verziert

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Hier in Klosterhof 3 bewohnten wir zu dritt ein Zimmer
Nun habe ich persönlich spezielle Erinnerungen an Seligenstadt und hoffe, dass mir die Leser diesen kleinen Rückblick zugestehen. Alles liegt nun 66 Jahre zurück: Kriegswirren verschlugen uns an den Main und wir wohnten für 1 ½ Jahre im Klosterhof, in dem es auch einen Kindergarten gab. Dieser war katholisch geführt und stand mir als Protestant nicht zur Verfügung. Es gab dort Innenräume und einen eingezäunten Garten, wo die Kinder sich in kleinen Liegestühlchen im Freien ausruhen mussten. Als die Kinder wieder in den Räumen waren, stiegen einige Kinder und ich über den Zaun. Ordentlich erzogen zogen wir die Schuhe aus und legten uns in den Liegestühlchen zur Ruhe. Plötzlich rief jemand: „Da kommt wer!“ Wir sprangen auf und davon. Ich war der Jüngste und durchaus schnell, nur – ich hatte die Schuhe vergessen. Nun musste ich warten, bis die Luft wieder rein war, rasch über den Zaun, die Schuhe greifen… und schon hatte mich die „fromme“ Frau ergriffen. Und dann gab `s vom Himmel hoch – noch heute weiß ich nicht, warum ich harte Hiebe erhielt – außer, ich war halt nicht katholisch!

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Eine Fährüberfahrt gibt es heute noch.
Gegenüber von Seligenstadt liegt Kahl in Bayern und dort gab es im Main ein Flussschwimmbad. Eine Fähre verband beide Ufer und der Fährmann kannte uns. Im Klosterhof floss der Bach, der das Mühlrad der Klostermühle bewegte und in dem Bach spielten wir, auch an dem Tag, als unsere Mutter zu meinem Bruder und mir sagte, dass wir uns nicht schmutzig machen sollten.

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Damals war das ein Bach. Heute betreibt man den Wasserlauf mit einer Umwälzpumpe und treibt so für Mühlenvorführungen noch immer die Wasserräder der Klostermühle aus dem 16. Jahrhundert an. So kann man sich dann vorstellen, woher die Mühle ihre Energie bezog. Allerdings wurde die Mühle 1993/94 restauriert und ist als Showmühle heute wieder voll funktionsfähig.

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Als wir dann schmutzig waren ging die Mutter mit uns zur Fähre, um überzusetzen. Der Fährmann schaute uns an und fragte unsere Mutter: „Sind die beiden Ihnen?“ Unsere Mutter verneinte. Da sprach der Fährmann: „Dann müssen Sie für die beiden auch nichts zahlen.“ Wir freuten uns schon auf das Baden, doch da war nichts. Wir wurden gewaschen und zurück zur Fähre. Der Fährmann sprach: „Sind die beiden Ihnen?“ Die Mutter bejahte und hörte; „dann zahlen Sie für beide nun das Doppelte.“ Wenn man sich die heutige Fähre ansieht, dann liegen Welten zu der, die wir als Kinder kannten. Hier musste der Fährmann noch mit Muskelkraft ein Kettenrad bewegen, ähnlich dem Fahrradantrieb, damit sich die Fähre an einer im Fluss verlegten Kette entlang hangelte.

Aus Brettern und Teer bauten wir ein Boot, das auf dem Bach im Klosterhof ausprobiert werden sollte. Nun wusste keines der Kinder, dass ein Boot einen Kiel hat, mit dem das Boot stabilisiert werden muss. Wir bestiegen das Boot, kenterten sofort und wurden nass. Aus Überraschung, oder Frust gingen wir zum Straßenverkaufsfenster der ansässigen Brauerei. Ein älterer Junge hatte Gutscheine für Bier und bekam es auch. Wir mussten uns unter dem Verkaufsfenster ducken und danach wurde brüderlich geteilt....

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In der Altstadt von Seligenstadt locken eine Vielzahl von Fachwerkhäusern zum Verweilen. Das Bild zeigt den Freihofplatz, der früher als Marktplatz genutzt wurde. Als der zu klein wurde entstand ein neuer Marktplatz.

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Am neuen Marktplatz steht das 1823 im neoklassizistischen Stil errichtete Rathaus. Es ist das einzige Steinhaus am Marktplatz und wurde gebaut, als Seligenstadt gerade mal 2.000 Einwohner hatte.

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Ein Häuserzeile am Marktplatz
Alle anderen Häuser sind Fachwerkhäuser, selbst dann, wenn sie heute noch verputzt sind. Im 17. Jahrhundert nämlich wurden die Fachwerkhäuser verputzt und damit der Putz hielt wurden die Balken angeraut. Wird dann aber der Putz entfernt zeigen die Balken eine interessante Struktur.

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Zwischen den Holzbalken wurde Geflecht, echtes Gefache, eingezogen und mit Lehm ausgefüllt. Wird heute restauriert, dann werden die Zwischenräume mit Ziegelsteinen ausgemauert.

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Die Wappen an diesem Haus zeigen von links nach rechts: den Wappen von Erbach, in der Mitte rechts das Mainzer Rad und links den Wappen des Heiligen Römischen Reichs. Und schließlich den Wappen von Seligenstadt.


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Das Romanische Steinhaus, 1187 errichtet als Vogtei, war 1188 die Stätte des Hoftages von Kaiser Friedrich I. (Barbarossa). Es war zugleich das Wohnhaus des Vogtes und diente dem Kaiser als Unterkunft, wenn er hier vorbei kam. Zwischendurch wurde das Haus als jüdische Schule und als Wohnhaus genutzt. Seit 1978 gehört es der Stadt und beherbergt heute das Standesamt.

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Zwischen 2 Häuser hindurch sieht man den Rest des Palatium, dem Teil einer Kaiserpfalz. Es ist längst eine Ruine und deren Steine anderswo verbaut.


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Wie anfangs schon geschrieben gäbe es noch viel mehr zu berichten. Dabei ist es besser sich hier Appetit zu holen, um Seligenstadt erneut einen Besuch abzustatten.

An dieser Stelle möchten wir alle es nicht versäumen Herrn Ritter noch einmal unseren Dank zu sagen für seine exzellente Führung durch seine Heimatstadt. Dabei lernten wir noch zwei Verhaltensregeln, wenn wir Seligenstadt besuchen:

1) Mache nie einen Witz über die Fasnacht. Für Seligenstädter ist sie heilig!
2) Nenne die Einwohner nie Bayern! Sie sind Hessen an der Grenze zu Bayern, denn drüben, über dem Main leben Franken, die selbst nur ungern offiziell zu Bayern gerechnet werden.

Nach soviel Sehen und Hören mussten wir uns stärken und den schönen Nachmittag ausklingen lassen. Dies geschah dann auch im Klostercafé, wo wir auf der Terrasse den Blick in den Klostergarten genießen konnten.

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Und noch zwei Hinweise:

Einen schönen Film zum Klostergarten findet man bei You Tube, wenn man den nachfolgenden Link eingibt:

http://www.youtube.com/watch?v=RVOec8F-Boo

Über einen Tag in Seligenstadt berichtet You Tube im nachfolgenden Link:

http://www.youtube.com/watch?v=
gCZ8AhKtHMk&feature=related

Bericht: Richard (rikue)
Bilder: Arnulf und Richard

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